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Aus der Stadt Wie sinnvoll sind verpflichtende Fahrtests für Senioren?
Hannover Aus der Stadt Wie sinnvoll sind verpflichtende Fahrtests für Senioren?
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07:57 08.02.2019
Autofahrer Manfred Borges absolviert ein Training auf dem Gelände des Fahrsicherheitszentrums des ADAC in Laatzen. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Der 66-jährige Manfred Borges beschleunigt seinen silbernen Skoda Yeti auf dem Gelände des Fahrsicherheitszentrums des ADAC in Laatzen und steuert auf ein paar orange Verkehrshütchen zu. Plötzlich schießen Wasserfontänen vor dem Wagen aus dem Boden. Borges muss scharf bremsen, bringt aber sein Fahrzeug sicher zum Stehen. „Gut gemacht“, sagt Fahrtrainer Detlef Kehe, der das Manöver beobachtet hat, in sein Funkgerät.

Diese Übung ist Teil des Sicherheitstrainings, dass der ADAC regelmäßig für Seniorinnen und Senioren, aber auch für jüngere Autofahrer, anbietet. Manfred Borges hat bereits einige Male daran teilgenommen. „Es ist noch immer so, dass ich im Bekanntenkreis zum Teil Anerkennung und zum Teil Ablehnung für die Tests bekomme“, sagt der 66-Jährige. Er hat sich vor einigen Jahren freiwillig zu seinem ersten Fahrsicherheitstraining angemeldet. „Ich fahre nicht mehr so viel wie früher, als ich noch berufstätig war und habe aus jedem Training etwas für mich mitgenommen“, sagt Borges. Von der Forderung einiger Unfallforscher, solche Sicherheitstrainings für Senioren ab 75 zur Pflicht zu machen, hält Borges nichts. „Das geht nur auf freiwilliger Basis und nützt auch Autofahrern, die deutlich jünger sind“, sagt er.

Der ADAC bietet regelmäßig Übungen für Senioren und jüngere Autofahrer an

Fahrtrainer Detlef Kehe vom ADAC vertritt eine ähnliche Ansicht. „Es geht bei den Trainings darum, dass die Teilnehmer sich bewusst darüber werden, was sie können und was ihr Fahrzeug kann, das geht nur auf freiwilliger Basis“, sagt er. Vier bis fünf Stunde dauert eine Sicherheitsübungseinheit. Die Themen, die Trainer Kehe dabei anspricht, sind vielfältig. „Es geht um die richtige Sitzposition, um eine gute Einstellung aller Spiegel im und am Wagen, aber auch um Brems- und Ausweichtechniken“, sagt Kehe. An den Trainings für ältere Autofahrer nehmen beim ADAC in Laatzen ganz unterschiedliche Gruppen Teil. „Das sind Mitglieder einer Kirchengemeinde oder ein Kegelklub aber auch die Mitglieder des Seniorenbeirats der Stadt Hannover kommen zu uns“, sagt der Fahrtrainer.

Verkehrsstatistik für Hannover

Die Verkehrsstatistik der Polizeidirektion Hannover weist einen leichten Anstieg der im Straßenverkehr verletzten Seniorinnen und Senioren auf. Waren es im Jahr 2016 777 Verletzte, gingen ein Jahr später 789 Verletzte in die Erhebung ein. Die Zahlen für das Jahr 2018 liegen noch nicht vor. Besonders deutlich ist der Anstieg bei den verletzten Senioren ab 75 Jahren. Hier verzeichnet die Statistik für das Jahr 2016 384 Betroffene, für das Jahr 2017 bereist 417.

Ein Anstieg findet sich auch bei den schwerverletzten Senioren, ab 75 Jahren, von 90 im Jahr 2016 auf 99 im Jahr darauf. Bei den Senioren zwischen 65 und 74 ist der Anstieg ähnlich. 56 wurden 2016 bei Unfällen schwer verletzt, ein Jahr später waren es 66. Die Zahl der Verkehrstoten im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Hannover hat sich bei den Senioren zwischen 65 und 74 Jahren von 2016 auf 2017 verdoppelt, von drei auf sechs. In der Gruppe der Senioren ab 75 Jahren ist der Anstieg deutlich geringer. Im Jahr 2016 verzeichnete die Statistik zwölf, ein Jahr später 13 Verkehrstote.

Die These des Deutschen Verkehrsgerichtstags aus dem Jahr 2017, wonach es Hinweise gebe, dass ältere Menschen als Kraftfahrer ein zunehmendes Risiko im Straßenverkehr darstellten, teilt Fahrtrainer Detlef Kehe nicht. „Sie reagieren vielleicht etwas langsamer als jüngere Autofahrer, doch das können sie meist durch ihre lange Erfahrung ausgleichen“, sagt Kehe. Die Diskussion um ein verpflichtendes Fahrsicherheitstraining für Senioren ist Trainer Detlef Kehe nicht neu. „Das kommt alle paar Jahre wieder auf“, sagt er.

Viele andere europäische Länder sind beim Thema verpflichtende Tests für ältere Führerscheininhaber bereits anders aufgestellt. Einem Bericht der Zeitung Die Welt zufolge gilt der Führerschein nur noch in Deutschland, Frankreich, Belgien, Österreich, Polen und Bulgarien als zeitlich unbegrenzt. In den meisten anderen Ländern gebe es bereits altersbezogene Überprüfungen der Fahrtauglichkeit. In Schweden müsse der Führerschein grundsätzlich alle fünf Jahre neu beantragt werden. Für Trainer Detlef Kehe und seinen Schüler Manfred Borges ist das der falsche Ansatz. „Eigentlich müsste man alle Verkehrsteilnehmer in gegenseitiger Rücksicht schulen, aber weil wir es dabei immer mit Menschen zu tun haben, wird das wohl nichts werden“, sagt Kehe.

Von Tobias Morchner

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