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Aus der Stadt Unwetter über Hannover: Feuerwehr rückt zu mehr als 500 Einsätzen aus
Hannover Aus der Stadt

Unwetter über Hannover: Feuerwehr rückt zu 400 Einsätzen aus

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09:20 17.10.2019
An der Podbielskistraße mussten die Einsatzkräfte einen Baum von der Straße räumen, der wegen des Unwetters umgestürzt war. Quelle: Ralf Heußinger
Hannover

Ein schweres Unwetter ist in der Nacht zu Mittwoch über Hannover und die Region hinweggefegt. Die Feuerwehr Hannover musste zu zahlreichen Einsätzen wegen überschwemmten Straßen und Kellern ausrücken. Am Mittwochmorgen nahm die Zahl der Feuerwehreinsätze noch einmal erheblich zu. „Viele Eigentümer haben erst nach dem Aufstehen ihre voll gelaufenen Keller und Garagen bemerkt“, sagt Feuerwehrsprecher Rainer Kunze.

Gegen Mitternacht hatte das Gewitter mit starken Regenfällen Hannover erreicht. Nur knapp dreieinhalb Stunden später war die Feuerwehr im Regions- und Stadtgebiet schon zu 300 Einsätzen ausgerückt – größtenteils wegen Wasserschäden in Gebäuden. Auch die Polizei war erheblich an den Einsätzen beteiligt. Laut Polizeisprecher Philipp Hasse mussten in der Nacht insgesamt 19 gefährliche Stellen abgesperrt werden. Insgesamt hatte die Polizei demnach bislang 51 Einsätze.

List, Oststadt und Langenhagen trifft es am schlimmsten

Knapp 150 der gesamten Schäden wurden in Hannover gemeldet, der Rest in der Region. Nach Einschätzung der Feuerwehr häuften sich die Einsätze in der Stadt vor allem in List und Oststadt.

An der Podbielskistraße, auf Höhe des Bahlsen-Standorts, musste die Feuerwehr einen umgekippten Baum von der Straße räumen. In der Region traf es vor allem Langenhagen. Hier waren es mehr als 100 Einsätze. An IGS Süd pumpte die Langenhagener Feuerwehr mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr aus Vinnhorst das Wasser aus dem Gebäude. Andere Helfer sorgten dafür, dass die Straßen befahrbar blieben – oder wieder wurden. So konnten Autofahrer zeitweise die Konrad-Adenauer-Straße, die Trogstrecke und die Straße Am Pferdemarkt nicht passieren. Andere Fahrer warteten im gesamten Stadtgebiet am Fahrbahnrand darauf, dass der Regen und Sturm eine Pause einlegten.

Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller - immer wieder musste die Feuerwehr in Langenhagen ausrücken. Quelle: Feuerwehr Langenhagen

In Isernhagen musste die Feuerwehr mehr als 20-mal ausrücken, die Helfer pumpten etliche Keller leer, die durch den Starkregen geflutet waren. In Isernhagen H.B. liefen eine Garage im Untergeschoss eines Hauses und benachbarte Kellerräume voll – als die Feuerwehr eintraf, schwamm das Auto in der Garage, wie die Einsatzkräfte mitteilten, das Wasser stand einen halben Meter hoch. Der Schaden dürfte bei mehreren Zehntausend Euro liegen. Die Feuerwehr in der Wedemark meldete bis zum Mittwochmorgen 25 Einsätze, auchin Hemmingen mussten die Helfer Keller leer pumpen.

Zwar seien auch in vielen weiteren Stadtteilen Hannovers Wassereinbrüche gemeldet worden. „Aber nicht so gehäuft wie an den Hauptstandorten in List, Oststadt und Langenhagen“, sagt Kunze. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) registrierte am Flughafen um 23 Uhr 29,6 Liter Niederschlag pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde. Die zweite DWD-Messstation am Klärwerk in Hannover-Herrenhausen hatte 20 Minuten vorher sogar 29,7 Liter verzeichnet. Bundesweiter Spitzenreiter war um 23.10 Uhr die Station Wedemark-Elze. Dort kamen etwas mehr als 34 Liter innerhalb von 60 Minuten vom Himmel. „Das ist eine halbe Monatsmenge“, sagt Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst wetter.net.

Häufung vieler kleiner Dinge

Bis etwa 5 Uhr morgens war die Feuerwehr in Hannover im Dauereinsatz. Danach wurden die Meldungen weniger. „Am Morgen kam dann aber noch mal ein Schwall Meldungen, als die Leute wach wurden“, sagt Feuerwehrsprecher Kunze.

Bis 9 Uhr arbeiteten die Einsatzkräfte etwa 100 weitere Einsätze ab. „Am häufigsten waren tatsächlich Wasserschäden an Gebäuden“, sagt Kunze. „Es war aber größtenteils eine Häufung von vielen kleinen Dingen. Richtig dramatische Fälle gab es Gott sei Dank nicht.“ Gleichwohl seien viele Eigentümer mit nicht unerheblichen Schäden betroffen: vollgelaufene Keller in kleinen Wohnhäusern, Tiefgaragen. „Die Einsatzkräfte müssen überall Wasser abpumpen“, sagt Kunze.

Bildergalerie: Unwetter über Hannover

Ein schweres Unwetter ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch über Hannover und die Region hinweg gefegt.

Polizeiauto steckt fest

Selbst die Polizei erwischte das Unwetter unvorbereitet. Als die Beamten gerade auf dem Weg in die Büttnerstraße waren, in der wegen des Unwetters eine Alarmanlage ausgelöst worden war, wurden sie auf der Kopernikusstraße in der Nordstadt von den Wassermassen überrascht. Die Beamten versuchten noch zu bremsen, das Auto rollte aber ins Wasser, und der Motor ging sofort aus. „Der Motor ist abgesoffen, deshalb musste das Fahrzeug abgeschleppt werden“, sagte Polizeisprecher Hasse. Feuerwehr und Abschleppwagen zogen das Einsatzfahrzeug aus dem Wasser.

Dieses Videostandbild zeigt ein Einsatzfahrzeug der Polizei, das in einer überfluteten Unterführung liegen geblieben ist. Feuerwehrkräfte sind zur Hilfe geeilt. Quelle: dpa

B65 und B6 voll gesperrt

Wegen Überschwemmung mussten auch einige Straßen gesperrt werden: Die B65 war im Bereich der Eisenbahnunterführung auf dem Südschnellweg und die Unterführung der B6 an der Ritter-Brüning-Straße zeitweise voll gesperrt. Die abgesperrten Bereiche auf Straßen den verursachten aber laut Polizei keine erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen. „Natürlich gab es Probleme, aber wegen der nächtlichen Zeit hielten sich der Verkehr und Staus in Grenzen“, sagt Polizeisprecher Hasse.

Alle 17 Ortsfeuerwehren der Landeshauptstadt waren bei dem Unwetter im Einsatz. Insgesamt rückten knapp 250 haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute in der Nacht zu den Einsätzen aus. Am Morgen waren noch immer knapp 50 Einsatzkräfte unterwegs. „Es sind auch noch etliche Einsatzwagen unterwegs“, sagte Feuerwehrsprecher Kunze gegen 9.30 Uhr.

Von Johanna Steele, Ingo Rodriguez, Peer Hellerling, Antje Bismark, Thomas Oberdorfer und Andreas Zimmer

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