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Aus der Stadt Bürger befürchten hohe Mieten auf Bumke-Gelände
Hannover Aus der Stadt Bürger befürchten hohe Mieten auf Bumke-Gelände
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06:00 15.03.2019
Bisher Gewerbe, zukünftig Wohnen: Hinterhöfe und Gebäude des Großhändlers Bumke am Engelbosteler Damm.
Bisher Gewerbe, zukünftig Wohnen: Hinterhöfe und Gebäude des Großhändlers Bumke am Engelbosteler Damm. Quelle: Samantha Franson
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Nordstadt

Das geplante neue Wohnquartier am Engelbosteler Damm bewegt die Gemüter. Angesichts von steigenden Mietpreisen und Hausverkäufen in der Nordstadt haben einige Bürger in der Einwohnerfragestunde des Bezirksrats Nord ihre Sorgen formuliert. Das Theo Gerlach Wohnungsbau-Unternehmen hat das Gelände des Großhandels Hermann Albert Bumke an Engelbosteler Damm sowie Oberstraße gekauft und will es zu einem Wohnviertel umgestalten.

„Was tut die Stadtverwaltung, damit es nicht auch auf dem Bumke-Gelände und anderen Gebieten zu Quadratmeterpreisen wie an der ehemaligen Landesfrauenklinik kommt“, fragt Ute Wieners von der Initiative „Bumke selber machen“. Dort liegt der aufgerufene Kaufpreis der Eigentumswohnungen teils bei 7358 Euro pro Quadratmeter, ein Spitzenwert in Hannover. Sie fordere Konsequenzen von der Politik, betont Tanja Beck von der gleichen Gruppe. Sie habe selbst jahrelang keine bezahlbare Wohnung gefunden. Mitstreiter Marc Rosin fragt nach einer Mietpreisbremse und schlägt ein autofreies Wohnquartier vor.

Wie lassen sich Mietpreise im Zaum halten?

Eine Erhaltungs- und Milieuschutzsatzung für die Nordstadt fordert Fokko Brants, ebenfalls von der Initiative. „Damit unser liebenswertes Viertel geschützt wird“, erklärt der Nordstädter. Elena Brauer aus der Oberstraße ergänzt, es gehe den Aktivisten beileibe nicht um eine Abschottung des Viertels. „Es sollen ja ruhig Leute dazu ziehen. Aber wir möchten auch bleiben.“

Die Fraktion Die Linke im Bezirksrat Nord hat sich mit der Frage an die Stadt gewandt, wie sich zukünftige Mietpreise auf dem Bumke-Gelände dämpfen lassen. „Viele Bürger befürchten, dass die Wohnungen für Normalverdiener und Leistungsempfänger nicht bezahlbar sein werden und zusätzlich preissteigernd auf das Wohnumfeld wirken“, erklärt Bezirksratsherr Fares Rahabi.

Stadt will 30 Prozent geförderten Wohnraum

Mit dem Bebauungsplan will die Stadt Wohnnutzung statt Gewerbe und die Höhe der Gebäude festlegen. Der erste Schritt dazu, der Aufstellungsbeschluss, ist bereits getan. Parallel schließt die Verwaltung einen städtebaulichen Vertrag mit dem neuen Eigentümer. Darin verpflichtet sich der Bauherr, für 30 Prozent der neuen Wohnungen Wohnungsbauförderung zu beantragen. Diese Quote hat der Rat im Dezember 2018 beschlossen. Für solche öffentlich geförderten Wohnungen gilt eine Mietpreisbremse, deren Laufzeit im städtischen Förderprogramm 10 oder 15 Jahre beträgt. „Für weitergehende Eingriffe in privatrechtliche Miet- oder Kaufverträge bietet das Baugesetzbuch keine Rechtsgrundlage“, erklärt Stadtbezirksmanager Stephan Kaczmarek.

„Das ist ja mager“, murmelt ein Zuhörer. SPD-Fraktionschef Robert Nicholls streicht jedoch die Vorteile neuer Wohnungen heraus. „Es ist doch auch die Frage, inwieweit durch das zusätzliche Schaffen von Wohnraum der Druck auf dem Wohnungsmarkt abgemildert wird.“ Im Rat lehne Die Linke Wohnungsbau jedoch regelmäßig ab, stichelt Ratsherr Nicholls.

Infoabend läuft am 25. März

Ende Januar hat Gerlach Wohnungsbau eine Bürgerbeteiligung am Abend selbst verschoben, weil zu viele Menschen vor der Tür bleiben mussten. Die Veranstaltung über das neue Quartier auf dem Bumke-Gelände wird jetzt am Montag, 25. März, nachgeholt. Sie startet um 18 Uhr in der Christuskirche am Conrad-Wilhelm-Hase-Platz 1. Einlass ist ab 17.30 Uhr am Eingang Nordportal direkt am Engelbosteler Damm.

Von Bärbel Hilbig