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Aus der Stadt Ärger nach Sanierung: Sind die Wege am Kanal für Radfahrer gefährlich?
Hannover Aus der Stadt

Wegesanierung am Mittellandkanal in Hannover verursacht Ärger

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10:37 20.06.2019
Die Wege am Mittellandkanal sind bei Radlern und Ausflüglern beliebt. Quelle: Haase
Misburg/Anderten/Groß-Buchholz

Nachdem das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Braunschweig die Wege beidseits des Mittellandkanals zwischen Groß-Buchholz und Anderten sanieren lassen hat, gibt es nun Ärger. Politiker haben sich genauso beschwert wie HAZ-Leser: Die Situation für Radfahrer habe sich verschlechtert, auch für Rollstuhlfahrer und Spaziergänger mit Rollator sei die Strecke gefährlich. Der Bezirksrat Misburg-Anderten hat nun auf Antrag der SPD hin einstimmig Nachbesserungen gefordert.

„Grober Stein liegt locker auf“

Baufirmen waren im Auftrag des WSA tätig geworden, weil sich auf den Wegen Spurrillen und bis zu zehn Zentimeter tiefe Schlaglöcher gebildet hatten. Das Ergebnis der Ausbesserung erfreut die Nutzer der bei Radfahrern und Spaziergängern beliebten Route überhaupt nicht. „Grober Stein liegt locker auf und bringt nicht nur Fahrräder zum Rutschen“, heißt es in dem Antrag der SPD. Dort zu fahren stelle gerade bei Dunkelheit eine nicht zu bewältigende Herausforderung dar. Außerdem laufe Wasser die Böschungen herab und werde nicht weiter in den Kanal abgeleitet.

Auch bei Martin Köther, Leiter des WSA Braunschweig, sind schon Beschwerden eingegangen. „Grundsätzlich handelt es sich bei den Wegen um unser Betriebsgelände. Der Hauptnutzungszweck ist, dass sie für unsere Dienstfahrzeuge befahrbar sind. Dafür geben wir Geld aus“, sagt er. Das Betreten der Wege sei vom Grundsatz her verboten, werde aber für Ausflügler auf eigene Gefahr freigegeben.

Nachbesserungen sind nicht ausgeschlossen

Für die Sanierungsarbeiten sind laut Köther Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich angefallen. Die Bauarbeiter haben die vorhandene Schicht abgefräst und eine neue aufgetragen. „Nicht auszuschließen ist, dass sich der Baustoff beim Transport oder während des Einbaus so verändert hat, dass gröberer Schotter oben gelandet ist und feinerer unten“, sagt er. Mitarbeiter des WSA werden sich seinen Angaben zufolge die Lage noch einmal vor Ort ansehen und möglicherweise Nachbesserungen veranlassen. Eines schließt der Amtsleiter aber aus: „Eine feine Schicht wie bei anderen Radwegen können wir nicht einbauen lassen.“ Dieses Material werde leicht weggeschwemmt, und es bildeten sich schnell neue Löcher.

In der Vergangenheit gab es immer einmal wieder Forderungen, die Wege wegen des regen Freizeitverkehrs asphaltieren zu lassen. Köther bestätigt, dass die Stadt mit einer entsprechenden Anfrage beim WSA vorstellig geworden ist. „Wir verhalten uns neutral“, sagt er, was bedeutet, dass das Amt das Ansinnen nicht aus eigener Kraft vorantreibt, aber auch nicht blockiert.

Asphaltierung würde finanziell gefördert

Für eine Asphaltierung gibt es allerdings Voraussetzungen. Die Stadt müsste einen entsprechenden Antrag stellen. Finanzieren könnte sie eine solche Maßnahme mit Fördergeld vom Bund, der Freizeitradverkehr unterstützt. Im günstigsten Fall erhielte sie 50 Prozent der anfallenden Kosten aus diesem Topf und müsste den Rest aus eigener Kasse beisteuern. Zweites Hindernis: Für den Ausbau des Mittellandkanals gab es seinerzeit einen Planfeststellungsbeschluss, der aus Naturschutzgründen keine Asphaltwege am Ufer vorsieht. Dieser müsste geändert werden.

Kommentar: Die Tücken des Wegerechts

Man kann darauf wetten: Jedes Mal, wenn das Wasser- und Schifffahrtsamt am Mittellandkanal Arbeiten durchführen lässt, gibt es hinterher Unzufriedenheit. Naturschützer beklagen regelmäßig Baum- und Gehölzschnitt, jetzt sind es Politiker, Radfahrer und Spaziergänger, die mit der Wegesanierung nicht einverstanden sind.

Das Problem liegt in den Tücken des Wegerechts und in der unterschiedlichen Sichtweise. Für das Braunschweiger Amt sind die Wege am Kanal in erster Linie Wirtschaftswege. Stadt und Region hingegen haben in den vergangenen Jahren sehr dafür getrommelt, dass die Kanalstrecke auch als Naherholungsgebiet und Radwanderstrecke wahrgenommen wird, Stichwort Blaues Band.

Einen Ausweg hat das Amt aufgezeigt. Stadt oder Region könnten Wege übernehmen und dann festlegen, wie sie ausgebaut werden. Das kostet Geld, klar. Aber man hätte eine Strecke, auf der sich Fußgänger und Radfahrer nicht um den Autoverkehr scheren müssen und auf der man schnell vorankommt. Das wäre nicht nur für Ausflügler interessant, sondern auch für Fahrradpendler.

Von Bernd Haase

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