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Aus der Stadt Wie sicher sind die Brücken?
Hannover Aus der Stadt Wie sicher sind die Brücken?
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00:21 18.08.2018
Trotz umfangreicher Sanierungsarbeiten wurde ist die Schnellwegbrücke über die Hildesheimer Straße in jeder richtung nur noch auf einem Fahrstreifen befahrbar. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke im norditalienischen Genua mit Dutzenden Toten wird auch hier über die Sicherheit von Brücken diskutiert. Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Brücken in Hannover und in Niedersachsen.

Kann es auf einer Brücke in Hannover oder in Niedersachsen zu einem Unglück wie in Genua kommen?

Nein, sagt der Dezernatsleiter Brückenbau der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Harald Freystein. „Ein spektakulärer Schadensfall wie in Genua kann bei uns nicht passieren“, betont er. Denn die Brücken in Niedersachsen und in Deutschland würden „außerordentlich intensiv überwacht“. Deshalb ist er „überzeugt, dass wir ein Versagen, wie es in Genua passiert ist, rechtzeitig erkennen“ würden, meint Freystein, der innerhalb seiner Behörde „Brückenpapst“ genannt wird.

Wie werden die Brücken überprüft und überwacht?

Alle Straßenbrücken werden von der Landesbehörde alle sechs Jahre von Bauingenieuren gründlich überprüft, die sich jeden Quadratmeter des Bauwerks genau anschauen. Der Prüfer geht so dicht an die Brücke heran, dass er jeden Quadratmeter mit der Hand anfassen kann. Diese Überprüfung kann bis zu drei Wochen dauern. Zusätzlich werden alle drei Jahre wesentliche Bauteile der Brücke überprüft. Außerdem gibt es nach Angaben der Landesbehörde kleinere Jahreskontrollen und regelmäßige Streckenkontrollen. Wenn bei den Überprüfungen zum Beispiel Risse oder andere Auffälligkeiten entdeckt werden, wird die Brücke genauer unter die Lupe genommen.

Werden Brücken dauerhaft überwacht?

Ja, fünf Brücken in Niedersachsen werden wegen größerer Risse intensiv in Echtzeit überwacht, darunter die Messeschnellwegbrücke über den Mittellandkanal. Die Daten der in den Brücken installierten Messsensoren landen direkt in der Landesbehörde. Dort könne man sofort reagieren, wenn es kritische Veränderungen gebe, berichtet Freystein. Zu einer Sperrung sei es aber deswegen noch nicht gekommen.

Welche Brücken in Hannover sind in einem schlechten Zustand?

Laut Landesbehörde sind in Hannover müssen in Hannover 40 Brücken erneuert werden, betroffen ist vor allem das Schnellwegnetz. Nötig sind neue Brücken nötig auf dem Südschnellweg zwischen Hildesheimer Straße und dem Landwehrkreisel. Hier gibt es auch bereits konkrete Pläne: Die Hildesheimer Straße soll untertunnelt werden oder eine Brücke wird hoch verkleidet, im Bereich der Leine und der Ricklinger Seen sollen neue Brücken entstehen. Erneuert werden müssen auch die Brücken auf der B65 zwischen Seelhorster Kreuz und der A7, ebenso wie die Brücken auf dem Südschnellweg über den Weidetorkreisel und den Mittellandkanal. Die B65-Brücke über die Bornumer Straße muss erneuert werden wie auch Brücken der B6 im Bereich Linden.

Was kann man machen, um eine marode Brücke weiterhin erst einmal im Betrieb zu halten?

Das hängt von der Konstruktion und der Schwere der Schäden ab. Die Brücke über die Hildesheimer Straße im Verlauf des Südschnellwegs ist nur noch einspurig befahrbar, die jeweils rechte Spur wurde gesperrt. Zudem wurden umfangreiche Verstärkungen in die Tragkonstruktion der Brücke eingebaut. Die Brücke im Zuge der B3 über den Weidetorkreisel ist für Lastwagen ab 7,5 Tonnen gesperrt, sie müssen über den Kreisel fahren.

Warum ist der Zustand vieler Brücken so schlecht?

Einige Brücken in Niedersachsen sind fast 80 Jahre alt, die meisten wurden vor 40 bis 60 Jahren gebaut. Die geplante Last der Brücken basiert auf einem Modell von 1953, angepasst wurde das 1983. Allerdings ist die starke Zunahme des Schwerlastverkehrs bei früheren Bauten nicht berechnet worden. Nach Angaben von Experten bringt ein Lastwagen mit 40 Tonnen die gleiche Belastung wie 50.000 Autos.

Wie ist die Lage der Brücken in Niedersachsen?

Im Vergleich zu anderen Bundesländern schneidet Niedersachsen gut ab. Hier liegt nach Zahlen des Bundesverkehrsministeriums der Anteil schlechter Brückenflächen nur bei 7 Prozent. Deutlich mehr marode Brücken gibt es unter anderem im Saarland mit 29 Prozent, in Hamburg (27 Prozent) sowie in Hessen und in Rheinland-Pfalz (jeweils 20 Prozent). Nach Angaben der Landesbehörde gibt es in Niedersachsen rund 6800 Brücken, davon werden 430 derzeit wegen Schäden beobachtet. Von diesem 430 Brücken müssen rund zwei Drittel erneuert werden. Bei 15 Prozent reicht nach Ansicht der Experten eine Verstärkung, bei 25 Prozent reicht der Zustand für das verlangte Sicherheitsniveau aus.

Wie viel Geld fließt in die Sanierung von Brücken?

Niedersachsen gibt derzeit aus Bundesmitteln jährlich 20 Millionen Euro für die Verstärkung von Brücken und 15 Millionen Euro für den Erhalt von Brücken aus.

Sind nur Straßenbrücken betroffen?

Nein. In Hannover ist auch die Deutsche Bahn betroffen. Wegen Materialermüdung wird derzeit die Bahnbrücke über die Königsstraße erneuert. Und im Hauptbahnhof sind die fünf sogenannten Gleisbrücken, auf denen Bahnsteige und Schienenstränge liegen und die die sogenannte Promenade überspannen, marode. Sie müssen nach und nach bei weiterhin laufendem Betrieb erneuert werden. Der Beginn ist derzeit für das Jahr 2020 geplant, die Gesamtkosten werden auf 160 Millionen Euro geschätzt.

Von Mathias Klein und Marco Seng

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