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Aus der Stadt Lichter am Holocaust-Mahnmal systematisch zerschlagen
Hannover Aus der Stadt Lichter am Holocaust-Mahnmal systematisch zerschlagen
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00:26 18.11.2018
Die in den Boden eingelassene Beleuchtung rund um das Holocaust-Mahnmal auf dem Opernplatz ist zerstört worden. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Das Holocaust-Mahnmal auf dem Opernplatz ist erneut mutwillig beschädigt worden. Die in den Boden eingelassene Beleuchtung wurde systematisch zerschlagen. Die Polizei entdeckte den Schaden bereits Anfang September und leitete ein Strafverfahren ein. „Die Täter konnten nicht ermittelt werden“, sagt Polizeisprecher Thorsten Schiewe. Derzeit liege der Fall bei der Staatsanwaltschaft Hannover. Bereits vor zwei Jahren wurden alle Leuchten mit schwarzer Farbe übersprüht.

Die jüdische Gemeinde ist entsetzt. „Das passt ins Bild“, sagt Ingrid Wettberg von der Liberalen Jüdischen Gemeinde. Antisemitische Übergriffe hätten zugenommen, auch in Hannover. Das sieht die Orthodoxe Jüdische Gemeinde anders. Auch sie ist erschüttert über den Vorfall, doch der Vorsitzende Michael Fürst meint, dass es ansonsten in Hannover wenige Probleme gebe. „Die Beschädigung des Mahnmals ist ein besonderer Fall“, sagt Fürst.

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Unbekannte haben Bodenstrahler um das Mahnmal herum zerstört. Quelle: Moritz Frankenberg

Mit Konsequenzen tut sich die Jüdische Gemeinde schwer. Fürst hält nichts davon, einen Zaun zu errichten, schließlich sei das Mahnmal als begehbare Erinnerungsstätte konzipiert. „Eine Überwachung mit einer Kamera dürfte datenschutzrechtlich unmöglich sein“, sagt Fürst. Eine permanente Bewachung durch Sicherheitsdienste oder stündliche Polizeistreifen seien zu aufwändig. „Wir könnten über eine bessere Beleuchtung nachdenken“, meint Fürst. Darüber wolle er mit Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) sprechen.

Immer wieder wird diskutiert, was auf dem begehbaren Mahnmal erlaubt ist und was verboten sein sollte. In den späten Abendstunden versammelt sich oft eine jugendliche Partyszene rund um die Gedächtnisstätte. Die Menschen sitzen dann auf dem Mahnmal, trinken Bier und essen Pizza. „Es kommt darauf an, dass die Stadt das Mahnmal regelmäßig säubert“, sagt der Vorsitzende der Orthodoxen Jüdischen Gemeinde.

Die beschädigten sechs Leuchten hat der kommunale Energieversorger Enercity noch nicht ersetzt, die Fassungen sind derzeit abgeklebt. „Wir haben so viele Lampen nicht vorrätig“, sagt Enercity-Sprecher Carlo Kallen.

Von Andreas Schinkel