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Aus der Stadt Zwei junge Männer treten 43-Jährigen fast tot
Hannover Aus der Stadt Zwei junge Männer treten 43-Jährigen fast tot
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07:59 16.05.2013
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Zwei 21-Jährige müssen sich für einen Überfall in Garbsen wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht verantworten. Quelle: Symbolfoto
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Hannover

Er stieg in die falsche Stadtbahn – und hätte seinen Irrtum fast mit dem Leben bezahlt. In der Nacht zum 23. November 2012 landete ein 43-jähriger Zecher nicht zu Hause in der Nordstadt, sondern in Garbsen. Nahe der Stadtbahn-Endstation stieß der Angetrunkene auf eine Gruppe junger Leute, die ihn zum Feiern einluden. Doch kurz darauf wurde der Koch tamilischer Herkunft das Opfer eines brutalen Überfalls. Zwei damals 20-Jährige warfen ihn in einem Hausdurchgang am Siriushof zu Boden und traten ihm mehrfach ins Gesicht sowie auf den Hinterkopf und überließen den halbtoten, bewusstlosen Mann seinem Schicksal. Seit Mittwoch müssen sich die inzwischen 21 Jahre alten Denny F. und Achim K. wegen versuchten Mordes und Raubes vor einer Jugendkammer des Landgerichts Hannover verantworten.

Mit ihnen steht auch eine 25-jährige  Mutter zweier Kinder wegen Beihilfe vor Gericht. Sie soll das Opfer in den Hausdurchgang gelockt haben. Wie sie gestern aussagte, hatte sich in jener Novembernacht eine größere Gruppe junger Leute – darunter auch Minderjährige – schon längere Zeit in Garbsen vergnügt und reichlich Alkohol getrunken. Irgendwann gingen in einer Kneipe Fensterscheiben zu Bruch, irgendwann schlug einer der männlichen Angeklagten einen Busfahrer ins Gesicht. Als der dunkelhäutige Koch am Stadtbahn-Endpunkt auf die Gruppe stieß, sei er sehr betrunken, aber friedlich gewesen, sagte die Frau. Die Brutalität des Überfalls am Siriushof habe sie selbst „total geschockt“; so sei ein „furchtbares Knackgeräusch“ zu hören gewesen, als Denny F. das Opfer von hinten ansprang. F. habe mehrfach auf den hilflos am Boden liegenden Mann eingetreten, Achim K. aber nur einmal. 

Nach einer Stunde sei sie an den Tatort zurückgekehrt und habe entsetzt festgestellt, dass der 43-Jährige immer noch wie tot dalag. Während F. sich der Jacke des Opfers inklusive Handy und Geldbörse bemächtigte, rief die 25-Jährige die Polizei an, meldete den Überfall. Christian Engelking, Vorsitzender Richter der Jugendkammer 1, spielte den Prozessbeteiligten neben diesem Notruf noch eine weitere Bandaufnahme vor – eine Mailbox-Ansage von Denny F. „Mama, ich habe gerade jemanden totgetreten“, lautete die Nachricht ihres verzweifelt klingenden Sohns in der Tatnacht. Doch der schmal gebaute Koch, als anerkannter Flüchtling seit 19 Jahren in Deutschland sesshaft, wurde rechtzeitig auf die Intensivstation der MHH gebracht – und kam mit dem Leben davon. Ein Rechtsmediziner erläuterte, dass jede seiner drei Verletzungen zum Tode hätte führen können: die Hirnschwellung, das Nasenbluten mit Erstickungspotenzial oder die starke Unterkühlung.

Der 43-Jährige selbst sagte gestern aus, dass ihm jegliche Erinnerung an die Novembernacht abhanden gekommen sei. Er habe aber psychische Probleme zurückbehalten und traue sich nur noch in Begleitung von Freunden auf die Straße. Die Entschuldigung der drei Angeklagten im Gerichtssaal nahm der Mann an – ob sie ihm irgendwie hilft, bleibt offen.