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Aus der Stadt Lehrer und Lernende mit 90 Jahren
Hannover Aus der Stadt Lehrer und Lernende mit 90 Jahren
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13:13 15.12.2018
Ein Leben für die Liebe: Brigitte und Peter Lampasiak. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Das schafft auch nicht jeder – 400 Geburtstagsgäste zu seinem 90. Geburtstag zu versammeln. Doch Peter und Brigitte Lampasiak haben sich im Laufe ihres bewegten Lebens an den beiden Waldorfschulen in Hannover so viele Freunde gemacht, dass die Turnhalle der Bothfelder Einrichtung in der Weidkampshaide proppenvoll ist. Und dieses Jahr hat dem betagten Paar zudem noch weitere Jubiläen beschert: Vor 65 Jahren haben die beiden geheiratet, vor 40 Jahren waren sie maßgeblich an der Gründung des Bothfelder Ablegers der Mutterschule am Maschsee beteiligt.

Die Turnhalle der Bothfelder Waldorfschule war proppenvoll. Quelle: Michael Zgoll

Das Paar kann sich schon vor Beginn der mehrstündigen Geburtstagsfeier kaum vor Gratulanten retten. Die meisten nennen Peter Lampasiak bei seinem Spitznamen, „Lampi“. Es spielen ein Bläserquartett von Eltern, es singt ein von Instrumenten begleiteter Chor von Lehrern, Schülern, Eltern und von weither angereisten Ehemaligen, der am Vormittag erstmals gemeinsam geprobt hat, und es werden Reden gehalten, wie es sich gehört. Ein früherer Schüler erinnert sich, wie er vor Jahrzehnten noch mit 40 weiteren Schülern in einem Klassenraum saß und wie sie „Lampi“ immer auf den Hof scheuchte, wenn es ihnen langweilig zu werden drohte – zum Tanzen.

Diese Skulptur im Eingangsbereich der Turnhalle hat Peter Lampasiak geschnitzt. Quelle: Michael Zgoll

Bewegung, Musik, Handwerken – das prägte das Leben der beiden Eheleute. Brigitte Lampasiak unterrichtete zudem Englisch und Französisch, Schwerpunkt ihres Mannes waren das Kunsthandwerken, die Bildhauerei, das Schnitzen. Im Eingangsbereich der Turnhalle stehen zwei von ihm gefertigte Holzskulpturen, noch heute leitet er an der Schule einen Schnitzkurs. Und immer noch, mit 90 Jahren, lebt das Paar nach dem Motto des immerwährenden Lehrens und Lernens. „Wir nehmen immer noch Gambenunterricht“, erzählt die Seniorin. Und zum Beweis ihres Könnens präsentiert das Paar vor den Geburtstagsgästen ein paar Stücke auf der Kniegeige.

Zur Geburtstagsfeier hatten sich recht kurzfristig ein Chor sowie Instrumentalisten aus einem Kreis von Lehrern, Eltern, Schülern und Ehemaligen zusammengefunden. Quelle: Michael Zgoll

„Wir wollten eine Schule der Liebe stiften“, richtet Peter Lampasiak das Wort ans Auditorium. Und seine Frau ergänzt: „Eine Schule der Liebe zur Musik.“ Die ersten vier Jahre nach der Gründung 1978 existierten die Gebäude in Bothfeld noch nicht, damals nutzten die frischgebackenen Schulgründer noch die Waldorf-Räumlichkeiten am Maschseeufer. Gemeinsam mit Freunden und unterstützt von einer engagierten Elternschaft entwickelte man die Pläne für den Schulneubau im Nordosten der Stadt, der Ende 1982 fertiggestellt wurde. Und so bittet denn „Lampi“ auch einen der Gäste, sich von seinem Platz zu erheben: Prof. Peter Hansen, der frühere Geschäftsführer des Wohnungsbauunternehmens Gundlach. „Sie haben diese Schule damals umarmt und gesagt: Ich liebe sie“, erinnert ihn Lampasiak an vergangene Zeiten.

In der Turnhalle der Bothfelder Waldorfschule wurde die Autobiografie von Peter Lampasiak vorgestellt. Quelle: Michael Zgoll

„Erinnerungen aus einem Leben im 20. und 21. Jahrhundert“ heißt die Autobiografie des 90-Jährigen, die er gemeinsam mit anderen Autoren verfasst hat und die er an diesem Sonnabend in der Bothfelder Turnhalle vorstellt. Mit Häuptlingsschmuck und Trommel ist auf dem Buchdeckel abgebildet, ein Schulschamane, wie er leibt und lebt. Die Verbindung zur vertrauten Schule hat auch deshalb Bestand, weil die Eheleute ganz in der Nähe wohnen, auf der anderen Seite der Podbi in dem Viertel mit den vielen prominenten Ärztenamen.

Das Projekt Waldorfschule ist erfolgreicher denn je, auch wenn die Anthroposophie für viele Beteiligte eine immer geringere Bedeutung hat. 245 dieser Einrichtungen sind aktuell Mitglieder im Bund der Freien Waldorfschulen, inzwischen hat sich bundesweit in 40 Prozent aller Landkreise und kreisfreien Städte eine Waldorfschule niedergelassen. Besonders auf dem Land, wo die Zahl staatlicher Schulen abnimmt, erfreut sich die Rudolf-Steiner-Pädagogik wachsender Beliebtheit; so gab es von 1990 bis 2018 immerhin 128 Neugründungen.

Die Geburtstagsfeier des Ehepaars Lampasiak endet am Nachmittag mit einem Tanzfest, unterfüttert von einem reichhaltigen Büfett. „Ich bin überwältigt“, beschreibt „Lampi“ seine Empfindungen anlässlich der weitschweifigen Ehrungen. Brigitte Lampasiak aber ist sich sicher, dass dies das letzte große Jubiläumsfest der Paars war. „Es ist doch schon ein bisschen zu viel“, sagt die 90-Jährige leise. Und fügt hinzu, als kleine Reminiszenz an ihre Englischlehrertätigkeit: „The world is too much for us.“

Von Michael Zgoll

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