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Aus der Stadt Zoo nimmt Abschied von Elefantenfamilie
Hannover Aus der Stadt Zoo nimmt Abschied von Elefantenfamilie
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00:15 10.10.2014
Von Bernd Haase
Au revoir: Mit einem Festessen hat sich der Zoo von fünf seiner Elefanten verabschiedet. Quelle: Wilde
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Hannover

Im Zoo Hannover schmeißt das Personal ab und an Partys für Tiere, zu Geburtstagen etwa oder wenn Abschiede anstehen. Am Dienstag war die Stimmung wehmütig: Die fünfköpfige asiatische Elefantenfamilie um die 32-jährige Kuh Khain Hnin Hnin wird den Zoo in den nächsten Tagen verlassen und eine mehr als 500 Kilometer lange Reise in den französischsprachigen Teil Belgiens antreten. Ihre neue Heimat ist der Tierpark Pairi Daiza in Brugelette, einem 50 Kilometer südwestlich von Brüssel gelegenen Provinzort.

„Die Tiere bekommen ein tolles neues Zuhause, aber wir sind trotzdem traurig“, sagt Tierpfleger Jürgen Kruse. Der hat zusammen mit seinen Kollegen täglich mit den Dickhäutern zusammengearbeitet – auch nächtens, wenn wieder einmal eine Geburt anstand. Davon gab es bekanntermaßen seit 2003 jede Menge in Hannover. Obwohl schon zwischendurch Tiere abgegeben worden sind, tummelt sich derzeit eine 14-köpfige Rüsselbande im Dschungelpalast. „Das versetzt uns in die Lage, erstmals eine komplette Familie abgeben zu können. Darauf sind wir stolz“, sagt Zoo-Geschäftsführer Andreas Casdorff.     

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Der Zoo sagt „Au revoir“: Mit einem großen Festmahl haben sich Zoo Hannover und Elefantenfreunde von gleich fünf Dickhäutern verabschiedet. Sie ziehen in einen anderen Zoo um.

Unter Hannovers Elefanten hat sich eine zweigeteilte Herdenstruktur entwickelt. Die zahlenmäßig kleinere besteht aus Khain Hnin Hnin, die 1997 aus einem niederländischen Zoo gekommen war, ihren Töchtern Farina, Soraya und Malay sowie der Enkelin Amithi. Genau dieses Quintett ist es, das jetzt nach Belgien zieht. „Sie werden dort vertraute Verhältnisse antreffen“, sagt Kruse, der Brugelette inspiziert hat. Der Privatzoo war ursprünglich ein Vogelpark und wird derzeit nach einem ähnlichen Konzept wie der hannoversche Erlebniszoo ausgebaut. Die Elefanten werden ein einer Tempelanlage nachempfundenes Gehege beziehen, das insgesamt sogar mehr Fläche hat als ihr hannoversches Domizil.

Asiatische Elefanten sind in der freien Wildbahn vom Aussterben bedroht. In Europa halten rund 70 Zoos Dickhäuter. „Um den Bestand in den Tierparks zu sichern, müssten pro Jahr etwa 15 Jungtiere geboren werden. Die Zahl wird aber nicht ganz erreicht“, sagt Klaus Brunsing, zoologischer Leiter in Hannover. Der Bulle Nikolai, maßgeblich an den hiesigen Zuchterfolgen beteiligt, kann also weiter wirken – zumal wieder mehr Platz im Gehege ist.

In den vergangenen Tagen haben die Pfleger einige Transportkisten aufgestellt, damit die Reise-Elefanten sich damit vertraut machen können. „Das klappt ganz gut. Wir wollen erreichen, dass wir den Transport durchführen können, ohne die Tiere sedieren zu müssen“, sagt Kruse.     

Die Elefanten wissen von all dem natürlich nichts, und nach allem, was man weiß, können sie auch nicht lesen. Sonst hätten sie am Dienstagvormittag womöglich etwas geahnt. Das Partybüfett, das im Wesentlichen aus Gras, Kürbissen, Bananen sowie weiteren Obst- und Gemüsesorten bestand, bildete in Großbuchstaben ein „Au Revoir.“ Die Elefanten haben das schnell gefressen.