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Aus der Stadt Werte und Normen wird reguläres Fach – Eltern in Hannover freuen sich
Hannover Aus der Stadt

Werte und Normen an Grundschulen: Eltern und Schulleiter unterstützen Vorstoß von Kultusminister Tonne

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15:08 31.10.2019
An der Grundschule Am Stöckener Bach wird schon seit 2017 Werte und Normen auch für Erstklässler angeboten. Quelle: Clemens Heidrich (Archiv)
Hannover

Der Vorstoß von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD), Werte und Normen ab 2025 als reguläres Fach für alle 1700 Grundschulen in Niedersachsen anzubieten, stößt bei Eltern und Schulleitern in Hannover auf breite Zustimmung.

Immer mehr Familien sind konfessionslos

„Endlich“, sagt Frank Post, Schulleiter der Grundschule Fuhsestraße in Leinhausen. Die Schule gehört zu den 40 Schulen landesweit, an denen noch bis Ende dieses Schuljahres ein entsprechender Modellversuch läuft. „Wir brauchen an unseren Schulen ein Angebot für Kinder, die entweder keiner Konfession oder nicht den christlichen Glaubensgemeinschaften angehören“, sagt Post. Denn deren Anteil wachse ständig. Es sei Zeit, dass Werte und Normen dem Religionsunterricht gleichgestellt werde. Schüler ohne Konfession müssten nicht mehr betreut werden, während andere Religionsunterricht hätten.

Warum feiern wir Weihnachten und Ostern?

Auch Melanie Vitrani, Vorsitzende des Schulelternrates der Grundschule Am Stöckener Bach, die zu den Modellschulen der ersten Runde zählt, lobt den Plan Tonnes. Es sei wichtig, dass auch an Grundschulen Ethik und Religion au dem Stundenplan stehe. „Es ist wichtig, dass Kinder wissen, warum wir bestimmte Feste wie Weihnachten oder Ostern feiern.“

Auch Schulleiterin Hille Wittenberg findet ethische Bildung im Primarbereich wichtig, bis 2025 müsse aber auch die Lehrerausbildung nachziehen. Bislang kann man Werte und Normen nur als Fach für weiterführende Schulen studieren, das müsse jetzt auf die Grundschulen ausgeweitet werden.

Ausgebildete Fachlehrer gibt es noch nicht

Genau das hat Minister Tonne auch angekündigt. Zunächst sollen Lehrer weitergebildet werden, die dann später als Fachberater arbeiten könnten. Noch fehlen Schulbücher und verbindliche Lehrpläne für das Alternativfach, die müssen in den nächsten Jahren ebenfalls entwickelt werden. Schulleiterin Wittenberg plädiert dafür, das Material, das an den Modellschulen benutzt wurde, für die Übergangszeit über ein Portal allen anderen Grundschulen zur Verfügung zu stellen.

Stadt- und Landeselternrat unterstützen Vorhaben

Auch beim Stadtelternrat freut man sich darüber, dass Werte und Normen jetzt ordentliches Unterrichtsfach wird. „Das ist als positiv und sinnvoll zu sehen, gerade vor dem Hintergrund, dass mehr konfessionslose oder nicht dem christlichen Glauben angehörende Kinder beschult werden“, schreiben die Vorstandsmitglieder Sonja Otto, Michael Jürgens und René Weiske. „In Werte und Normen können generelle Werte, die religionsübergreifend vorhanden sind, vermittelt werden. Dieses ist unserer schnelllebigen, fordernden, oft reizüberfluteten Welt als wichtig zu erachten, um das Fundament für ein gutes, friedliches Miteinander unabhängig von Nationalität, Konfession und so weiter früh zu legen.“

Auch der Landeselternrat lobt Tonnes Vorstoß. Zum einen wachse der Anteil konfessionsloser Schüler – laut Kultusministerium gehört bereits ein Viertel der Schüler keiner Glaubensgemeinschaft mehr an, 1985 waren es nur 6 Prozent – zum anderen veränderten sich Wertevorstellungen in einer Gesellschaft ständig. Das Alternativfach könne Kindern Orientierungshilfe bieten, sagt Mike Finke, Vorsitzender des Landeselternrates.

Ein Fach „Ethik für alle“?

Hinter vorgehaltener Hand wird an vielen Grundschulen in der Stadt der Ruf nach einem gemeinsamen Ethikfach für alle Kinder einer Klasse statt nach Konfessionen getrennter Religionsunterricht laut. Die Abschaffung des Religionsunterricht ist laut Tonne aber nicht geplant. Religion oder ersatzweise Werte und Normen ist neben Sport das einzige Nebenfach, das Schüler von Klasse 1 durchgehend bis Klasse 13 haben müssen und nicht abwählen können.

Die meisten Grundschüler haben evangelische Religion

Wer einer Religionsgemeinschaft angehört, ist grundsätzlich verpflichtet, am Religionsunterricht dieser Glaubensmeinschaft teilzunehmen, es sei denn er meldet sich schriftlich ab. Ab 14 Jahren entscheiden Kinder selbst, an welchem Religionsunterricht oder Ersatzangebot sie teilnehmen. Vorher ist es Sache der Eltern. Generell muss Religionsunterricht an einer Schule angeboten werden, wenn mindestens zwölf Schüler dieser Glaubensrichtung angehören. Das gilt ab 2025 auch für Werte und Normen. Wenn ein Kind nicht am Religionsunterricht teilnimmt, muss es am Alternativfach teilnehmen. In der gymnasialen Oberstufe kann als Ersatz auch Philosophie angeboten werden. Ein Ersatzfach Ethik für Grundschüler gibt es bislang in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen. Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Im vergangenen Schuljahr nahmen knapp 50 Prozent der Grundschüler am evangelischen Religionsunterricht teil, 31,5 Prozent am konfessionell-kooperativen Religionsunterricht, 8,3 Prozent am katholischen Religionsunterricht und 1 Prozent am islamischen Religionsunterricht.

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