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Aus der Stadt Fußballspiel entwickelt sich zu einer Schlägerei
Hannover Aus der Stadt Fußballspiel entwickelt sich zu einer Schlägerei
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00:18 16.12.2017
Nach einer Schlägerei am Rande eines Fußballspiels müssen zwei Brüder dem Opfer 500 Euro überweisen. 
Nach einer Schlägerei am Rande eines Fußballspiels müssen zwei Brüder dem Opfer 500 Euro überweisen.  Quelle: dpa
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Hannover

 Pöbelnde Zuschauer, ein Ellenbogencheck, eine Rote Karte, Rudelbildung, fliegende Flaschen und eine Schlägerei: Ein in Hemmingen-Westerfeld völlig aus dem Ruder gelaufenes Fußballspiel ist zum Fall für das Amtsgericht Hannover geworden. 

Laut Staatsanwaltschaft sollen nach dem Spiel in der 3. Kreisklasse zwei Spieler des SV Degersen Hemminger Zuschauer geschlagen haben. Eines der Opfer soll kurzzeitig das Bewusstsein verloren haben, das andere Opfer musste an der Nase operiert werden und verbrachte eine Woche im Krankenhaus. Beschuldigt wurden zwei Brüder, Orhan S. und Ferhat S., 20 und 21 Jahre alt. Sie mussten sich wegen Körperverletzung verantworten. Beide sind schon wegen Körperverletzung und Diebstahl aktenkundig. 

Schlägerei nach Roter Karte 

Die beiden Brüder und das an der Nase schwer verletzte Opfer, das als Nebenkläger aufgetreten war, akzeptierten am Mittwoch den Vorschlag von Richter Jens Buck: Das Verfahren wird gegen Zahlung der beiden Brüder in Höhe von 500 Euro an das Opfer eingestellt.

Bei dem Flutlichtspiel vor fast genau einem Jahr eine größere Gruppe alkoholisierter Anhänger der Mannschaft von Hemmingen-Westerfeld Spieler und Trainer das gesamte Spiel über beleidigt. In der 88. Minute versetzte dann ein Degerser Spieler einem Gegner einen Ellenbogencheck. Der Mann ging zu Boden, eine Rote Karte für den Täter, dessen Mannschaft zu diesem Zeitpunkt 4:2 führte, war die Folge. 

Schlägerei im Dunkeln

Weil die Spieler beider Mannschaften begannen, sich gegenseitig zu beschimpfen und zu schubsen, und auch Zuschauer auf den Platz liefen, brach der Schiedsrichter das Spiel ab. Es war für Richter Buck nicht einfach, beim darauffolgendem Geschehen Licht ins Dunkel zu bringen. Denn nachdem die Spieler den Platz verlassen hatten, ging das Flutlicht aus und die Szenerie wurde offensichtlich noch turbulenter. Nach Zeugenaussagen sollen auf die beiden Brüder aus der Gruppe der angetrunkenen Zuschauer Flaschen geflogen sein, daraufhin kam es zur Schlägerei im Dunkeln. 

„Als auf sie mit Flaschen geworfen wurde, haben sie die falschen Entscheidung getroffen“, sagte der Richter zu den beiden Angeklagten. „Sie sind in Richtung der Werfer gegangen, das ist nicht schlau, das ist dumm, aber nicht verboten.“ Daraus hat sich dann die Schlägerei „mit einer möglichen Notwehrsituation“ entwickelt. 

„Jeder Fußballplatz hat seine ‚Dorfhooligans’“

„Die Zuschauer scheinen sich nicht mit Ruhm bekleckert zu haben“, sagte Richter Buck in der Verhandlung. Das berichtete auch der Staffelleiter des Niedersächsischen Fußballverbandes, der sich das Spiel angeschaut hatte. Jeder Fußballplatz habe inzwischen seine eigenen „Dorfhooligans“, sagte der Staffelleiter.

Beim Sportgerichtsverfahren hatte es schon kurzen Prozess gegeben: Das Spiel wurde für beide Mannschaften als 5:0-Niederlage gewertet, Hemmingen-Westerfeld musste eine Geldstrafe wegen Nichtwahrung der Platzdisziplin zahlen und der Rotsünder erhielt eine lange Sperre. 

 

Von Mathias Klein