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Aus der Stadt Zu Besuch in Hannovers erstem jüdischen Kindergarten
Hannover Aus der Stadt Zu Besuch in Hannovers erstem jüdischen Kindergarten
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02:15 30.06.2017
Von Gunnar Menkens
Menasche, 4, mit Kippa, und Rebecca Seidler staunen über die kunstvollen Knotfiguren. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Die Kinder tanzen, sie sehen dem Luftballon-Zauberer zu und die Großen bekommen sogar Schultüten. „Kindergartenzeit ade“, heißt es nämlich, wenn für sie in ein paar Wochen die Schule beginnt. Aber das Fest zur Feier des Tages machen sie natürlich noch mit, wie auch ihre Eltern, meistens sind es die Mütter.

Dass der Kindergarten der Liberalen jüdischen Gemeinde auch im zehnten Jahr seines Bestehens ein besonderer ist, kann man auf den ersten Blick kaum erkennen. Aber noch immer kontrolliert eine Videokamera, wer ins Gebäude in Leinhausen hinein kommt. Noch immer schauen Polizisten regelmäßig vorbei und immer noch ist das Glas in Fensterrahmen sehr dickes Schutzglas. Mitarbeiter und Eltern haben sich an diesen Zustand gewöhnen müssen. Rebecca Seidler, zweite Vorsitzende der Gemeinde und zuständig auch für Kinder- und Jugendarbeit, sieht es so: „Es würde jüdische Eltern eher überraschen, wenn es diese Vorkehrungen nicht geben würde.“

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40 Jungen und Mädchen haben Platz im Kindergarten. Die Mitarbeiter, ein konfessionell gemischtes Team, wollen aber das Besondere nicht sehr zum Thema machen. Ältere Kinder kennen die Beamten, die vorbei schauen, und sie haben gelernt, nicht etwa aus Unachtsamkeit Rucksäcke zu öffnen, die in Räumen herumstehen. Seidler lehrt die Kinder, dass alles ihrer Sicherheit dient. Wird sie gefragt, warum denn nötig ist, was es anderswo nicht gibt, dann erklärt sie es so: „Weil es Menschen gibt, die etwas gegen Juden haben.“

In die Kita der liberalen jüdischen Gemeinden kommen viele Kinder, die, wie in anderen Kindergärten auch, oft keine Deutschkenntnisse haben. Deshalb sei Sprachförderung wichtig, Mitarbeiter könnten Deutsch, Russisch und Hebräisch. Russisch ist wichtig, sagt Seidler, weil viele der ein- bis Sechsjährigen Kinder von Russland-Deutschen sind. Deutsch aber ist die zentrale Sprache im Kindergarten, den auch Kinder anderer Konfessionen besuchen können. Das Besondere aber bleibt, dass hier alle jüdischen Feiertage gefeiert werden und jüdische Kultur in die Kindergartenzeit integriert wird. Das Preisgefüge ist das übliche: es gilt die Staffel der Stadt Hannover. Und es gibt eine Warteliste.

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