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Aus der Stadt Diese skurrilen Dinge vergessen Hannoveraner in Bus und Bahn
Hannover Aus der Stadt

Üstra-Fundbüro: Was in Hannovers Bussen und Bahnen vergessen wird

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11:27 11.08.2019
Christa Schwarz arbeitet im Fundbüro der Üstra. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Wann merkt man wohl, dass man sein Gebiss im Bus vergessen hat? Direkt beim Aussteigen? Bei der nächsten Mahlzeit? Gar erst beim Zähne putzen? Sicher ist: Solange es kein Langfinger einsteckt, landet es kurze Zeit später in der Nordmannpassage 6. Hier liegt ganz unscheinbar hinter einem Reisebüro das Reich von Martina Brinkmann und Christa Schwarz – das Fundbüro der Üstra.

„Funde wie Gebisse sind wirklich rätselhaft“, sagt Schwarz. Auch das Fundbüro-Team kann sich nach mehreren Jahren, in denen es sich mit verlorenen Gegenständen beschäftigt hat, nicht erklären, wie Rollatoren, teure Laptops, lebensgroße Kühe aus Pappmaschee, Kinderwagen (ohne Inhalt) oder eben Zahnprothesen herrenlos zurückbleiben.

So entsteht aus den unachtsamen Augenblicken der Fahrgäste sprichwörtlich bergeweise Arbeit: 50 bis 60 Gegenstände kommen täglich im Fundbüro an.

Fotostrecke: Die skurrilsten Dinge, die Hannoveraner in Bussen und Stadtbahnen vergessen:

Allerlei ungewöhnliche Gegenstände lassen die Fahrgäste Tag für Tag in Bussen und Stadtbahnen liegen. Die Üstra hebt sie auf – auch wenn sie noch so skurril sind. Eine Auswahl aus dem Online-Katalog des Üstra-Fundbüros.

Von der Haarnadel bis zum Fahrrad – alles wird einsortiert

Und wirklich alles – von der Haarnadel bis zum E-Fahrrad –, was die Üstra-Mitarbeiter in Bussen und Bahnen finden, wird hergebracht. „Es kommt vor, dass die Bahnen als Entsorgungsstelle für kaputte Elektrogeräte missbraucht werden“, so Schwarz. Das alles sortieren Brinkmann und Schwarz in Kisten ein. In einem blauen Behälter, der mit dem Datum vom 6. Juni beklebt ist, liegen drei Kinderrucksäcke, eine Trinkflasche, zwei Bücher, ein Ball und einige Mützen. Auf dem Boden sammeln sich etliche Stifte, Haargummis und anderer Kleinkram. Dazwischen liegt ein in Geschenkpapier verpacktes Präsent.

Alle Gegenstände werden schriftlich erfasst und in der Fundsachenrubrik auf der Üstra-Homepage veröffentlicht: Am ersten August hat jemand eine Packung Papiertaschentücher in der Buslinie 100 vergessen. Eine Personenwaage ist seit dem 22. Juli ohne Besitzer. In der Linie 9 wurde am 24. Juni ein Entsafter zurückgelassen, ein paar Tage zuvor ein silbernes WC-Schild. Aufgeführt werden auch vergessene Lebensmittel, obwohl die Mitarbeiter diese entsorgen müssen: Schoko-Croissants, Pizzen, Brote – frisch gekauft und sofort vergessen.

Vor allem Regenschirme werden häufig in Bussen und Bahnen vergessen. Quelle: Moritz Frankenberg

Regenschirme – überall Regenschirme

„Der Sortieraufwand ist riesig“, sagt Christa Schwarz. „Die Kunst besteht darin, dass alle Gegenstände jederzeit findbar sein müssen.“ Sie steht in einem der fünf Aufbewahrungsräume, die sich kaum unterscheiden: Keine Fenster, dafür umso mehr Regale in der nach Datum geordnet die Kisten stehen. Wo noch Platz ist, stehen, liegen und hängen Regenschirme in allen Formen und Farben. So viele, man könnte denken, dass es in Hannover das ganze Jahr über schüttet. Nach zwei bis drei Monaten ist ein Raum voll mit vergessenen Dingen.

50 bis 60 Gegenstände landen jeden Tag im Fundbüro – darunter auch recht große, wie etwa Koffer und Instrumente. Quelle: Moritz Frankenberg

„98 Prozent der Fundsachen werden über Üstra-Mitarbeiter hergebracht. Von den Kunden selbst kommt wenig“, sagt Martina Brinkmann. Auch die Zahl der Abholer ist erstaunlich gering: Laut Üstra werden nur 30 Prozent der verlorenen Gegenstände in der Nordmannpassage irgendwann wieder mitgenommen.

Das Fundbüro-Team vermutet, dass sich die Besitzer nicht groß um kleinere Gegenstände kümmern. Stattdessen wird einfach Ersatz gekauft, glaubt Schwarz. Viele Kunden würden davon ausgehen, dass ihre Sachen unwiederbringlich weg sind. Aber: „Es wird viel mehr gefunden, als die Menschen denken“, so Schwarz.

Auch ein Teppich wurde zurückgelassen – und dann von den Fundbüromitarbeitern gewissenhaft einsortiert. Quelle: Moritz Frankenberg

So bleibt zumindest mehr für die jährliche Versteigerung. Einmal im Jahr kommen die Gegenstände unter den Hammer. „Da bleibt nichts übrig“, sagt Schwarz. Ankäufer, die in der Stadt ihre Läden haben, ersteigern vor allem Smartphones und andere Elektrogeräte. Aber auch etliche Privatkäufer schauen vorbei, ob sie für schmales Geld noch nützliche Gegenstände finden. Einige Dinge, wie alte Kleidung oder eben Gebisse, dürfen allerdings nicht verkauft werden.

Am 12. November ist es wieder so weit. Passend zur Jahreszeit ist dann, so das Fundbüro-Team, reichlich Winterkleidung im Angebot – Mützen, Handschuhe (einzeln und im Paar) und eben hunderte Regenschirme. „Der Winter ist die stressigste Zeit hier“, sagt Brinkmann. „Da vergessen die Leute besonders viel.“

Sämtliche Gegenstände, die in Bussen und Bahnen vergessen werden, landen im Fundbüro am Steintor. So sieht es dort aus.

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Fotostrecke: Das sollten Sie über die Üstra wissen

Hier finden Sie die Online-Kartei des Üstra-Fundbüros

Von Manuel Behrens

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