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Aus der Stadt Moltkeplatz: Vorerst keine Hoffnung auf mehr Grün im Asphalt
Hannover Aus der Stadt

Umgestaltung Moltkeplatz: Vorerst keine Hoffnung auf mehr Grün im Asphalt

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13:17 28.09.2019
„Was mich aber am meisten interessiert: Kann man da noch korrigierend eingreifen?“, fragte eine Anwohnerin. Quelle: Laura Ebeling
List

Es sollte ein Vorzeigeprojekt für rund 600.000 Euro werden – die Umgestaltung des Moltkeplatzes im Herzen der List. Die Visualisierungen zeigen ein Bild mit viel Grün, Treffpunkten für alle Generationen und genug Platz für Spiel und Sport. Die Realität sieht jedoch anders aus: Ein Viertel des Areals ist komplett betoniert, sanfte Hügel sind grauem Asphalt gewichen, und der Bolzplatz fällt so klein aus, dass etwas Größere dort wohl kaum noch zum Schuss kommen werden.

In der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Vahrenwald-List machten daher einige Anwohner stellvertretend für etliche Nachbarn ihrem Ärger Luft, und auch Bezirksratspolitiker von Grünen und SPD äußersten deutlich ihr Missfallen über die Platzgestaltung. Anliegerin Kirsten Frieling etwa findet nicht nur die Plakate an den Bauzäunen äußerst irritierend, die viel Grün und wenig Grau suggerieren. „Was mich aber am meisten interessiert: Kann man da noch korrigierend eingreifen?“, fragte sie. Sie fürchte zum einen, dass die Öffnung des Platzes zur Ferdinand-Wallbrecht-Straße eine Gefahr für spielende Kinder wird und findet zudem, dass die Fläche viele Vorzüge verliert, die der alte Moltkeplatz hatte – Rückzugsmöglichkeiten, Schatten und natürliche Begrenzungen für den Spielbereich.

Die Visualisierung zeigt viel Grün. Quelle: Handout

„Misslungene Sanierung“

Werner Nienhaus sprach im Namen vieler empörter Nachbarn, als er die flächendeckende Vollversiegelung des Areals kritisierte. „Das Wasser kann da nicht abfließen. Ästhetisch und funktional ist das eine misslungene Sanierung.“ Ann Kristin Homer bezweifelte zudem, dass zwischen dem ganzen Beton noch wie geplant 15 Bäume gepflanzt werden: „Wo sollen die denn hier noch hin?“ Eine Gruppe junger Männer, die seit Jahren den Bolzplatz an einem Abend in der Woche für ein Fußballspiel nutzt, zeigte sich enttäuscht über die Ausmaße des neuen Bolzplatzes. „Das ist ja eher ein Plätzchen“, sagte ein Spieler. Seine Truppe werde hier künftig wohl nicht mehr zum Kicken kommen. „Für Kleine ist das ja gut geeignet, aber für die braucht man keine riesige Umzäunung mit aufwendigem Ballauffangnetz.“ Kleinere Plätze gebe es zudem bereits auf dem Bonifatiusplatz. „Das ist wirklich ein Super-Gau hier.“

Die Stadt hat große Plakate mit der Visualisierung zum Moltkeplatz aufgehängt. Dort sieht alles sehr grün aus - allerdings stellt die beige Farbe die asphaltieren Flächen dar. Quelle: Laura Ebeling

Betonflächen in der Planung nicht erkannt

Die Anlieger stießen bei den Bezirksratsmitgliedern auf viel Verständnis mit ihrer Kritik. „Das Konzept soll mehr Menschen auf den Platz ziehen“, sagte Klaus Geschwinder (Grüne). Außerdem solle der Kiosk zum Café mit Außenbestuhlung werden, diese Gestaltung müsse daher erst einmal abgewartet werden. „Allerdings ärgere ich mich sehr, dass wir diese Betonflächen in den Plänen nicht gesehen haben.“ Die asphaltierten Flächen seien völlig unverhältnismäßig ausgefallen. Die Pläne der Verwaltung seien zwar umgesetzt worden, „allerdings war das Format, in dem wir sie betrachtet haben, offensichtlich viel zu klein“. Das Kind sei nun leider in den Brunnen gefallen, die Bauaufträge verteilt. „Wir sehen keine Möglichkeiten, zum jetzigen Zeitpunkt zu intervenieren“, sagte Geschwinder. Dass eine „erklärte Umweltverwaltung“ derartige Pläne erstelle und umsetze, sei unverständlich. Die Stadt hätte umweltbewusster handeln sollen. „Damit haben wir nicht gerechnet, und wir finden das auch nicht akzeptabel.“

Platzgestaltung 2019: Der Moltkeplatz bekommt viel Beton und wenig Grün. Quelle: Susanna Bauch

Funktionell oder ökologisch?

Die Verwaltung betont, dass der Moltkeplatz vor allem funktional umgestaltet werden sollte – „für eine Begegnung zwischen Jung und Alt“, wie Vertreter der Stadt anlässlich eines Treffens mit den Fraktionsvorsitzenden der Parteien im Bezirksrat Vahrenwald-List erläutert haben. Kiesbeläge eigneten sich nicht für intensiv genutzte Stadtplätze und erforderten einen sehr hohen Unterhaltungsaufwand, sagte ein Stadtsprecher. „Der Asphaltbelag ermöglicht eine ganzjahrestaugliche, wetterunabhängige und verschleißfeste Benutzung.“ „Man hätte das anders umsetzen können – mit Ökologie als Schwerpunkt“, findet dagegen Thomas Bechinie (SPD). Allerdings blicke man zurzeit noch auf eine Baustelle. „Wir sollten dem Platz eine Chance geben, wenngleich die Betonringe schon depressiv machen.“ Bezirksbürgermeisterin Irma Walkling-Stehmann (SPD) hofft ebenfalls auf ein gutes Ergebnis, wenn die Pflanzen sich im kommenden Jahr entfalten. Wenn das Resultat nicht überzeuge, „werden wir als Bezirksrat mit der Fachverwaltung sprechen und Nachbesserungen einfordern“.

Kommentar: Problem erkannt und nicht gebannt

Es wurde mit großer Transparenz und Bürgerbeteiligung geplant, es wurde pünktlich mit dem Bau begonnen und bislang sind auch die geplanten Kosten noch nicht expolodiert. Trotzdem, je mehr Gestalt der neue Moltkeplatz in der List annimmt, desto fassungsloser und enttäuschter sind diejenigen, die ihn künftig nutzen sollen. Was auf Skizzen aussieht wie ein grünes Idyll entpuppt sich als Betonwüste.

Nun kann man es nicht jedem recht machen, wenn so ein Projekt in Angriff genommen wird. Allerdings sind auch Bezirksrats-politiker entsetzt über das unverhältnismäßige Ausmaß von Beton auf dem Areal. Sie sind sich auch Schuld bewusst, denn sie räumen ein, bei der Planung offensichtlich nicht genau genug hingeschaut zu haben. Allerdings ist es auch sehr verwunderlich, dass eine umweltbewusste Verwaltung so einen asphaltierten Kahlschlag im Herzen des Stadtteils umsetzt. Eigentlich müsste jedem Planer und jedem Landschaftsarchitekten aufgehen, dass hier zuviel in Beton gegossen wird.

Ungeachtet des Aufschreis im Stadtteil setzt die Stadt nun um, was in den Plänen steht, und zieht so ohne viel Einfühlungsvermögen durch, was vor Jahren beschlossen wurde. Nachzubessern oder nachzuhaken ist leider keinem der Beteiligten in den Sinn gekommen. Auch in diesen Tagen, wo für die meisten die Planung immer deutlicher nach einem Reinfall aussieht, denkt die Stadt nicht an einen Baustopp.

Sollte sich das Platzprojekt nach Vollendung nicht bewähren, wird wahrscheinlich teuer nachgebessert, was jetzt noch gerettet werden könnte.

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Von Susanna Bauch

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