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Aus der Stadt Wasserstadt: Bauunternehmer darf Conti-Gebäude in Limmer nicht abreißen
Hannover Aus der Stadt

Wasserstadt: Bauunternehmer Papenburg darf Conti-Gebäude in Limmer  nicht abreißen 

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16:30 16.08.2019
Wasserstadt: Die Conti-Altgebäude 44 und 51 dürfen nicht abgerissen werden. Quelle: Lisa Neugebauer
Hannover

Die Continental-Altgebäude 44 und 51 auf dem Gelände der Wasserstadt in Limmer dürfen nicht abgerissen werden. Einen entsprechenden Antrag von Investor Günter Papenburg hat die Stadt abgelehnt. Die beiden historischen Backsteinbauten am Stichkanal stehen unter Denkmalschutz. Sie dürfen daher nur beseitigt werden, wenn der Eigentümer nachweist, dass der Erhalt für ihn wirtschaftlich unzumutbar sei. Das ist Papenburg nach Einschätzung der Stadt nicht gelungen.

Auf Nachfrage bei der Stadt heißt es, dass Papenburg im April den Abrissantrag gestellt habe und im Juli über die Entscheidung informiert worden sei. Kürzlich habe man sich rückversichert, dass das Schreiben beim 80-jährigen Unternehmer eingegangen ist. Papenburg selbst äußerte sich auf Nachfrage der HAZ nicht zur Entscheidung.

Neubaugebiet Wasserstadt ist ein Zankapfel

Seit 13 Jahren arbeitet der Bauunternehmer Papenburg daran, auf der alten Industriebrache der Continental zwischen Leineabstiegskanal und Stichkanal in Limmer das Wohngebiet Wasserstadt zu entwickeln. Immer eskalieren dabei Konflikte mit der Stadt: um die Qualität der Sanierungen, um öffentliche Zuschüsse und um die Vorgaben bei Baugenehmigungen. Insgesamt sollen etwa 1800 Wohnungen für rund 3500 Menschen entstehen – mit Stadtteilzentrum, Geschäften und Kita. Die Wasserstadt ist eines der größten Neubauprojekte in der Stadt.

Wie viel Gift schlummert in den Gebäuden?

Um die beiden historischen Gebäude, die seit Jahren verfallen, gibt es schon lange Streit. Einem Gutachten des Wasserstadt-Projektentwicklungsgesellschaft von 2018 zufolge sind die Gemäuer wegen der langen Reifenproduktion mit krebserregenden Nitrosaminen vergiftet, was eine wirtschaftliche Nutzung unmöglich mache.

Doch die Grundlage ist wackelig: Selbst der Auftraggeber stellt den Nutzen des Gutachtens infrage – denn gemessen wurde nur an den Fensterlaibungen und nicht im Innenraum. Experimente, die Schadstoffbelastung zu senken, sollen keinen Erfolg gezeigt haben.

Die Conti-Ruinen dienen im Neubaugebiet Wasserstadt Limmer bisher auch als Lärmschutz zur benachbarten Bahnlinie. Um den Abriss zu ermöglichen, hatte Papenburg Anfang des Jahres extra eine 1250 Meter lange und vier Millionen Euro teure Lärmschutzwand an der Bahn bauen lassen. Diese Investition könnte sich mit der abgelehnten Abrissgenehmigung als nutzlos erweisen.

Bürgerinitiative hält Entscheidung für richtig

Die Bürgerinitiative (BI) Wasserstadt freut sich darüber, „dass der Denkmalschutz gewonnen hat und nicht nur der Profit zählt“, wie der Vorsitzende Uwe Staade sagt. „Das sind markante Gebäude, die Geschichte atmen. Es wäre schade gewesen, wenn man diese nicht hätte erhalten können.“ Die BI argumentiert seit Jahren, dass die Belastung durch das Gift abnehme und eine Sanierung möglich sei. „Das ist sicher ein Berg an Arbeit“, sagt Staade jetzt. „Aber die Gebäude sind es auf jeden Fall wert, egal, wie viel es kostet.“

Zahlreiche Altgebäude auf der Industriebrache sind bereits abgerissen. Andere wurden saniert: ein Verwaltungsgebäude an der Zufahrtsstraße und jetzt auch der historische Schornstein mit Wasserbehälter, dessen charakteristische Form ortsbildprägend ist. Dort allerdings wollte Papenburg kein Geld investieren – schließlich gab die Stadt eine halbe Million Euro, um das Wahrzeichen der Industriebrache wieder in Schuss zu bringen.

Wie es jetzt mit den beiden großen Produktionsgebäuden am Stichkanal weitergeht, ist offen. Papenburg könne vor dem Verwaltungsgericht Klage gegen den Ablehnungsbescheid einreichen, heißt es bei der Stadt. Das Ringen um die historischen Bauten der Wasserstadt ist also noch nicht zu Ende.

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Alle Neuigkeiten und Infos erfahren sie auf dem HAZ-Blog zur Wasserstadt

Von Manuel Behrens und Lisa Neugebauer

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