Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Wie soll die General-Wever-Straße zukünftig heißen?
Hannover Aus der Stadt

Umbenennung: Wie soll die General-Wever-Straße in Hannover zukünftig heißen?

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 16.09.2019
Die General-Wever-Straße wird umbenannt. Quelle: Tim Schaarschmidt
Bothfeld/Sahlkamp

Der Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide hat in seiner jüngsten Sitzung mit knapper Mehrheit die Umbenennung der General-Wever-Straße beschlossen – doch wie die Straße jetzt heißen soll, darüber waren sich vor allem die anwesenden Bürger uneinig. Mit neun Jastimmen, acht Neinstimmen und zwei Enthaltungen verabschiedete das Gremium den SPD-Antrag.

In diesem wurde die Verwaltung auch darum gebeten, die Einwohner des Stadtbezirks Bothfeld-Vahrenheide an der Namensfindung und -gebung zu beteiligen und eine Informationsveranstaltung zur Umbenennung der General-Wever-Straße zu organisieren. Zehn Bürger, die für das Thema in die jüngste Sitzung gekommen waren, brachten schon im Vorfeld neue Namensvorschläge ein.

Militär oder doch Nazi-Opfer?

„Ich habe hier in Hannover meinen Militärdienst geleistet“, erinnert sich ein älterer Einwohner. „Daher schlage ich vor, sich für den Straßennamen wieder in der Bundeswehr umzuschauen.“ Er solidarisiere sich mit den Soldaten, die in Hannover gedient haben oder jetzt noch dienen. Als Namen schlug er deswegen dem Gremium den deutschen Offizier Ulrich de Maizière vor.

Der Vater des früheren Verteidigungsministers Thomas de Maizière (CDU) hatte sein Abitur 1930 in Hannover gemacht. Ein anderer Bürger fand, man sollte ein Opfer des Nationalsozialismus als neuen Namensgeber berücksichtigen. „Ich fände schön, wenn es jemand aus dem Stadtbezirk wäre, egal ob Mann oder Frau“, sagte er.

Kritik von CDU und FDP

CDU-Fraktion und die Einzelvertreter von FDP und AfD unterstützen die Umbenennung der Straße nicht. Wolfgang Butz, Einzelvertreter der FDP, bemängelt, die Einwohner hätten schon bei der Entscheidung über die Umbenennung beteiligt werden müssen – und nicht erst zur Namensfindung. Dem stimmte auch AfD-Bezirksratsherr Frank Jacobs zu. Eike Bredow (CDU) fand, dass eine Umbenennung viel früher hätte umgesetzt werden müssen. Außerdem kritisierte er, dass im ersten Bericht des Beirats „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“ von Oktober 2015 die General-Wever-Straße nicht zur Umbenennung empfohlen worden war.

Erst im Abschlussbericht des Beirats im November 2018 wurde die General-Wever-Straße genannt.Der Beirat hatte im Auftrag des Rates Biografien von Persönlichkeiten in Hannover untersucht, die von 1933 bis 1945 gewirkt haben.

Wer war Walther Wever?

Walther Wever war kein Mitglied der NSDAP, hatte aber ab dem Jahr 1933 als Zivilist in verdeckter Mission die Militärluftfahrt in Nazi-Deutschland mit aufgebaut. Nach der offiziellen Gründung des Luftfahrtministeriums 1935 war er der dritthöchste Entscheidungsträger in dieser Behörde – zuständig für Personal, Organisation und Ausbildung. Er starb schon 1936 bei einem Flugzeugunglück. Die Benennung der General-Wever-Straße ist laut dem wissenschaftlichen Beirat eine Ehrung Wevers durch die Nationalsozialisten gewesen.

Name nicht mehr tragbar

Für Christopher Steiner, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen, hätte es genug Möglichkeiten für Bürger gegeben, sich einzubringen. „Das Thema stand fünfmal auf der Tagesordnung. Dass man nicht mitdiskutieren kann, ist schlichtweg Unsinn“, meint er. „Um Erinnerungskultur zu betreiben, ist es nicht erforderlich, dass ein Nazi öffentlich geehrt wird.“ Ihm gehe es viel mehr um die Opfer, die sollten geehrt werden.

Laut Fraktionsvorsitzender Claudia Heinrich (SPD) hat sich ihre Partei lange mit dem Thema beschäftigt. „Kein Bürger und wir auch nicht schreien ,Hurra!’, wenn eine Straße umbenannt wird. Aber hinsichtlich des geschichtlichen Hintergrunds des Namens ist dieser nicht mehr tragbar“, findet Heinrich. Den Straßennamen beizubehalten und durch eine erklärende Legendentafel zu ergänzen, kommt daher auch nicht infrage. Nachdem der SPD-Antrag beschlossen wurde, wurde ein ähnlich lautender Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vom Fraktionsvorsitzenden Christopher Steiner zurückgezogen.

Beratung zu Bürgerbeteiligung

Bis Donnerstag, 19. September, werde es laut Michaela Steigerwald, Sprecherin der Stadt Hannover, Abstimmungsgespräche zwischen Verwaltung und den Fraktionen des Stadtbezirksrats zur Bürgerbeteiligung geben. Noch ist aber nicht klar, wann die Informationsveranstaltung oder die öffentliche Namensgebung stattfinden sollen. „Es wird dann auch um die Findung eines Termins gehen“, versicherte Steigerwald. In der nächsten Bezirksratssitzung im September soll dann erst mal das Konzept vorgestellt werden

Kommentar: Wer ersetzt den General?

Die Entscheidung, die General-Wever-Straße umzubenennen, ist wesentlich schwerer gefallen als in anderen Fällen. Die einen argumentieren, Wever sei bereits drei Jahre tot gewesen, als Hitler den Krieg begann – und kann daher nicht für dessen Verbrechen verantwortlich gemacht werden. Andere sagen, dass ein Mann, der den deutschen Luftkrieg mit vorbereitet hat, nicht mit einer Straße geehrt werden darf. Und manche empfinden es als Geschichtsklitterung, unliebsame Straßennamen verschwinden zu lassen, statt sich mit ihrer Entstehung auseinanderzusetzen.

Schnee von gestern, die Straße wird umbenannt. Nun gibt es eine Bürgerbeteiligung zum neuen Namen. Einer ist dabei tabu: General-Wever-Straße. Das klingt zwar absurd, ist es aber nicht, wie die Erfahrung zeigt. Bei der jüngsten Sammlung von Vorschlägen zur Umbenennung der Hindenburgstraße in Mitte war einer der Favoriten: Hindenburgstraße. Die FDP hatte sogar zu diesem Vorschlag aufgerufen. Und manche begründeten ihn damit, sie hätten nicht den Reichspräsidenten gemeint, sondern das Luftschiff. Ein solches Spiel macht der Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide sicherlich nicht mit.

Von Rüdiger Meise

Lesen Sie auch:

General-Wever-Straße: Enkel kämpft gegen Umbenennung

Von Laura Ebeling

Fridays for Future will die Stadt lahmlegen, in Garbsen eröffnet der Maschinenbaucampus, und Niedersachsen will in der Wasserstoffforschung nach vorne kommen. Das und was sonst noch wichtig wird, lesen Sie hier.

16.09.2019

Smartphone, Tablet und Co erleichtern unsere Welt – und machen sie zugleich komplizierter. Ab wann sollten Kinder digitale Medien nutzen? Und was machen Eltern durch ihr Verbot oder ihre Erlaubnis falsch? Das fragen sich viele Mütter und Väter in Hannover – und Experten geben wertvolle Tipps.

16.09.2019

Im Streit um die Baumängel an der Förderschule auf der Bult hat die Region betont, dass es ganz normal sei, dass sie auf eine zügige Fertigstellung des Neubaus gedrängt habe. Die Eltern wolle man in den nächsten Tagen über das weitere Vorgehen informieren.

15.09.2019