Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Zum Prozessauftakt eine Gegenrede unter Tränen
Hannover Aus der Stadt Zum Prozessauftakt eine Gegenrede unter Tränen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:07 20.10.2009
Von Gabi Stief
Sechs Jahre Warten auf einen Prozess: Mechthild Bach und ihr Verteidiger Matthias Waldraff vor Verhandlungsbeginn. Quelle: Dröse

Einst habe sie anderen Zuversicht gegeben, sagt die Angeklagte. Nun brauche sie selbst Kraft und Zuversicht. Zeitweilig stockend, aber weitgehend gefasst hat sich die Ärztin Mechthild Bach am Dienstag erstmals selbst zu dem Vorwurf der Tötung von 13 Patienten geäußert. Sie werde zu Unrecht beschuldigt, sagte sie in einer 20-minütigen Erklärung mit tränenerstickter Stimme zum Prozessauftakt vor dem Landgericht. „In keinem der 13 Fälle habe ich die letzte Lebenszeit meiner Patienten durch Morphium verkürzt.“ Zugleich räumte sie ein, die medizinische Dokumentation nicht genau genug genommen zu haben. „Es ist zweifellos der schwerwiegende Fehler, der mich hierher gebracht hat.“

Es ist das zweite Mal, dass die Langenhagener Internistin vor Gericht steht. Im August vergangenen Jahres, fünf Jahre nach den ersten Ermittlungen und einer Strafanzeige, musste der Prozess abgebrochen werden, weil ein Richter schwer erkrankt war. Manches, was die zierliche Frau im zartrosa Blazer am Dienstag hinter ihrem Tisch stehend vom Blatt ablas, klang wie eine späte Gegenrede.

Eine kühle Medizinerin, die keine Zeit für ihre Patienten hatte? Eine ehrliche, kompetente und vertrauenswürdige Ärztin wollte sie sein, sagt sie. Eine Begleiterin „in jeder Lebenssituation“, die Mut macht, aber auch über unveränderbare Wahrheiten spricht. Ein wenig scheint ihr das gelungen zu sein. Die Internistin Bach war gefragt. Die 59-Jährige erinnerte am Dienstag daran, dass Krebspatienten aus dem ganzen Bundesgebiet in ihre Praxis kamen. Darunter viele Sterbenskranke.

Eine Sterbeklinik? Palliativstationen und Hospize habe es damals nur wenige gegeben, sagt sie. Für Familien und Kliniken, auch für die Medizinische Hochschule „war meine Praxis und meine Station in der Paracelsusklinik ein gefragter Ansprechpartner“. Die Stille im Saal wird zur Last, als sie die Namen der 13 angeblich getöteten Patienten auflistet und ihre Krankheiten aufzählt. „Jeder dieser Patienten befand sich in seiner letzten Lebensphase.“ Jeder habe das Recht, diesen Abschnitt in Würde und angstfrei zu erleben. Tod durch Morphium und Valium? Alle seien nach „palliativmedizinischer Betreuung“ an ihrem jeweiligen Leiden gestorben. Bei Patient Nummer acht kämpft sie erneut mit den Tränen. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch, der betont ruhig und angenehm sachlich durch die Verhandlung führt, bietet eine kurze Pause an.

Auch das, was Verteidiger Matthias Waldraff anschließend vorträgt, ist eine Art Bilanz dessen, was vor einem Jahr geschah. Der Sachverständige Michael Zenz habe während der ersten Verhandlung Objektivität und Neutralität gegenüber der Angeklagten vermissen lassen, führt er aus. „Er verstand sich als Ankläger und nicht als Gehilfe des Gerichts.“ Solange er so voreingenommen sei, werde sich seine Mandantin nicht mehr selbst äußern. Auf einen Befangenheitsantrag verzichten die Verteidiger. „Wir möchten erst sehen, wie Sie agieren!“, lässt Waldraff den Schmerzmediziner wissen, der im Gegensatz zur ersten Prozessrunde gemeinsam mit den beiden weiteren Gutachtern, Rafael Dudziak und Achim Schmold, nicht mehr neben den Anklägern, sondern dem Richtertisch gegenüber sitzt.

Nicht nur das Auftreten des Sachverständigen, auch dessen Arbeitsbilanz wird dann noch einmal Thema. Ausführlich lässt Waldraff die verpassten Termine für die Abgabe der Gutachten Revue passieren. Im Oktober 2003 erhielt Zenz den Auftrag, weitere 13 Gutachten zu 13 Krankenakten zu erstellen, darunter jene fünf Fälle, die nun Inhalt der zweiten Anklage gegen Bach sind. Immer wieder, so kritisiert Waldraff, habe die Staatsanwaltschaft höflich angefragt, ob der Auftrag erledigt sei. Immer wieder habe Zenz die Justiz vertröstet – mit Hinweis auf seine universitären Aufgaben und klinischen Verpflichtungen in Bochum. Der Staatsanwaltschaft wirft der Verteidiger vor, weder Fristen gesetzt, noch ein Ordnungsgeld verhängt zu haben. Dem Gutachter hält er vor, trotz seiner Überlastung den Auftrag nicht zurückgegeben zu haben. Zenz habe „seine eigenen Interessen im hohen Maß über das verfassungsmäßige Recht der Angeklagten auf ein zügiges Verfahren gestellt“.

Erst im April dieses Jahres lieferte Zenz das Gutachten ab, fünfeinhalb Jahre nach Auftragsannahme. Mechthild Bach musste warten; sie durfte ihren Beruf nicht ausüben und musste sich alle zwei Wochen bei den Behörden melden, da ein Haftbefehl aus dem Jahr 2004 nur außer Vollzug gesetzt ist.

Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.

Wo irgend möglich, sollen die Radwege im Stadtbezirk Mitte für Inlineskater freigegeben werden. Das hat der Bezirksrat Mitte parteiübergreifend gefordert. Betroffen wären die Stadtteile Mitte, Zooviertel, Calenberger Neustadt und Oststadt und damit auch Teile der Eilenriede-Radwege.

Conrad von Meding 20.10.2009

Hunderte Schrotträder rosten an Hannovers Straßenrändern vor sich hin, verschandeln das Stadtbild und verhindern, dass aktive Radfahrer ihre Fahrräder anschließen können. In der mit viel privatem Geld verschönerten Luisenstraße wollten die Geschäftsleute solche Probleme von vornherein unterbinden.

Conrad von Meding 20.10.2009

Die Vorleserin: 500 Besucher wollten am Montag Schauspielerin Iris Berben beim ersten Lesetag auf der Verbrauchermesse Infa hören.

Stefanie Kaune 20.10.2009