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Aus der Stadt Auch Real kündigt Schlachthof in Laatzen
Hannover Aus der Stadt Auch Real kündigt Schlachthof in Laatzen
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17:15 23.11.2018
Unter Druck: Leine-Fleisch in Laatzen. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Mit der Handelskette Real hat am Freitag der nächste große Kunde seine Geschäftsbeziehung mit dem Schlachthof Leine-Fleisch beendet. Man habe einen Lieferanten angewiesen, kein Schweinefleisch mehr aus Laatzen zu beziehen, sagte ein Unternehmenssprecher der HAZ. Zuvor hatten mit Aldi und Kaufland bereits zwei Handelsriesen dem Schlachthof gekündigt. Auch regionale Abnehmer wie die Landschlachterei Hanke aus Gronau im Kreis Hildesheim und der Wurst-Basar aus Ronnenberg lassen bis zur Klärung der Tierquälereivorwürfe nicht mehr in Laatzen schlachten.

Anzeige wegen Tierquälerei

Am Dienstag war bekannt geworden, dass der Verein Deutsches Tierschutzbüro Anzeige wegen Tierquälerei gegen Verantwortliche von Leine-Fleisch erstattet hat. Mit heimlich aufgenommenen Videos will der Verein beweisen, dass bei Leine-Fleisch Schweine unnötig mit Elektroschockern traktiert wurden. Die sogenannten Treibstäbe dürfen nur äußerst zurückhaltend eingesetzt werden. Auf Bildern ist allerdings zu sehen, wie der Mitarbeiter eines Subunternehmers die Tiere immer wieder mit Elektroschocks bearbeitet, nach Angaben des Deutschen Tierschutzbüros in einem Fall bis zu 40-mal. Leine-Fleisch hat die Vorwürfe eingeräumt und dem Subunternehmer gekündigt. Die Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen.

Weitere Transportwege

Für regionale Kunden wie Robin Hanke von der Landschlachterei Hanke hat das Konsequenzen. Hanke kauft von Landwirten in der Region Tiere, um sie dann bei Leine-Fleisch schlachten zu lassen. Er schätzt die kurzen Wege, auch wegen der geringeren Belastung für die Tiere. „Wir müssen jetzt leider Gottes weitere Transportwege in Kauf nehmen“, sagte Hanke.

Für den Markt ist die Krise bei Leine-Fleisch nach Einschätzung von Volker Hahn, Schweinebauer und Kreisvorsitzender des Landvolks in Hannover, kein Problem. „Schlachtstätten gibt es genug. Der Markt fängt das auf.“ Die nächsten Schlachthöfe sind laut Hahn allerdings schon relativ weit weg: In Emstek im Kreis Cloppenburg schlachtet Vion, in Lübbecke westlich von Minden in Nordrhein-Westfalen Westfleisch – beide Schlachthöfe liegen mehr als 100 Kilometer von Laatzen entfernt, beide gehören Unternehmen, die laut Hahn zu den „Big five“, den ganz großen der Branche gehören.

„Alle reden von Regionalität“

Hahn nennt die Reaktion der Kunden auf die Vorwürfe „bitter“. Seine Sorge ist, dass Leine-Fleisch die Krise finanziell nicht übersteht. „Alle reden immer von Regionalität, aber am Ende führen Vorwürfe wie diese nur zu weiterer Konzentration auf dem Markt.“ Den großen Handelsketten wirft Hahn Scheinheiligkeit vor: „Es ist eine einzige Heuchelei: Real muss nicht behaupten, dass sie für regionale Erzeugung und kurze Wege zum Schlachthof auch nur einen Cent mehr zu bezahlen bereit sind.“

Von Karl Doeleke

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