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Aus der Stadt Wer folgt auf Hannovers Stadtbaurat Uwe Bodemann? Die Suche läuft
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Wer folgt auf Hannovers Stadtbaurat Uwe Bodemann? Die Suche läuft

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12:14 02.12.2019
Will im Juni gehen: Hannovers Stadtbaurat Uwe Bodemann, der die Innenstadt modernisiert, aber auch so manchen Ärger auf sich gezogen hat. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Viel Zeit bleibt nicht für die Suche nach Hannovers neuem Stadtbaurat. Im Juni will Uwe Bodemann auf eigenen Wunsch in den Ruhestand gehen, bis dahin muss die Stelle ausgeschrieben, die Nachfolgerin oder der Nachfolger gefunden und möglichst auch schon eingearbeitet sein. Hinter den Kulissen hat die Suche längst begonnen. Heiß gehandelt wurde Kiels Stadtbaurätin Doris Grondke (parteilos), die im August einen viel beachteten Vortrag über „Partizipatives Planen“ in Hannover gehalten hat. Inzwischen aber hat sie in Kiel viel Ärger wegen Baupfusch und -pannen, die teils unter ihren Vorgängern entstanden waren, dass einflussreiche Kreise dringend von ihr abraten.

Einflussreiche Mitglieder des Bund Deutscher Architekten hatten sich für sie stark gemacht: Die Kieler Stadtbaurätin Doris Grondke – hier bei der Einweihung des neuen Hörnebads an der Kieler Förde. Quelle: picture alliance / rtn - radio t

Formal hat nur der neue Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) das Vorschlagsrecht für den Dezernatsposten. Klar scheint aber, dass es niemand mit Grünen-Parteibuch sein darf: Schließlich haben schon jetzt die zwei wichtigsten Personen an der Stadtspitze diese Parteizugehörigkeit, außer Onay auch seine Stellvertreterin, die Erste Stadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette. Drei Grüne in den wichtigsten Positionen des Rathauses, das ist den Bündnispartnern SPD und FDP wohl nicht zuzumuten. Deshalb gilt es als ausgemacht, dass die Entscheidung auf jemanden mit zumindest Nähe zur SPD fällt.

Schwere Fehler

Hinter den Kulissen bringt der einflussreiche Bund Deutscher Architekten (BDA) Kandidaten ins Spiel – das hat in Hannover schon eine Art Tradition. BDA-Mitglieder hatten sich kürzlich für Doris Grondke aus Kiel starkgemacht. Ob sie aber tatsächlich die richtige Nachfolgerin ist, daran gibt es nun schon Zweifel. In Kiel musste Grondke sich in ihrer knapp zweijährigen Amtszeit von der Opposition drei schwere Fehler zurechnen lassen.

Zuletzt beschäftigte ein„Mörtelgate“ den Rat: Beim Bau des neuen ZOB-Parkhauses unter ihrer Aufsicht wurde zu schwacher Mörtel verwendet, Stützpfeiler sollen löchrig sein. Vorher gab es Ärger um mangelhafte Barrierefreiheit im neuen Kieler Hörnebad und um einen Bauzaun, der an der Ausflugspromenade Kiellinienoch jahrelang stehen muss – das erinnert an Hannovers seit fünf Jahren eingerüstetes Bauamt. Auch in Buchholz in der Nordheide, wo sie zuvor fünf Jahre Baudezernentin war, soll es zum Abschied geheißen haben: „Sie war uns lieb und vor allem teuer“ – wegen der vielen Gutachten, die sie in Auftrag gegeben hatte. Grondke, die aus Hannover stammt, wollte zu den Vorwürfen gegenüber der HAZ nicht detailliert Stellung nehmen, verweist aber darauf, dass das Hörnebad fertig geplant gewesen sei, als sie ihr Amt antrat, dass die Kiellinie schon seit vielen Jahren ein Problem sei und sie für Mörtelmischungen auf Baustellen nicht direkt zuständig sei.

Stadtbaurat in Hannover – ein Job mit Würde

Die Position an der Spitze des Baudezernats gilt in der Leinestadt als etwas besonders Würdevolles mit hoher Kontinuität. Nach dem Krieg hat es bisher erst vier Stadtbauräte gegeben: Nach der Wiederaufbauikone Rudolf Hillebrecht (Stadtbaurat von 1948 bis 1975) waren nur Hanns Adrian (1975 bis 1993), Uta Boockhoff-Gries (1993 bis 2008) und zuletzt seit 2008 Uwe Bodemann im Amt.

Bodemann hat vor allem die Modernisierung der Innenstadt vorangebracht und zuletzt den über Jahre vernachlässigten Wohnungsbau vorangetrieben. Er ist aber nicht unumstritten. Im Umgang mit Bauherren, Architekten und Investoren gilt er vielfach als aufbrausend. Zudem haben die Organisationsschwächen in seiner Behörde dem Ruf der Stadt stark geschadet, weil Baugenehmigungen zu lange dauerten. Viele nehmen es ihm auch übel, dass ausgerechnet er in der Position als oberster Stadtgestalter gar nicht in Hannover wohnt: Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit hat er seine Zweitwohnung in der Calenberger Neustadt aufgegeben und fährt allabendlich zurück in seine Wahlheimat Bremen.

Seit fünf Jahren eingerüstet: Das Bauamt am Rudolf-Hillebrecht-Platz. Quelle: Tim Schaarschmidt (Archiv)

Bodemanns Stellvertreterposten ist auch noch vakant

Seit Bodemanns Stellvertreter Michael Heesch im April in den Ruhestand gegangen ist, ist auch diese Stelle vakant. Als Favorit für die Neubesetzung des B2-Postens hatte sich der 43-jährige Thorsten Warnecke durchgesetzt, der bei der Stadt Braunschweig den Bereich Stadtplanung und Umweltschutz leitet. Eine Frau aus der Führungsebene in Hannovers Bauverwaltung aber hielt sich für besser qualifiziert und focht die Stellenbesetzung mehrfach an. Das juristische Ringen um die Heesch-Nachfolge läuft noch. Auch das wird den Neustart für Bodemanns Nachfolge nicht einfacher machen.

Bodemann schon auf Abschiedstour

Beim Empfang Architektur & Politik, zu dem die Architektenkammer am Mittwochabend eingeladen hatte, hieß es am späteren Abend jedenfalls, dass Grondke vielleicht noch nicht der Weisheit letzter Schluss sei. Man wolle weitersuchen. Bodemann hatte die Veranstaltung mit den Worten eingeleitet, es sei das letzte Mal, dass er sie als Hausherr im Bauamt eröffne. Diesen Satz wird er in den nächsten Monaten häufiger sagen.

Korrekturhinweis

In der Ursprungsversion dieses Textes hat es geheißen, Doris Grondke sei SPD-Mitglied. Diese Information ist falsch, Frau Grondke ist parteilos. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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