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Aus der Stadt Vater soll seine Tochter mehrfach vergewaltigt haben
Hannover Aus der Stadt

Vater soll seine Tochter mehrfach vergewaltigt haben und muss sich nun vor dem Landgericht Hannover verantworten

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00:19 22.06.2019
Abdülkardir S. (M.) wird von den Anwälten Christoph Rautenstengel (l.) und Andreas Hüttl verteidigt. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

 Ein 47-jähriger Mann muss sich seit Mittwoch vor dem Landgericht wegen schwerer sexueller Übergriffe verantworten. Abdülkardir S. soll sich viermal an einer seiner zwei Töchter vergangen haben. Im Herbst 2012 hat er das damals 15 Jahre alte Mädchen laut Anklage zweimal vergewaltigt, 2014 soll er sich an der dann 17 Jahre alten Jugendlichen erneut vergangen haben. Am ersten Verhandlungstag vor der 1. Großen Jugendkammer wurde der vierfache Vater, der sich auf freiem Fuß befindet, noch nicht befragt. Stattdessen diskutierten die Prozessbeteiligten intensiv über die Frage, ob das Opfer und seine Mutter von der Familie des Angeklagten mit dem Tode bedroht wurden und welche Art von Zeugenschutz sie während ihrer Befragungen genießen sollen.

Die erste Vergewaltigung des Mädchens, so die Anklage, fand im Oktober 2012 in einer Kleingartenkolonie in Herrenhausen statt; ein Kondom habe der Vater dabei nicht benutzt. Wenige Tage später soll S. seine Tochter in der Wohnung der Familie in Kleefeld zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Im März 2014 sei es in der Türkei nahe Izmir auf der Rückbank eines Autos zu einer weiteren Vergewaltigung gekommen, die vierte Tat verortet die Staatsanwaltschaft in einer Höhle nahe dem türkischen Ort Urfa – im Zusammenhang mit der damaligen Pistazienernte.

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Geschlecht geändert

Rechtsanwalt Mustafa Akbulut vertritt vor Gericht die Tochter – die nach einer Geschlechtsumwandlung als Mann angesprochen werden möchte – als Nebenkläger. Sie bzw. er ist am Freitag als Zeuge geladen, aller Voraussicht nach wird die Öffentlichkeit bei der Befragung ausgeschlossen. Laut Akbulut sollen Mutter und Kind schon 2016 – und möglicherweise auch später – von Familienmitgliedern des Angeklagten unter Druck gesetzt worden sein, wenn sie vor Gericht gegen Abdülkardir S. aussagen. Man werde den beiden Säure ins Gesicht schütten und sie töten, soll man ihnen angedroht haben.

Wie der Vorsitzende Richter Stefan Lücke zu Protokoll gab, holte er vor wenigen Tagen bei einem Polizeibeamten aus Nordrhein-Westfalen Auskünfte über den Verbleib von Mutter und Tochter bzw. Sohn ein. Demnach wurde 2016 in Niedersachsen geprüft, ob die beiden in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden können; bevor es zu einer Entscheidung kam, waren die inzwischen von S. geschiedene Frau und ihr Kind jedoch eigenständig nach Nordrhein-Westfalen gezogen und dort untergetaucht. Später hätten Familienangehörige von S. im Raum Duisburg nach den beiden gesucht, seien aber nicht fündig geworden.

Polizei schützt Zeugen

Bei den geplanten Befragungen in Hannover, so der Vorsitzende Richter, würden Beamte des Landeskriminalamtes Niedersachsen die beiden Zeuginnen über einen Nebeneingang ins Landgericht führen und dort dauerhaft an ihrer Seite bleiben. Auch müssten Mutter und Kind in der Verhandlung keine Angaben zu ihrer aktuellen Identität machen.

Nach Ansicht von Verteidiger Andreas Hüttl gibt es keine begründeten Anhaltspunkte, dass Leib und Leben der beiden Zeuginnen derzeit wirklich in Gefahr sind oder jemals waren. Verteidiger Christoph Rautenstengel wies darauf hin, dass S. nicht vorbestraft ist und in einem Prozess in der Türkei wegen der gleichen Vorwürfe freigesprochen worden sei. Richter Lücke versicherte den Anwälten, dass den 47-Jährigen am Landgericht ein fairer Prozess erwarte und die Zeugenschutzmaßnahmen nicht als mögliche Vorverurteilung des Angeklagten missverstanden werden dürften.

Von Michael Zgoll