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Aus der Stadt Anwohner fühlen sich am Papenwinkel belästigt
Hannover Aus der Stadt Anwohner fühlen sich am Papenwinkel belästigt
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15:00 19.01.2019
Der städtische Ordnungsdienst ist seit Anfang Dezember täglich über einen längeren Zeitraum an der Haltestelle Papenwinkel vor Ort. Auch Polizei und Protec haben die Haltestelle im Blick.
Der städtische Ordnungsdienst ist seit Anfang Dezember täglich über einen längeren Zeitraum an der Haltestelle Papenwinkel vor Ort. Auch Polizei und Protec haben die Haltestelle im Blick. Quelle: Foto: Marius Klingemann
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Vahrenheide

„Na ja, wir haben eh immer frei“: Die beiden wohnungslosen Männer mittleren Alters, die an diesem Vormittag an der Bahnhaltestelle Papenwinkel sitzen, stoßen mit einem Bier an. Was im Einzelfall vertretbar sein mag, ist für viele Vahrenheider mittlerweile zu einem dauerhaften Ärgernis geworden, das auch die lokale Politik beschäftigt.

Seit Ende 2016 befindet sich in den ehemaligen Räumen des Kaufhauses Möbel-Boss (Alter Flughafen 12) eine Notschlafstelle für Obdachlose, die besonders in den kälteren Monaten stark frequentiert wird. Statt der ursprünglich vorgesehenen 20 Personen halten sich offiziellen Angaben zufolge derzeit regelmäßig bis zu 60 Bedürftige in der Unterkunft auf. „Diese Zahlen sind mit einem Anstieg von Obdachlosen aus Osteuropa zu begründen“, sagte FDP-Ratsherr Wolfgang Butz auf Anfrage.

Da die Notschlafstelle nur von 18 bis 8 Uhr geöffnet ist und dort zudem Alkoholkonsum untersagt ist, sind ihre Nutzer morgens und abends im Bereich der nahegelegenen Haltestelle Papenwinkel unterwegs – laut Aussage vieler Anwohner nicht selten mit Bier und anderen alkoholhaltigen Getränken. „Man kann sich in dieser Ecke nicht mehr aufhalten“, klagte Sabine Kowalewski, die mit ihrer Mutter Kornelia unweit der Bahnstrecke wohnt, jüngst bei der Sitzung des Bezirksrates Bothfeld-Vahrenheide. Die Obdachlosen würden sich auf dem Bahnsteig und den umliegenden Grünflächen erleichtern, umziehen und zudem häufiger Passanten belästigen. „Meine Mutter fährt seit geraumer Zeit keine Bahn mehr“, berichtete Kowalewski.

Einige Platzverbote erteilt

Die Stadt hat auf diese Situation bereits reagiert: „Der städtische Ordnungsdienst ist seit Anfang Dezember täglich über einen längeren Zeitraum vor Ort“, teilte Sprecherin Michaela Steigerwald auf Nachfrage mit. Zudem zeigen auch der Sicherheitsdienst Protec sowie die örtliche Polizei verstärkt Präsenz. „Rund 15 Einsätze“ habe es in den vergangen Wochen im Bereich Papenwinkel gegeben, berichtete Tanja Wulff-Bruhn, Leiterin des Polizeikommissariats Lahe, während der Bezirksratssitzung. Teilweise seien bereits Platzverbote erteilt worden.

Auch der Bezirksrat ist jetzt aktiv geworden und hat einhellig einem interfraktionellen Dringlichkeitsantrag zugestimmt, eine Verbesserung der Aufenthaltsmöglichkeiten für Obdachlose in der Unterkunft am Alten Flughafen anzustreben. Im Gespräch sind hierbei die Ausweitung der Öffnungszeiten auf 9 Uhr, um eine geballte Kollision mit dem Berufsverkehr via Stadtbahn einzudämmen, sowie die Einrichtung eines tagsüber geöffneten Cafés vor Ort, in dem kontrollierter Alkoholgenuss möglich sein soll. Überlegungen, die auch Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg begrüßt. „Die Situation vor Ort hat sich durch die regelmäßigen Kon­trollen jedoch bereits gebessert“, sagte der SPD-Politiker.

Von Marius Klingemann