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Aus der Stadt Zwei Gesichter einer Prüfung
Hannover Aus der Stadt Zwei Gesichter einer Prüfung
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20:38 22.07.2014
Alicia Curth (Note 1,0; rechst) ist Hannovers beste, Monika Wergandt (Note 2,2) Hannovers älteste Abiturientin.
Alicia Curth (Note 1,0; rechst) ist Hannovers beste, Monika Wergandt (Note 2,2) Hannovers älteste Abiturientin. Quelle: Montage
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Ich wollte immer das Beste geben“, sagt Alicia Curth. Ehrgeizig sei sie, bekennt die gerade volljährig gewordene Abiturientin von der Schillerschule. „Wenn ich schon mal Abitur mache, dann sollte es auch ein gutes werden.“ Es ist ein sehr gutes geworden, von 900 möglichen Punkten hat sie 885 erreicht. Es ist die zweitbeste Abschlussprüfung in Niedersachsen. Auf dem Zeugnis steht eine 1,0 - rein rechnerisch hat sie Note 0,75. Mathematik und Chemie hatte sie als Leistungskurse. In der 10. Klasse musste sie sich entscheiden, ob sie ein naturwissenschaftliches oder sprachliches Profil wählen wollte. „Es war eine schwierige Entscheidung“, sagt die Schülerin. Denn einerseits liegt das Naturwissenschaftliche in der Familie - beide Eltern sind Biochemiker, ihr Vater ist sogar Chemielehrer.

Andererseits hat Alicia auch ein Faible für Englisch, in der 10. Klasse hat sie sieben Monate bei Gastfamilie im englischen Exeter gelebt. Während der Schulzeit ins Ausland zu gehen war eine Gelegenheit, die sie nicht auslassen lassen wollte: „Ich nutze gern Chancen und nehme alles mit, was möglich ist“, sagt die zielstrebige Gymnasiastin.

Nach der Grundschule an der IGS Roderbruch wechselte sie auf die Schillerschule. Eine „Durchhängerphase“ in der Schule habe sie nie gehabt, sagt Alicia. Gute Noten war sie gewöhnt, in der Oberstufe wurden sie immer besser.

Mitte August wird sie in Rotterdam das Studium der Wirtschaftsmathematik aufnehmen - auf Englisch natürlich. Neben dem deutschen Abitur hat die Schülerin aus Kleefeld an der Schillerschule auch noch das International Baccalaureate erworben, die internationale Hochschulzugangsberechtigung, wie rund 20 andere aus ihrem Abitursjahrgang auch. Neben der üblichen 36 bis 38 Wochenstunden hatte Alicia noch zusätzlichen Nachmittagsunterricht auf Englisch. Auch beide Prüfungsphasen fielen in dieselbe Zeit: „Ich habe 18 Klausuren in 15 Tagen geschrieben, das war schon ziemlich stressig“, erinnert sie sich.

Schule ist allerdings längst nicht alles im Leben der Spitzenabiturientin. „Fürs Abi habe ich natürlich gelernt“, sagt sie, „aber genauso habe ich Freunde getroffen und gefeiert.“ Sieben Jahre lang hat sie Klarinette gespielt. Im A-Jugendteam der Wasserballerinnen des Hannoverschen SV in Limmer ist sie sogar im vergangenen Jahr deutsche „U 19“-Meisterin und in diesem Jahr deutsche ­Vize-Meisterin geworden. Handball und Schwimmen zählen zu ihren Lieblingssportarten. Die Nähe zum Meer half auch bei der Auswahl des Studienorts Rotterdam, wieder „so eine schwere Entscheidung“ im Leben der 18-Jährigen.

Für einen speziellen Numerus Clausus habe sie nicht gebüffelt. Einfach nur für ein gutes Abi. Von ihren Eltern sei sie nie zu Höchstleistungen getrieben worden. „Die sagten immer, ich soll das Beste geben, was ich kann. Das hätten auch Dreien und Vieren sein können.“ Jetzt freuen sich nicht nur Alicias Eltern, auch der 15-jährige Bruder ist stolz auf seine schlaue Schwester.

Nur eines hat die Spitzenabiturientin in dem ganzen Prüfungstrubel dann nicht mehr geschafft: den Führerschein. Aber der sei auch erst mal gar nicht so wichtig: „In Rotterdam fährt man ja viel Fahrrad.“

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Bernd Haase 25.07.2014
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