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Aus der Stadt Zoo Hannover baut für 75 Millionen Euro um
Hannover Aus der Stadt Zoo Hannover baut für 75 Millionen Euro um
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00:15 27.02.2015
Von Bernd Haase
Einiges wird neu im Zoo Hannover: doch daran, dass die Elefanten zu den Hauptattraktionen für Besucher zählen, wird sich wohl nichts ändern. Quelle: Wilde
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Hannover

Der Zoo Hannover plant für die kommenden zehn Jahre ein umfangreiches Umbau-, Modernisierungs- und Sanierungsprogramm. Wird es komplett umgesetzt, belaufen sich die erforderlichen Investitionen auf bis zu 75 Millionen Euro. Zum Vergleich: Seit 1995, als im Vorfeld der Weltausstellung der Umbau des Tierparks in der Eilenriede vom traditionellen zu einem Erlebniszoo begann, sind gut 120 Millionen Euro ausgegeben worden.

75 Millionen Euro investiert der Zoo Hannover ab 2018 in Umbauten.

Die sogenannten Erlebniswelten wie Yukon-Bay oder Sambesi sind die Magneten des Zoos und haben ihm steigende Besucherzahlen beschert. Im Kontrast dazu gibt es Ecken, die dringend angefasst werden müssten, für die aber bisher kein Geld vorhanden war. „Wir haben ein tolles Gelände, aber einen sehr unterschiedlichen Bestand“, sagt Regionspräsident und Aufsichtsratschef Hauke Jagau. Deshalb haben Zoo-Geschäftsführung, Mitarbeiter und Gutachter seit etwa einem Jahr am „Masterplan 2025“ gearbeitet und dafür sämtliche Flächen und Bauten bewertet. Außerdem sind neue Anforderungen an die Tierhaltung berücksichtigt und die Wirtschaftlichkeit der Projekte berechnet worden.

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„Der Masterplan 2025 zeigt, wie wir den Zoo in den nächsten Jahren weiterentwickeln wollen“, sagt Geschäftsführer Andreas Casdorff. Prämisse sei, das Konzept der geografischen Thematisierung und der Wissensvermittlung durch Geschichten-Erzählen konsequent fortzusetzen.

Geplant sind neue Bereiche wie etwa eine begehbare Voliere für die Vogelwelt Afrikas und eine Landschaft, die sich der Tierwelt Madagaskars widmet. Wegen des sogenannten Säugetiergutachtens, mit dem der Bund Tierhaltern Regeln vorgibt, muss der Zoo aber auch Anlagen umbauen, die noch gar nicht so alt sind. Dazu zählt beispielsweise da Elefantenhaus.

So sieht der Zeitplan für die Umbauten vor. Quelle: r

Im Zuge der umfangreichen Umbauarbeiten muss der Zoo einige Tiere abgeben: Für die Orang Utans sucht der Zoo ein neues Zuhause.

Die wichtigesten Fragen und Antworten zum Umbau

Warum handelt der Zoo?
Aus mehreren Gründen. Es gibt baufällige Anlagen wie das Tropenhaus und brachliegende Ecken wie das frühere Robbenbassin, dessen einstige Bewohner seit 2010 in der Polarlandschaft Yukon-Bay leben. Der Zoo muss neue Auflagen und Erkenntnisse für die Tierhaltung berücksichtigen – „täten wir es nicht, müssten wir uns irgendwann von unseren Elefanten und Giraffen trennen“, sagt der zoologische Leiter Klaus Brunsing. Außerdem will der Zoo in Sachen Besucherattraktivität wetterunabhängiger werden und mehr Programm an den Nachmittagen bieten.

Was soll gemacht werden?
Vieles –die Liste umfasst insgesamt elf Projekte. Vor allem wird die Sambesi-Landschaft wachsen. „Es geht darum, das Thema Afrika rund zu machen“, erklärt Brunsing. Noch in diesem Jahr beginnt der Bau einer begehbaren Afrika-Voliere hinter dem jetzigen Eingang, in der unter anderem Kleinpapageien und Gabelracken leben werden. Die Showarena zieht zur Streichelwiese, diese wiederum auf die jetzige Antilopenanlage. Das Tropenhaus mit den Drills wird abgerissen; die Pavianart erhält ein neues Außengehege. Vom nächsten Jahr an wird an der Stelle des maroden Verwaltungsgebäudes ein neuer Eingangsbereich gebaut. „Der jetzige liegt mitten im Zoo und blockiert Flächen“, sagt Geschäftsführer Casdorff. 2017 will der Zoo mit der Erweiterung der Elefantenanlage beginnen. Dort sollen Besucher die Dickhäuter auch in einer Laufhalle sehen können, wenn das Wetter schlecht ist. Gleiches ist für die Giraffenanlage geplant. Bis 2019 soll auf der Fläche des Tropenhauses eine Madagaskar-Landschaft in Form eines begehbaren Lemurenwaldes entstehen. Und bis 2020 wird Sambesi noch einmal erweitert.

Ist das alles schon in Stein gemeißelt?
Irgendwie nein, sagt Casdorff – „zehn Jahre sind ein langer Zeitraum. Da kann vieles passieren.“ Die Planung müsse in regelmäßigen Abständen konkretisiert und gegebenenfalls angepasst werden. Irgendwie ja, sagt Regionspräsident und Aufsichtsratsvorsitzender Hauke Jagau – „Zoologie und baulicher Zustand einiger Anlagen erfordern Handeln.“ Da der Zoo räumlich nicht erweitert werden kann und neue Projekte nur auf Flächen zu realisieren sind, die vorher geräumt wurden, hängt am Ende alles mit allem zusammen. „Die Frage ist nicht so sehr, ob wir das machen, sondern wann“, sagt Jagau – und verweist auf die derzeit günstigen Kreditkonditionen.

Was kostet das alles und wer zahlt?
Die Gesamtkosten beziffert Zoo-Finanzgeschäftsführer Frank Werner auf bis zu 75 Millionen Euro. Darin enthalten sind vier Millionen Euro, die der Zoo ohnehin für den laufenden baulichen Unterhalt benötigt. 40 Millionen Euro will der Tierpark über Kredite aufbringen, der Rest soll von der Region kommen, dem Alleingesellschafter. „Der Zoo braucht seit drei Jahren keine Zuschüsse für den Alltagsbetrieb mehr. Aber ein derartiges Programm kann er nicht ohne finanzielle Hilfe leisten“, sagt Jagau.

Was passiert in der Tierwelt?
Orang-Utans, Gibbons und einige Antilopenarten müssen den Zoo verlassen, für die Menschenaffen wird schon ein abnehmender Tierpark gesucht. Es kommen aber auch neue hinzu oder wieder – beispielsweise mit dem Madagaskar-Projekt die früher bei den Hannoveranern beliebten Riesenschildkröten.

Wie geht es weiter?
Der Aufsichtsrat des Zoos hat den Masterplan einstimmig beschlossen, demnächst beginnen die politischen Beratungen in den Ausschüssen der Regionsversammlung.

Und dann wären da noch ... Visionen.
 Nach 2025 würde der Zoo gerne eine Asienhalle und eine Erlebniswelt Südamerika errichten. Hierfür gibt es weder Kostenschätzungen noch Zeitpläne. „Es ist vorerst Wunschdenken“, sagt Casdorff.

 

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