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Aus der Stadt HAZ-Forum zur Pflegekammer: Nur in einem Punkt herrscht Einigkeit
Hannover Aus der Stadt HAZ-Forum zur Pflegekammer: Nur in einem Punkt herrscht Einigkeit
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22:17 25.02.2019
Das HAZ-Forum zur Pflegekammer: Burkhardt Zieger vom Berufsverband für Pflegeberufe, Pflegekammer-Präsidentin Sandra Mehmecke, Krankenpfleger Wolfgang Heibuch und Altenpflegerin Juna Kollmeyer. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

Etwa 3000 Pflegekräfte hatten sich Anfang des Monats auf dem Opernplatz versammelt. Sie demonstrierten mit Slogans wie „Wir Pflegende werden gebeutelt bis auf die Knochen“ gegen die Pflegekammer. Der Ärger richtet sich gegen diese noch recht junge Institution: Mitgliedschaft und die Beiträge sind für alle Beschäftigen in der Pflege verpflichtend. Am Montagabend war das Thema beim HAZ-Forum, der Diskussionsveranstaltung zwischen unseren Lesern und Experten.

Schwerer Fehler vor Weihnachten

Schnell herrschte in der Diskussion Einigkeit darüber, dass die junge Pflegekammer kurz vor Weihnachten einen schweren Fehler gemacht hat: Sie schickte Beitragsbescheide an alle Mitglieder, denen 70.000 Euro Bruttojahreseinkommen zugrunde lag. War die Kammer schon vorher umstritten, formulierte sich von da an breiter Protest gegen Zwangsmitgliedschaft und Pflichtbeiträge. „Das verbuche ich unter Anlaufschwierigkeiten“, sagte auf dem HAZ-Podium Burkhardt Zieger, Chef des Pfleger-Berufsverbandes. Durch ihren Protest machten die Pfleger klar, dass sie politische Menschen sind und ihre Interessen öffentlich vertreten.

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„Zwang kann nicht der Weg sein“

„Der Zwang der Pflegekammer kann nicht der Weg sein“, erklärte dagegen Krankenpfleger Wolfgang Heibuch, einer der Organisatoren der Demonstration. Auch Altenpflegerin Juna Kollmeyer lehnt die Kammer grundsätzlich ab: „Wir brauchen keine dekorativen Veränderungen, die die Kammer will, sondern echte Veränderungen.“ Statt über eine Kammer sollten Pfleger über „die wirklichen Probleme reden: die Arbeitsbedingungen und die Frage des Gehaltes“.

Weiterlesen: Zwangsmitgliedschaft: Pfleger ärgern sich über eigene Lobby

Kammerpräsidentin Sandra Mehmecke bekam viel Kritik zu hören, hatte aber auch viele Unterstützer im Publikum. Sie glaubt, dass die Kritiker in der Minderheit sind. Die große Mehrheit der Pfleger wolle sich dagegen politisch einbringen.

Wofür verwendet die Kammer das Geld

Mehmecke hatte allerdings Probleme zu erklären, wofür das Geld der Pfleger verwendet wird. Eine Frau im Publikum ärgert sich: „Mir hat nie jemand erklärt, welche Leistung ich eigentlich für mein Geld bekomme.“ Eines der Probleme, das auch Burkhardt Zieger, der Chef des Pfleger-Berufsverbandes sieht, sei die fehlende Anschubfinanzierung durch das Land. Er begrüßte den Vorschlag der Grünen, dass das Land die Kosten nachträglich übernimmt.

Weiterlesen: Regierung hält trotz Protesten an Pflegekammer fest

Auch bei der Frage, ob es überhaupt eine Kammer braucht, kamen sich Gegner und Befürworter keinen Schritt näher. Aus dem Publikum kam auch Kritik an den Kritikern: „Welche Idee haben Sie denn? Welche Organisation soll Ihre Belange vertreten?“, fragt eine Frau.

„Wie wird die Pflege menschlicher?“

Eine weitere Zuhörerin stellt die grundsätzliche Frage: „Die Bundesregierung hat die Pflege an die Wand gefahren. Ich bin nicht bereit, nur einen Penny dazu zu bezahlen. Was tut die Kammer, dass wir wieder eine menschliche Pflege erhalten?“

Am Ende stellt Sedelies an das Podium die Frage, wie die Pflege in zehn Jahren organisiert ist. Befürworter und Gegner haben sich laut den Antworten selbst dann nicht bewegt. Mehmecke und Zieger setzen auf eine starke Pflegekammer. Heibuch und Kollmeyer hoffen dagegen auf eine freiwillige Organisation. Die Fronten bleiben verhärtet. Die Gegner haben für den 23. März bereits die nächste Demo gegen die Pflegekammer in Hannover angekündigt.

Das HAZ-Forum im Video:

Die Debatte im Liveticker zum Nachlesen:

Von red