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Aus der Stadt Die versteckten Kosten der Gratis-Kita
Hannover Aus der Stadt Die versteckten Kosten der Gratis-Kita
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06:00 21.07.2018
Symbolbild. Quelle: Archiv
Hannover

Es ist eigentlich ein Riesengeschenk, das die neue Landesregierung den Eltern gemacht hat: Ab kommenden Monat ist der Besuch eines Kindergartens für die Eltern von Drei- bis Sechsjährigen gratis. Für viele Familien ist das eine erhebliche Entlastung, die je nach Anzahl der Kinder und Wohnort mehrere hundert Euro betragen kann. Und Niedersachsen liegt mit dieser Entscheidung im Trend – in vielen Bundesländern wurde angesichts steigender Steuereinnahmen dieser Schritt bereits gemacht oder ist geplant. Doch Jubel macht sich hierzulande immer noch nicht so recht breit – nicht bei den Eltern und erst recht nicht bei Kita-Mitarbeitern und Kommunen.

Denn es zeichnet sich immer mehr ab, dass die Gratis-Kita auch etwas kostet. Nicht nur das Land und die Kommunen, welche die wegfallenden Elternbeiträge auffangen müssen. Sondern auch die Eltern dürften an einigen Orten zu spüren bekommen, dass sich etwas geändert hat – weil es an schwieriger wird, Qualität und Verschiedenheit zu halten.

Unterschiede werden bleiben

Das Problem ist, dass es kein einheitliches System gibt für die Finanzierung von Kindergartenplätzen. Anders gesagt: Niemand weiß, was ein Kindergartenplatz kostet. In jeder Kommune gibt es ein selbst gebautes und über die Jahre gewachsenes System an Kostenverteilung, Zuschüssen und Verträgen. Deshalb schwanken Beiträge und Angebot in der Kita-Betreuung von Kommune zu Kommune so stark. Das Land wiederum kann aber, wenn es nicht in einem bürokratischen Alptraum landen will, den Kommunen nur Pauschalen zahlen, welche die Elternbeiträge ersetzen sollen. Im Ergebnis bedeutet das, dass einige Kommunen mit den Pauschalen deutlich besser zurecht kommen als andere. Und dass die weniger gut aufgestellten Kommunen Schwierigkeiten haben werden, die Qualität aufrecht zu erhalten. Denn für die Städte und Gemeinden gelten zwei gesetzliche Maßgaben: Sie müssen ausreichend Plätze vorhalten – und diese dürfen zumindest in einer Kernzeit die Eltern nichts kosten.

Wenn das Geld des Landes nicht reicht, bleiben den Kommunen in der Region kaum Möglichkeiten, diese Lücke zu schließen. Die eine ist, die Elternbeiträge für Krippenplätze zu erhöhen – hier dürfen die Kommunen noch Geld nehmen. Und die andere ist, einzelne Verträge mit Eltern zu schließen, deren Kinder an einem gesonderten Musikprogramm oder anderen Maßnahmen teilnehmen. Sozial gerecht sind diese Verträge aber nicht – denn mit ihnen kann man bald in jeder Einrichtung sehen, welche Eltern sich die Zusatzangebote leisten wollen oder können.

Fördervereine könnten einspringen

Das Geschenk an die Eltern ist kein Rundum-sorglos-Paket. Es beinhaltet aber auch Chancen: Fördervereine, die es an fast jeder Kita gibt, können sich zum Ziel setzen, Geld zu sammeln, um allen Kindern in ihrer Einrichtung den Zugang zu diesen Zusatzangeboten zu ermöglichen. Eltern würden damit einen Teil der Gebühren, die sie einsparen, als Spende wieder abgeben – aber die Gruppengemeinschaft stärken. Und für die Verwaltungen von Kommunen und Land bietet die einheitliche Behandlung die Möglichkeit, Angebot und Kosten von Kitaplätzen vergleichbarer zu machen. Zeit wäre es ja mal.

Von Heiko Randermann

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