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Aus der Stadt Tellkampfschule erhält Preis für Gedenkzeremonie
Hannover Aus der Stadt Tellkampfschule erhält Preis für Gedenkzeremonie
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14:24 17.03.2019
Marktkirchenpastorin Hanna Kreisel-Liebermann eröffnet im Regionshaus die Woche der Brüderlichkeit. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Zum Auftakt der Woche der Brüderlichkeit in Hannover ist die Tellkampfschule am Sonntag im Regionshaus ausgezeichnet worden. Sie erhielt die Abraham-Plakette von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Die Schule richtet jedes Jahr im Mai die Gedenkzeremonien an der Geibelbastion am Maschsee aus, um an die Bücherverbrennung 1933 zu erinnern. In mehreren Reden würdigten Vertreter von Stadt- und Regionsverwaltung das Engagement der Schüler. „Bildung ist der allerbeste Schutz gegen Fremdenfeindlichkeit“, sagte Michael Blume, Antisemitismus-Beauftragter von Baden-Würtemberg, in seinem Festvortrag. Die Veranstaltung im Regionshaus besuchten rund 200 Zuhörer.

Motto: Gemeinsam gegen Judenfeindschaft

Die Woche der Brüderlichkeit ist seit mehr als 50 Jahren eine Institution in Deutschland. Sie dient dazu, Brücken zwischen den Religionen und Kulturen zu schlagen. In diesem Jahr lautet das Motto: „Mensch, wo bist du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“. Zum bundesweiten Auftakt der Veranstaltungsreihe hielt Bundespräsident Frank Walter Steinmeier kürzlich in Nürnberg eine Rede.

In Hannover erinnert Marktkirchen-Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann daran, dass sich das Motto auf eine Stelle in der Bibel bezieht. „Der erste Mensch wird gerufen, nachdem er vom Apfel gegessen hat. Aber er versteckt sich“, sagt Kreisel-Liebermann. So wie sich der erste Mensch am Ende doch noch bekennen musste, so seien auch die heutigen Menschen aufgerufen, Position zu beziehen – angesichts von Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung.

Neuer Lernort zeigt NS-Geschichte in Hannover

Bürgermeister Thomas Hermann meint, dass auch in Hannover antisemitische Beleidigungen zugenommen hätten. Innerhalb der jüdischen Gemeinden ist das durchaus umstritten. Hermann bricht zugleich eine Lanze für den neuen Lernort im Rathauskontor gegenüber dem Rathaus. Dort sollen Jugendliche erfahren, wie es war, in Hannover unterm Hakenkreuz zu leben.„Aus dem Wissen über die Vergangenheit müssen wir Lehren für die Zukunft ziehen“, sagt Hermann.

Abstruse Verschwörungstheorien

In seinem Festvortrag führt Religionswissenschaftler Blume den Zuhörern vor Augen, welch abstruse antisemitische Verschwörungstheorien zum Teil kursieren, etwa: „Die IS-Terroristen werden vom israelischen Geheimdienst Mossad gesteuert.“ Oder: „Vor den Anschlägen am 11. September haben alle Juden das World Trade Center verlassen.“ Der Hass werde nie satt, sagt Blume, und Antisemitismus breite sich auch dort aus, wo keine Juden leben, etwa im Irak. „Der Antisemitismus zerstört den Nahen Osten, so wie er einst Europa zerstört hat“, sagt Blume.

Am 10. Mai werden die Schüler der Tellkampfschule erneut an die Verbrennung von Büchern erinnern, deren Autoren den Nazis nicht genehm waren. „Unsere Gedenkfeier ist nicht jedes Jahr gleich“, sagt Tellkampfschüler Marcus Ziebell in einer kurzen Ansprache. Man arbeite in den 10. Klassen immer neue Konzepte aus und stimme dann darüber ab, welches am gelungensten sei.

Von Andreas Schinkel

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