Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Diebe in Badenstedt mögen Radkappen
Hannover Aus der Stadt Diebe in Badenstedt mögen Radkappen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 17.11.2018
Im Bezirk Linden-Limmer konzentriert sich eine Vielzahl der Straftaten auf die Limmerstraße. Quelle: Philipp Von Ditfurth (Archiv)
Westliche Stadtteile

In Linden-Limmer konzentriert sich eine Vielzahl an Straftaten auf die Limmerstraße bis zum Faustgelände, im Bezirk Ricklingen geschehen die meisten Delikte nicht immer in den bevölkerungsreichsten Stadtteilen und Diebe in Badenstedt haben offenbar eine Vorliebe für Radkappen: Stadt und Polizei haben jetzt eine detaillierte Stadtteilstatistik vieler Deliktfelder veröffentlicht, die zwischen 2013 und 2017 in Hannover geschehen sind. „Es ist richtig gut, dass es jetzt die gesamten Zahlen gibt“, sagt Rainer Göbel (SPD), Bezirksbürgermeister von Ahlem-Badenstedt-Davenstedt.

Zwar besticht sein Bezirk vor allem dadurch, dass er so wenige Straftaten wie kein anderer vorzuweisen hat. „Jetzt können wir gewissen politischen Richtungen noch besser deutlich machen, dass es in den Stadtteilen gar nicht so kriminell ist“, sagt Göbel. In Davenstedt gab es 2017 beispielsweise keinen einzigen Straßenraub. Allerdings zeigt die Statistik auch, dass in kleinem Maßstab vor allem Badenstedt im Stadtteilvergleich hervorsticht. Durchschnittlich jährlich 945 Straftaten geschehen dort, in Ahlem sind es 732 und in Davenstedt 521. Besonders häufig gab es im Bezirk Diebstähle. „Allerdings handelte es sich bei etwa einem Drittel um einen einfachen Diebstahl zum Beispiel von Kennzeichen und Radkappen“, heißt es im Sicherheitsbericht.

Die Statistik soll die Transparenz erhöhen und Gelegenheit geben, in den Dialog für weitere Maßnahmen zu treten. Polizeipräsident Volker Kluwe äußerte bei der Präsentation den Wunsch nach Präventionsräten auf Bezirks- und Stadtteilebene. „Niemand kann die Probleme alleine lösen“, sagte er. Andreas Markurth (SPD), Bezirksbürgermeister von Ricklingen, will die Zahlen in die Gremien mitnehmen – vom Bezirksrat bis hin zu Arbeitsgemeinschaften und Vereinen. „Dort überall ist Sicherheit schon immer ein Thema, über das wir jetzt besser diskutieren können“, so Markurth.

In seinem Bezirk entfallen 80 Prozent der Straftaten auf Ricklingen, Oberricklingen und Mühlenberg. Auffallend dabei: In Wettbergen leben im Bezirk genauso viele Menschen wie in Ricklingen (jeweils 28,5 Prozent), doch dort war die Kriminalität 2017 mit 390 Taten deutlich geringer (Ricklingen: 1329). Auch der soziale Brennpunkt Mühlenberg sticht gar nicht so sehr heraus. Einzig bei Körperverletzungen lag er mit 130 Taten 2017 nur geringfügig hinter Ricklingen (134). Beim Thema Drogen sind beide Stadtteile mit 74 Delikten gleichauf.

In Linden-Limmer zeigt sich, dass dort viele Feierlustige unterwegs sind. Gerade entlang der Limmerstraße bis zum Faustgelände gab es seit 2013 durchschnittlich 52 Raubdelikte, 564 Körperverletzungen und 830 Sachbeschädigungen pro Jahr. Linden-Mitte wiederum hatte mit Diebstählen zu kämpfen. „Es wird jetzt spannend, daraus Trends zu erkennen“, sagt Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube (Grüne). Wichtig sei vor allem das subjektive Sicherheitsgefühl der Bewohner, das oft nicht mit der Zahl der Straftaten übereinstimme. Grube: „Wenn sich die Leute nicht sicher fühlen, müssen wir gucken, woran das liegt.“

Kommentar: Gefühlte und reale Sicherheit

Die gute Botschaft zuerst: Hannovers Stadtteile sind sicherer, als mancher denkt. Gewaltkriminalität konzen-triert sich offenkundig auf die Innenstadt. 2074 Taten im Bereich Körperverletzung weist die aktuelle Kriminalstatistik durchschnittlich pro Jahr im Bezirk Mitte aus – gerechnet auf die Jahre 2013 bis 2017. Im Sahlkamp sind es 135 solcher Delikte, in Davenstedt 59, in Waldheim lediglich 5.

Eine Bürgerbefragung, die die Stadtverwaltung vor Kurzem zum Thema Sicherheit und Ordnung durchgeführt hat, scheint diese Zahlen zu bestätigen: 85 Prozent der befragten Hannoveraner fühlen sich in ihrem Stadtteil sicher. Am größten ist das Unsicherheitsgefühl in der City. Allerdings weist Ordnungsdezernent Axel von der Ohe derzeit in allen Bezirksräten darauf hin, dass das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger zum großen Teil durch Vorkommnisse geprägt wird, die nicht als kriminelle Handlungen gelten. Zum Beispiel durch Trinkergruppen in der Öffentlichkeit oder lärmende Jugendliche. Unter anderem deshalb gibt es in manchen Gegenden große Differenzen zwischen der Statistik und dem Sicherheitsempfinden. Dennoch muss man die Wahrnehmung der Bürger ernst nehmen. Denn ein Gefühl der Sicherheit gehört zur Lebensqualität in einer Stadt.

Auch wenn die Ergebnisse teilweise auseinanderklaffen – die erstmals auf Stadtteilebene aufgeschlüsselte Kriminalitätsstatistik und die Bürgerbefragung zum subjektiven Sicherheitsgefühl haben mindestens eines gemeinsam: Sie sind wertlos, wenn die gesammelten Daten nicht genau analysiert werden – und sinnlos, wenn keine Handlungen daraus folgen.

Von Peer Hellerling

Der Bezirksrat fordert bessere Nutzungsmöglichkeiten an Ladestationen – rund um die Uhr und ohne Vertragsbindung. Die City soll gegenüber dicht besiedelten Stadtteilen nicht bevorzugt werden.

13.12.2018

Jährlich schließen Fleischereien in der Stadt, nur wenige Traditionsbetriebe haben überlebt. Christian Reich hat mit seinem Konzept in der List Erfolg. Sein Geschäft wird es in einigen Jahren trotzdem nicht mehr geben.

18.11.2018

Hannover kann viele große Namen vorweisen, wenn es um Unternehmen geht. Doch wie gut stehen die Firmen mit ihren Umsatzzahlen dar? Die Übersicht zeigt die 25 größten Unternehmen in Hannover und der Region.

17.11.2018