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Aus der Stadt Ärger um Elektrogroßgeräte
Hannover Aus der Stadt Ärger um Elektrogroßgeräte
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00:21 12.01.2019
Im September 2016 wurde die großzügige Anlage des Wertstoffhofes in der Tiestestraße nach langer Sanierung wieder in Betrieb genommen. Quelle: Mathias Klein
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Hannover

„Das ist grober Unfug“: In ungewöhnlich scharfer Form hat der Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Südstadt-Bult, Lothar Pollähne, den Abfallwirtschaftsbetrieb Aha kritisiert. Grund ist die seit dem 1. Dezember geltende Regelung, dass elektronische Großgeräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen auf dem Wertstoffhof an der Tiestestraße nicht mehr angenommen werden.

„Die neuen Regeln sind unmöglich“, sagte Pollähne in der jüngsten Bezirksratssitzung. Erst vor Kurzem sei der Wertstoffhof lange geschlossen gewesen, um dann für viel Geld saniert zu werden. „Jetzt haben wir einen schönen neuen Wertstoffhof, können hier aber einen Teil der Geräte nicht mehr abgeben“, kritisiert der Sozialdemokrat

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Pollähne hatte sich nach Bekanntwerden der Neuregelung den Wertstoffhof nach eigenen Angaben noch einmal gründlich angesehen. Das Argument von Aha, dass dort zuwenig Platz für einen zusätzlichen Container für die elektronischen Großgeräte sei, kann er nicht nachvollziehen. „Platz für einen Container ist auf jeden Fall vorhanden“, sagt er.

Ein Mitarbeiter von Aha habe ihm empfohlen, die Großgeräte künftig auf den Wertstoffhof nach Hannover-Linden zu bringen, dort würden sie weiterhin angenommen. Dabei habe er – wie viele andere Südstädter auch – gar kein Auto,um eine derartige Last zu transportieren, sagt der Bezirksbürgermeister. Er habe daher bisher ausgediente oder defekte Elektrogroßgeräte mit einem Handkarren zur Tiestestraße gebracht. „Und auch mit einem Auto müsste ich zum Beispiel von Döhren durch die halbe Stadt kurven.“ Der Wertstoffhof Tiestestraße habe einen sehr großen Einzugsbereich in einem Gebiet mit besonders vielen Wohnungen, betont der Bezirksbürgermeister. Deshalb müssten die Einschränkungen wieder zurückgenommen werden, verlangt er.

Seit dem 1. Dezember werden große Elektrogeräte in Hannover und im Umland nur noch auf den Deponien in Hannover-Lahe, Burgdorf und Wunstorf-Kolenfeld sowie an den Wertstoffhöfen an der Schörlingstraße in Linden, in Bissendorf und in Sehnde angenommen. Aha-Geschäftsführer Thomas Schwarz hatte das im November mit einer neuen gesetzlichen Regelung begründet. Demnach dürften die Geräte nicht mehr in gemischten Behältern gesammelt werden. Daher müssten auf jedem Wertstoffhof zehn unterschiedliche Behälter aufgestellt werden. Dies sei aber aus Platzgründen nicht auf allen Wertstoffhöfen möglich, sagt Unternehmenssprecherin Helene Herich.

Eine Änderung der seit Anfang Dezember geltenden Regelung sei nicht geplant, betont die Aha-Sprecherin – weil die Platzverhältnisse nun einmal nicht ausreichten. Elektrokleingeräte, Fernsehgeräte, Bildschirme und Computer könnten aber weiterhin auf allen Wertstoffhöfen abgegeben werden, fügt Herich hinzu.

Sie weist darüber hinaus auf die im Gesetz vorgesehene kostenlose Rücknahmeverpflichtung des Handels beim Neukauf von Großgeräten hin. Allerdings böten die Händler diesen Service selten von sich aus an sondern müssten darauf angesprochen werden.

Bezirksbürgermeister Pollähne will dennoch keine Ruhe geben. Er werde bei jeder Gelegenheit auf dieses Thema aufmerksam machen, kündigt er an.

Kommentar: Bürgerfreundliche Lösung ist nötig

Müssen defekte Waschmaschinen aus der Südtstadt tatsächlich quer durch die Stadt gefahren werden? Die Lage auf dem Wertstoffhof in der Tiestestraße, der die Annahme von Elektro­großgeräten verweigert, ist verzickt: Der Abfallwirtschaftsbetrieb Aha beruft sich auf neue gesetzliche Vorschriften und sieht keine Möglichkeit mehr, an der Tiestestraße – wie auch auf vielen anderen Wertstoffhöfen – ausgediente Großgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen oder Herde anzunehmen. Laut den neuen Vorgaben seien dafür jetzt zehn zusätzliche Container auf jedem Wertstoffhof nötig.

Klar, dass das aus Platzgründen nicht überall funktioniert. Aber vielleicht hat Aha das Thema noch nicht ganz zu Ende gedacht. Gibt es für die Tiestestraße nicht doch eine Lösung, die Bürgern nicht abverlangt, den Elektroschrott ans andere Ende der Stadt zu bringen? Und was ist mit den zahlreichen Anwohnern, die gar kein Auto besitzen? Sollen die jetzt die alte Waschmaschine mit Handkarren per Bus und Stadtbahn zur Schörlingstraße in Linden kutschieren?

Darf ein Kühlschrank nicht für ein paar Stunden oder auch ein paar Tage neben einer Waschmaschine stehen? Bestimmt gibt es eine bürgerfreundlichere Lösung, die auch den gesetzlichen Ansprüchen genügt. Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne hat angekündigt, so oft auf das Problem hinzuweisen, bis es gelöst ist. Wenn das nicht hilft, ist es ein Fall für die Regionspolitik.

Von Mathias Klein

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