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Aus der Stadt Zugdiebe müssen ins Gefängnis
Hannover Aus der Stadt Zugdiebe müssen ins Gefängnis
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10:32 14.04.2012
Von Sonja Fröhlich
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Am Freitag wurden zwei Diebe vom Amtsgericht Hannover zu Gefängnisstrafen verurteilt. Quelle: Tim Schaarschmidt (Symbolbild)
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Hannover

„Man muss sich das mal vorstellen: Die Leute liegen im Abteil und schlafen, und dann kommen welche und greifen nach ihren Sachen“, sagte Richter Hans-Jochen Siecken in seiner Urteilsbegründung.

Zu den Taten kam es in der Nacht zum 21. Dezember 2011 in einem Zug der Deutschen Bahn, der auf dem Weg von Kopenhagen nach Amsterdam war. Zwischen Hamburg und Hannover beobachtete der Zugführer, dass ein Mann mit einer roten Tasche in der Toilette verschwand - und ohne diese wieder herauskam. „Es ist schon ungewöhnlich, wenn Männer mit roten Taschen in der Toilette verschwinden“, bemerkte der Zeuge vor Gericht. „Als er ohne die Tasche rauskam, war mir klar, was es war: Diebstahl - schoss es mir durch den Kopf.“Die Bundespolizei fand die Tasche später an Gleisen in Bienenbüttel; der Täter muss sie aus dem Fenster der Toilette geworfen haben.

Wie sich herausstellte, gehörte die Tasche einer Holländerin, die mit dem Zug in ihr Heimatland unterwegs war. Sie schlief, als der Täter ihr Abteil mit einem Vierkantschlüssel von außen öffnete und zugriff. Etwa zur selben Zeit beobachtete eine Kollegin des Zugführers einen zweiten Mann, der sich mit einem Werkzeug an mehreren Türen der Schlafabteile in einem anderen Wagen zu schaffen machte. Die Mitarbeiter riefen die Bundespolizei. Die Beamten nahmen die Polen am Hauptbahnhof Hannover fest.

Verteidigerin Tanja Brettschneider forderte einen Freispruch für ihren Mandanten. Die Tat sei ihm nicht nachzuweisen: „Niemand hat beobachtet, wie er den Rucksack aus dem Fenster warf. Außerdem ist bei ihm kein Diebesgut gefunden worden.“ Amtsrichter Siecken war anderer Überzeugung: „Es ist wohl nur nicht zu schwerwiegenden Taten gekommen, weil die Mitarbeiter gut aufgepasst haben“, sagte er mit Verweis auf zwei Messer, die bei den Männern gefunden worden waren. Gegen sie sprach auch eine einschlägige Vorstrafe: Bereits im Jahr zuvor hatten die Polen Schlafende in Nachtzügen bestohlen. Die dafür ausgesetzte Bewährung wird mit dem aktuellen Urteil aufgehoben. Die Verteidigung kündigte Berufung an.

Bärbel Hilbig 17.04.2012
Tobias Morchner 13.04.2012