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Aus der Stadt Warnsystem Bike-Flash hat eine Chance verdient
Hannover Aus der Stadt Warnsystem Bike-Flash hat eine Chance verdient
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06:00 19.01.2019
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.. Quelle: ALEXANDER Koerner +4917660982397
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Hannover

Was ist Bike Flash? Ein illegales Warnlicht, das Verkehrsteilnehmer verwirrt, oder eine sinnvolle technische Neuheit, die Abbiegeunfälle verhindert? In Garbsen läuft seit Monaten ein bundesweit einmaliger Modellversuch mit einem 34 000 Euro teuren Warnsystem, und drei Verkehrsbehörden (Stadt Garbsen, Region, Verkehrsministerium) diskutieren jetzt, ob das Ganze überhaupt zulässig ist. Absurdes Theater um eine vielversprechende Idee zur Vermeidung von Unfällen. Wie wichtig der Test dieser neuen Technik ist, zeigt auch der tragische Unfall in Lehrte. Wieder einmal hat ein Lastwagen eine Fußgängerin erfasst. Womöglich hätte ein Warnsystem die Kollision verhindern können.

Wenn wir aber bessere Verkehrstechnik haben wollen, dann müssen wir sie in der Praxis testen. Daran geht kein Weg vorbei. Dass das im Grunde ein gängiges Verfahren ist, zeigt ein Pilotprojekt der Stadt Hannover, das kürzlich ebenfalls angelaufen ist: LED-Leuchten sollen Verkehrsinseln sichtbarer machen und Kollisionen verhindern. Die Lampen wurden an fünf Standorten montiert, jetzt schaut sich die Verwaltung ein Jahr lang an, ob die Leuchten wirklich helfen.

Bei gelben Warnblinkanlagen sei das etwas anderes, argumentiert der Bund-Länder-Fachausschuss, ein Beratergremium für Verkehrsminister. Solche Geräte dürfe man nicht nach Belieben aufstellen, weil sie mit anderen Warnleuchten verwechselt werden können. Das niedersächsische Verkehrsministerium schließt sich dieser Rechtsauffassung an und hält Bike Flash für unzulässig, die hannoversche Polizei und Stadtverwaltung sehen das genauso. Soll die Anlage jetzt abmontiert werden?

Auf keinen Fall. Schließlich handelt es sich um einen lokal begrenzten, wissenschaftlich begleiteten Modellversuch und nicht um die flächendeckende Einführung einer neuen Technik. Mögliche Irritationen bei der Wahrnehmung der Anlage sind extrem begrenzt. Das Gerät steht an einer von Lastwagen und Radfahrern viel befahrenen, aber keineswegs unübersichtlichen Kreuzung. Auch gibt es weit und breit keine weiteren gelben Blinklichter. Ideale Bedingungen also für den Praxistest. Ein Abbruch des Versuchs wäre ein Sieg des Formalismus über den gesunden Menschenverstand.

Dass diese Frage aber überhaupt gestellt wird, müssen sich die Stadt Garbsen und die Regionsverwaltung vorwerfen lassen. Sie hätten sich besser informieren müssen. Offenbar war der Wille zur öffentlichkeitswirksamen Selbstinszenierung stärker als die Sorgfaltspflicht. Auch die Rolle der Polizei wirft Fragen auf. Garbsens Polizei begleitet die Installation der Anlage, Hannovers Polizei übt Kritik – haben die Kollegen nicht miteinander gesprochen?

Der Eindruck verdichtet sich, dass auch der ewige Wettstreit zwischen der CDU-geführten Stadt Garbsen und dem SPD-regierten Hannover seinen Anteil hat. Einmal mehr will der forsche Bürgermeister Christian Grahl (Garbsen) seinem Kollegen Stefan Schostok (Hannover) den Schneid abkaufen. Der bundesweit erste Unfallschutz für Radler sollte in Garbsen und nicht in Hannover stehen. Die hannoversche SPD springt ihrem ohnehin angeschlagenen Oberbürgermeister bei und kritisiert das Vorpreschen Garbsens, die Regions-SPD hält dagegen – ein durchsichtiges Spiel.

Unter dem politischen Wetteifer leidet vor allem die Glaubwürdigkeit der Behörden. Am Ende ist eine einzige Frage entscheidend: Erhöht Bike Flash die Verkehrssicherheit? Eine Antwort kann es nur geben, wenn der Versuch weitergeht.

Von Andreas Schinkel

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