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Aus der Stadt Kostenlose Üstra-Nutzung im Advent?
Hannover Aus der Stadt Kostenlose Üstra-Nutzung im Advent?
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00:15 22.11.2013
Von Conrad von Meding
Volle Straßen zur Vorweihnachtszeit in Hannover. Quelle: May
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Hannover

Darüber sollten, so der Beschluss des Bezirksrates, umgehend Gespräche mit der für den Nahverkehr zuständigen Region und der Üstra geführt werden. Letztere zeigte wenig Verständnis.

Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Michael Sandow (SPD) argumentierte, dass mit einem kostenfreien Nahverkehrsangebot die Verkehrssituation an den Adventssonnabenden deutlich entspannt werden könnte. Tatsächlich kommt es in der Weihnachtszeit regelmäßig zu größeren Staus in der Innenstadt.

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Auch die Ausfahrt aus Parkhäusern wie dem in der Mehlstraße oder der Galeria Kaufhof gestaltet sich bisweilen schwierig, und die Nerven von Autofahrern werden wegen langer Wartezeiten arg strapaziert. Sandow will den Antrag seiner Fraktion nicht als Kritik an der Verkehrspolitik verstanden wissen. Das hohe Verkehrsaufkommen sei ein Beleg für die Attraktivität Hannovers als Einkaufsmetropole. Mit dem Angebot einer kostenfreien Nutzung von Bussen und Bahnen könne man einen guten Werbeeffekt für die Üstra erzielen.

Die Opposition allerdings hatte dafür nur Hohn und Spott übrig. „Das ist die Bankrotterklärung für Ihre Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte“, rief FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. CDU-Politiker Joachim Albrecht monierte, Rot-Grün habe es geschafft, „dass der Verkehr an bestimmten Tagen zusammenbricht und die Leute lieber in Hildesheim, Celle oder Hamburg einkaufen.“

Durch Verengung von Fahrbahnen und den „ständigen Abbau von Parkplätzen“ sei in der Innenstadt das Verkehrsdesaster programmiert. Dem widersprach Grünen-Fraktionschef Martin Nebendahl. Durch den Bau neuer Parkhäuser etwa in der Ernst-August-Galerie, am ZOB oder in der Andreaestraße seien rund 3000 Parkplätze hinzugekommen. „Weil die Innenstadt aber keinen Autobahnanschluss hat, gibt es Probleme mit der An- und Abfahrt, wenn zu viele Autos gleichzeitig fahren.

Bei den Innenstadtkaufleuten findet der Vorstoß von Rot-Grün durchaus Gehör. „Ein solches Angebot wäre super für alle und entlastet auch die Situation für die, die trotzdem gerne mit dem Auto kommen“, sagt Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. Allerdings haben die Politiker kurzfristig einen Passus eingefügt, der den Kaufleuten gar nicht gefällt: Der Einzelhandel solle sich am Projekt des kostenlosen Nahverkehrs beteiligen, heißt es in dem Beschluss.

Prenzler bringt das auf die Palme: „Der Innenstadthandel muss sich gegen die Zentren auf der Grünen Wiese behaupten und gegen die Internetkonkurrenz, die Marge ist sowieso nur drei Prozent – da können wir nicht auch noch den Nahverkehr fördern“, sagt er. Im Übrigen widerspricht er zwar der Parkplatzrechnung („Allein durch die Umbauten an Klagesmarkt und der Goseriede fehlen zahlreiche Parkplätze“), bescheinigt aber der Innenstadt insgesamt eine gute Erreichbarkeit: „Fahren Sie mal zum Einkaufen nach Köln – dann wissen Sie Hannover zu schätzen!“

Bei der Üstra ist Sprecher Udo Iwannek wenig begeistert von dem rot-grünen Vorschlag. Schon jetzt seien an Adventssonnabenden mehr als 600 000 Menschen in Bussen und Bahnen unterwegs – 150 000 mehr als im Tagesdurchschnitt. „Wir würden schnell an unsere Grenzen stoßen – und überfüllte Bahnen wären keine gute Werbung.“

Ohnehin würde man aus Marketinggesichtspunkten eher umsatzschwache Tage für kostenlose Angebote nutzen: „Kein guter Kaufmann gibt Rabatte, wenn es ohnehin brummt.“ Den Preis für ein kostenloses Adventsangebot schätzt man bei der Üstra grob auf 1,5 bis 2 Millionen Euro. „Ich kenne das Budget des Bezirksrats nicht so genau“, sagt Iwannek, „aber wir können es nicht zahlen.“

Der Innenstadt-Bezirksrat hat sich schon häufiger mit provokanten Vorschlägen hervorgetan. Jüngst wollte er die fertige Planung für den Trammplatz um eine zentrale, sechste Behindertenrampe ergänzt sehen – und blitzte damit selbst bei den rot-grünen Ratsfraktionen ab. Auch der jüngste Vorschlag löste am Dienstag eher Kopfschütteln aus.

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