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Aus der Stadt Das war der Zukunftstag in Hannover
Hannover Aus der Stadt Das war der Zukunftstag in Hannover
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00:26 26.04.2015
Foto: Am Zukunftstag bei der Feuerwehr hatten manche das Glück in einem echten Einsatzwagen zu sitzen.
 Am Zukunftstag bei der Feuerwehr hatten manche das Glück in einem echten Einsatzwagen zu sitzen. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Ob in der Uni oder bei Komatsu am Schweißgerät, ob im Döhrener Café oder in den Sälen des Gerichts: Überall spielten Schüler am Donnerstag die Hauptrolle. Es war wieder Zukunftstag, hervorgegangen aus dem einstigen Girl’s day,  und längst haben Unternehmen begriffen, dass sie den Tag gut für Werbung nutzen können. Fast überall standen Spaß und Unterhaltung im Vordergrund.

Große Autos 
sind nicht nur 
was für Jungs

Für etwa sieben Stunden hat sich der Frauenanteil an der Feuer- und Rettungswache 1 verdoppelt. Sechs Schüler aus der Region, darunter drei Mädchen, durften pünktlich um 7.30 Uhr gemeinsam mit der Wachabteilung 1 den Dienst am Weidendamm antreten. „Wir wollten den Kindern ein realistisches Bild der Arbeit hier vermitteln“, sagte Feuerwehrsprecher Michael Hintz. Dazu gehörte das gemeinsame Frühstück genauso wie die Geräteprüfung am Morgen. Natürlich durften die Nachwuchsfeuerwehrleute danach auch einmal in die Fahrzeuge hineinschauen. Den ferngesteuerten Löschroboter, das sogenannte Löschunterstützungsfahrzeug, durften die Kinder sogar einmal selbst steuern. „Obwohl es ein typischer Männerberuf ist, fand ich die Feuerwehr schon immer toll“, sagte die 14-jährige Katharina. Vielleicht tun in ein paar Jahren dann ja vier Frauen Dienst in der Feuerwache 1.

Helfen im Stephansstift

Hilfestellung: Thore Marock (13) und Liam Hösselbarth (12) probieren eine Vorrichtung, um bettlägrige Patienten in einen Rollstuhl zu befördern, aus. Quelle: Schaarschmidt

Auch im Stephansstift haben fast 40 Schüler  den Tag genossen. Dort allerdings ging es um einen Beruf, der massive Nachwuchsprobleme hat: Altenpflege. „Wir rechnen schon sehr bald mit einem ernsten Fachkräftemangel in der Altenpflege“, sagte Thomas Graulich vom Stephansstift den zehn Schülerinnen und 29 Schülern. Der Arbeitsagentur zufolge werden schon jetzt examinierte Altenpfleger dringend gesucht, dazu gibt es aktuell 160 freie Ausbildungsplätze. Gute Chancen also für Nachwuchskräfte, die Interesse an dem Berufsbild haben. Wie ist es aber, mit Alten zu arbeiten?

Als von Stromschlägen die Rede ist, schütteln sich manche Schüler so, erlitten sie selbst gerade welche, und lachen. Als sie dann aber Handschuhe anziehen, die durch Stromimpulse die Hände zittern lassen, merken sie, dass selbst alltägliche Dinge wie das Essen mit Messer und Gabel schwierig wird. Für viele alte Menschen ist ein Tremor, so der Fachbegriff für das Händezittern, Alltag.

Beim Zukunftstag 2015 in Hannover haben Schüler unter anderem das Rathaus, das DRK und die Madsack Mediengruppe besucht.

Die Schüler bastelten mit den Bewohnern Maikäfer und Blumen aus buntem Tonpapier, übten Blutdruckmessen an den Mitarbeitern und lernten in einem Alterssimulationsanzug, wie man sich mit 90 Jahre fühlt. „Den Anzug auszuprobieren, ist lustig“, sagt Helena Ahlbrand (13) von der Schillerschule. Nicht schön sei allerdings die Vorstellung, im Alter so eingeschränkt zu sein.

Die Altenpflege gilt als ein physisch und psychisch belastender Job. Die Bezahlung dafür ist nicht sonderlich gut: Eine zu Jahresbeginn publizierte Studie des Forschungsinstituts IAB der Bundesagentur für Arbeit belegt, dass Fachkräfte im Schnitt 2441 Euro brutto verdienen. Trotzdem können sich mehrere Schüler vorstellen, den Beruf auszuüben. Viktoria Kryschin von der Realschule Misburg fängt sogar schon an, Bewerbungen zu schreiben. „Ich arbeite gerne mit Menschen, und die Belastung halte ich aus“, sagt die 16-Jährige.

Tierpfleger-Job
 ist kein
 Streichelzoo

„Anstrengendes Handwerk“: Schüler im Flusspferdhaus. Quelle: Surrey

Davon träumen viele Kinder: Ein Tag hinter den Kulissen des Zoo Hannover. 40 Schülern bot sich Gelegenheit dazu. Aufgeteilt auf vier Gruppen besuchten die Kinder neun Stationen, beispielsweise die Restaurants oder die Tierklinik. Dort zeigte Tierarzt Viktor Mollnar die Ultraschalluntersuchung eines Python-Herzens. Höhepunkt: Die Kinder probierten ein Blasrohr aus, mit dem Betäubungsspritzen abgeschossen werden. „Was bedeutet Oxygensättigung?“, will der zwölfjährige Simon wissen. Vielleicht kann er die Antwort später mal brauchen. Er möchte nämlich Tierarzt im Zoo werden. Im Flusspferdhaus erklärt Tierpfleger Markus Köchling, dass sein Job nicht nur daraus besteht, Tiere zu streicheln, sondern ein anstrengendes und oft schmutziges Handwerk ist. Das schreckt die zwölfjährige Elef aber nicht ab: „Ich würde hier gern arbeiten – allerdings nur Teilzeit neben dem Studium.“

Schüler proben 
gut geschminkt 
den Ernstfall

Gemeinsam mit einem Rettungsassistenten verbindet Sören (r.) Fynn den Kopf. Quelle: Surrey

Am Vormittag verwandelte sich das Simulations- und Trainingszentrum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Hannover in ein Lazarett. Zahlreiche Schüler aus der ganzen Region liefen mit verbundenen Köpfen und geschienten Armen durch die Räume oder lagen sogar schon sicher auf eine Trage geschnallt im Rettungswagen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern des DRK durften die Kinder und Jugendlichen zwischen elf und 16 Jahren den Ernstfall proben. „Damit das auch authentisch wirkt, werden sie dafür von unseren Notfalldarstellern geschminkt“, erklärte Rettungsassistent Zorab Sadozi. Der elfjährige Fynn konnte dabei wegen einer Allergie zwar nicht mitmachen, gelernt hat er trotzdem etwas. „Wenn sich in Zukunft jemand in meiner Familie oder ein Freund in der Schule verletzt, weiß ich, was ich tun muss“, sagte der Schüler, der irgendwann mal in der Medizin arbeiten will.

Den alten
 Dingen auf 
der Spur

„Cooler Job“: Museumspädagogin Katrin Schäfer mit Jan-Wilko. Quelle: Thomas

Sein Urteil am Ende des Vormittags fällt differenziert aus: „Die Arbeit im Museum ist schon cool“, sagt Jan-Wilko, „aber es ist auch ein harter Job, all die wertvollen Stücke zu erhalten und ansprechend zu präsentieren.“ Der 14-Jährige von der Albert-Einstein-Schule in Laatzen hilft Museumspädagogin Katrin Schäfer, den Kostümfundus des Hauses zu durchforsten und historisches Spielzeug zu reparieren – wie die Peitschenkreisel, die vom Juli an in der Ausstellung „Erklär mir mal Hannover“ zu sehen sein sollen. Beim Museumsfotografen Reinhard Gottschalk sichten Amelie und Ella unterdessen alte Bilder für die Schau, die das Leben von Jugendlichen in der Stadt thematisieren soll. „Ich interessiere mich für Geschichte“, sagt Amelie, die die KGS Hemmingen besucht. Allerdings sei es kaum möglich, an nur einem Tag viel über einen Beruf zu erfahren: „Dazu braucht es schon ein Praktikum.“

Rathaus wird 
zum Kinderhaus

Vom Koch bis zum Bürgermeister: Gruppenbild am Rathaus. Quelle: Dröse

Gut 320 Schulkinder haben das Rathaus gestürmt – Berufsbilder wie Erzieher, Verwaltungsfachwirt und Veranstaltungskaufmann standen dort im Fokus, aber auch Koch, Elektroniker oder Sekretär im Büro eines Dezernenten. Diesmal war die Anzahl der Jungen und Mädchen nahezu ausgewogen. Oberbürgermeister Stefan Schostok pries mit Bürgermeister Thomas Hermann die Vorzüge der Rathausarbeit: „Ihr werdet sehen, wie spannend und vielfältig die Arbeit in der Verwaltung ist“, sagte er bei der Begrüßung.

VWN lädt nur 
Mädchen ein

Schülerin Meda Sarlauskaite lässt sich von Azubi Jannik Höhne eine Presse erklären. Quelle: HAZ

Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) hatte ausschließlich Schülerinnen eingeladen – und nannte den Tag deshalb auch Girl‘s Day. Rund 200 Mädchen informierten sich im Werk Stöcken über gewerblich-technische Ausbildungsberufe. Unter anderem konnten sie die Unterschiede zwischen den verschiedenen Berufen wie Industriemechanikerin, Mechatronikerin, Elektronikerin für Automatisierungstechnik und Werkzeugmechanikerin kennenlernen. VWN will verstärkt junge Frauen für technische Berufe begeistern.

saf, jki, mak, be

Michael Zgoll 23.04.2015
Michael Zgoll 23.04.2015
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