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Aus der Stadt Zugereiste Politiker mit besonders viel Engagement für Hannover
Hannover Aus der Stadt Zugereiste Politiker mit besonders viel Engagement für Hannover
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21:12 06.04.2010
„Ein bisschen wie am Bosporus“: 
Den Grünen-Politiker Serdar Saris
 erinnert der Maschsee an den
 Bosporus in seiner Geburtstadt 
Istanbul. Quelle: Florian Wallenwein

Es war kalt, dunkel, und es regnete in Strömen, als Serdar Saris im Jahr 1978 im Auto die Vahrenwalder Straße entlangfuhr. Es war das erste Mal, dass der in Istanbul geborene Regionspolitiker nach Hannover kam. Hier also sollte er die nächsten Jahre wohnen und studieren, dachte Saris. Grau in grau huschten die Fassaden der Häuserblocks an den mit Regentropfen benetzten Seitenfenstern seines Wagens vorbei.
„Ich erschrak bei dem Anblick“, erzählt der 50-Jährige heute. „Ich hatte damals das Gefühl, dass ich gerade dabei war, den größten Fehler meines Lebens zu machen.“ 32 Jahre später hat er für die Erinnerung an seine Ankunft nur noch ein Lächeln übrig. Inzwischen bezeichnet Saris Hannover als seine Heimat. Und der Grünen-Politiker setzt sich mit viel Engagement und Herzblut für seine Stadt und die Region ein.

Die Identifikation mit der eigenen Umgebung ist eine wichtige Voraussetzung, um Kommunalpolitik machen zu können. Zugereiste wie Saris mussten dafür allerdings erst einmal ihre Liebe zu der oftmals als langweilig verschrienen Landeshauptstadt entdecken. Doch Hannovers Reize als grüne Stadt mit hoher Lebensqualität und unaufgeregtem Lebensrhythmus sind offenbar gerade für Auswärtige stark und überzeugend. Und so sind es später oft die Zugezogenen, die mehr von ihrer Stadt schwärmen, als die Hannoveraner selbst das tun. „Das ist dann natürlich eine ideale Voraussetzung, um sich auch mit vollem Einsatz kommunalpolitisch einzusetzen“, meint Saris.

Der Regionspolitiker, von Jugend an politisch engagiert, hat allerdings lange gebraucht, um die Wirkung seiner ersten Eindrücke auf der Vahrenwalder Straße zu vergessen. Erst 1993 folgte er dem Werben eines Studienfreundes, zu den hannoverschen Grünen zu kommen. Doch danach ging alles ganz schnell: 1996 wurde Saris in den Rat der Stadt gewählt, 2001 dann in die neu gegründete Regionsversammlung, wo er auch den Fraktionsvorsitz übernahm. „Der Reiz lag für mich darin, die Auswirkungen der Politik gleich vor Ort sehen zu können“, erklärt Saris, der sein Mandat nun aber im Mai aus beruflichen Gründen niederlegen will.

Als der Familienvater in die Kommunalpolitik ging, hatte er längst eine positive Beziehung zu Hannover. Geholfen haben ihm dabei auch die Geburten seiner beiden Söhne, denen er ein festes Umfeld geben wollte. Die Zerrissenheit, die er selbst als Migrantenkind fühlte, das im Alter von neun Jahren von Istanbul nach Oldenburg gekommen war, wollte er den eigenen Kindern ersparen. Auch habe er natürlich mit der Zeit die schönen Ecken in Hannover kennengelernt, sagt Saris. Die Eilenriede etwa, die auch seine türkischen Verwandten aus Istanbul bei Besuchen immer wieder begeistere. Oder den Maschsee, der ihn ein bisschen an den Bosporus erinnere. „Hannover ist eine rundherum tolle Stadt“, schwärmt der Kommunalpolitiker heute. So wie Istanbul. Nur anders.

Wie Saris war auch der aus der Bodenseeregion stammende CDU-Politiker Manfred Benkler, seit 2006 Bezirksbürgermeister für Kirchrode, Bemerode und Wülferode, zunächst nicht davon überzeugt, dass er lange in der Leinestadt bleiben werde. „Ich dachte, Hannover wäre eine Durchgangsstation“, sagt der heute 67-Jährige, der 1975 der Liebe wegen gekommen war – und dann doch blieb. Inzwischen bezeichnet auch er sich als Hannoveraner. Seine Herkunft kann Benkler wegen seines badischen Zungenschlags allerdings nicht verbergen. Nachbarn und Bekannte hätten ihn oft darauf angesprochen und wissen wollen, wie er denn eine so schöne Urlaubsregion habe verlassen können, erzählt er. „Wenn man nichts anderes kennt, ist das für einen selbst nichts Besonderes mehr“, sagt er dann.

Benkler wollte raus aus der Provinz und kam während seines Jurastudiums über Freiburg und München schließlich nach Hamburg. In der Hansestadt lernte er seine spätere Ehefrau kennen – eine Hannoveranerin. Auch zu diesem Zeitpunkt war er kommunalpolitisch bereits aktiv und saß bis zu seinem Umzug nach Hannover im Bezirksrat Mitte der Elbmetropole. Politik zu machen, sagt Benkler, sei ihm angeboren. Und natürlich sei es auch eine Möglichkeit gewesen, in einer neuen Umgebung Kontakt zu Gleichgesinnten zu bekommen. Aus beruflichen Gründen konnte der ehemalige Geschäftsführer der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover in der Landeshauptstadt aber zunächst kein politisches Mandat ausüben. Ganz auf politische Aktivitäten wollte er aber nicht verzichten und gründete wenige Jahre nach seiner Ankunft in Kirchrode einen neuen CDU-Ortsverband. Seit Benkler im Ruhestand ist, hat er endlich Zeit, sich auch als Mandatsträger zu engagieren. Seit 2006 ist er im Bezirksrat Kirchrode, Bemerode, Wülferode – und wurde dort auf Anhieb zum Bürgermeister gewählt.

Schon länger dabei ist Benklers Buchholzer Amtskollege, der SPD-Politiker und Bezirksbürgermeister Georg Fischer. Doch wenn der lebensfrohe und lustige Mann in dem Stadtteilgremium das Wort ergreift, erkennen die Zuhörer gleich, dass der 67-Jährige kein gebürtiger Niedersachse ist. Das rollende „R“ verrät die Herkunft des in Regensburg aufgewachsenen Bayern. Bis auf seinen dort lebender Bruder verbinde ihn aber nur noch wenig mit seiner Geburtstadt, in der er seinerzeit auch Ministrant bei dem aufstrebenden Geistlichen Joseph Ratzinger gewesen sei – inzwischen bekanntermaßen Papst in Rom. „Vielleicht noch, dass ich ab und zu gerne ein Weißwürstl esse und im Sommer dazu Weißbier trinke“, meint er schmunzelnd.

Was von Regensburg bleibe, sei neben dem Dialekt seine typisch süddeutsche, kommunikative Mentalität, die ihm gerade in seiner kommunalpolitischen Arbeit stets mehr Vor- als Nachteile gebracht habe, sagt Fischer. „Ansonsten bin ich in Groß-Buchholz schon lange zu Hause und fühle mich hier sauwohl“, sagt der gelernte Melkermeister, der durch seinen Beruf im ganzen Land herumgekommen war. Binden wollte er sich zunächst nicht. Erst die Begegnung mit seiner späteren Ehefrau 1965 – auch sie stammt aus der Region – habe das geändert.

Seit 1969 lebt Fischer in Hannover und fand in seinem Stadtteil schnell Anschuss in Vereinen, unter anderem bei den Karnevalisten und den Schützen. Acht Mitgliedschaften pflegt er heute. In diesem Jahr wird der Bezirksbürgermeister zum zweiten Mal Schützenkönig seines Stadtteils sein. Das hat in Groß-Buchholz vor ihm wohl noch kein Bayer geschafft. Dazu kommt Fischers Zugehörigkeit zur SPD, in die er 1977 eingetreten ist und für die er bereits seit 1991 durchgängig im Bezirksrat Buchholz-Kleefeld sitzt. „Ich brauche Menschen um mich herum, und ich will mitmischen“, sagt Fischer, wenn man ihn nach den Gründen seines Engagements fragt.

Um Menschen geht es auch Saris und Benkler bei ihrer kommunalpolitischen Arbeit. Und da sei es doch im Prinzip auch egal, in welcher Stadt man lebe. „Wenn die Stadt dann noch so liebenswert wie Hannover ist, dann muss man am Ende sagen, man hat die richtige Entscheidung getroffen“, sagt Benkler. Auch Saris sieht das heute so, nachdem er inzwischen auch viele Male bei blauem Himmel und Sonnenschein die Vahrenwalder Straße entlanggefahren ist.

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