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Zoo Hannover Aufschwung und Sanierungsstau: Hannover ist ein Zoo der zwei Welten
Hannover Aus der Stadt Zoo Hannover Aufschwung und Sanierungsstau: Hannover ist ein Zoo der zwei Welten
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21:30 28.01.2011
Zoo-Chef Klaus-Michael Machens soll aufhören. Quelle: Christian Burkert

1,6 Millionen Besucher, 29 Prozent mehr als im Vorjahr – Rekord. 128.640 verkaufte Jahreskarten, so viele wie noch nie. Umsatzsteigerung gegenüber 2009 um 33 Millionen Euro oder 46,8 Prozent. 316 Vollzeitarbeitsplätze. Der Erlebniszoo Hannover ist mit der Fertigstellung der Polarlandschaft Yukon Bay im Jahr 2010 in neue Dimensionen vorgestoßen. Dennoch soll Zoochef Klaus-Michael Machens nach den Plänen von Regionspräsident und Zoo-Aufsichtsratschef Hauke Jagau im November gehen. Begründung: Machens habe mit 65 Jahren die Altersgrenze erreicht und der Zoo einen immensen Sanierungsstau aufgebaut. Den müsse nun ein Jüngerer abtragen.

Tatsächlich hat Machens schon seit Längerem einen sogenannten Masterplan in Vorbereitung, aus dem hervorgehen soll, wo in den kommenden Jahren im Zoo nachgebessert werden muss. Denn ungeachtet der enormen Investitionen in die sogenannten Erlebniswelten wie Sambesi, Dschungelpalast oder Yukon Bay sowie in die Kinderlandschaft Mullewapp ist an anderer Stelle manches liegen geblieben – trotz 111,9 Millionen Euro, die in den vergangenen 16 Jahren in den Zoo gesteckt worden sind.

So kommt es, dass ein Gang durch Hannovers Zoo derzeit ein bisschen einem Wandeln zwischen zwei Welten gleicht. Der einen, alten Zoowelt von vor 20 Jahren nämlich, in der Tiere in zu kleinen Gehegen gehalten wurden, in denen überdies der Putz abplatzt. Und der neuen, machensschen Erlebniswelt, deren monströses Ambiente zwar hier und da die Tiere beinahe zu Beiwerk geraten lässt, aber fast immer auch bessere Haltungsbedingungen bedeutet – von der enorm gestiegenen Attraktivität für Besucher ganz zu schweigen.

Manche Bereiche, so scheint es, haben Zooleitung und Besucher beinahe schon vergessen. Etwa die Vogelvolieren hinter der gastronomischen Bauernsiedlung „Meyers Hof“. Ein bisschen verschämt weist hinter den Häusern ein mittelgroßes Holzschild auf einen Geier hin, dabei wohnen um die Ecke auch ausgewachsene Weißkopf-Seeadler, Weißstörche und Gänse. Weil aber deren Habitat von den Modernisierungsanstrengungen des Zoos bisher noch nicht erfasst worden ist, fristen die an sich beeindruckenden Vögel hier noch ein trostloses Dasein. Wann dem ein Ende bereitet wird, steht sicher im Masterplan.

Recht auf Gleichbehandlung

Zoo-Geschäftsführer Klaus-Michael Machens fühlt sich fit, so fit, dass er gern noch weiterarbeiten möchte. Er habe keineswegs vor mit 65 Jahren in Rente zu gehen, hatte er am Donnerstagabend am Rande einer Preisverleihung für seine unternehmerischen Leistungen gesagt. „Wer mit mir über Alter reden will, den lade ich gerne dazu ein, das im Rahmen eines Zehnkilometerlaufes mit mir zu diskutieren“, sagte er außerdem. Regionspräsident Hauke Jagau hatte die Nichtverlängerung von Machens’ Vertrag auch mit dem Satz begründet: Zukunftsperspektive ist niemand mit 65, ganz unabhängig von seiner Person. Ein Satz, der beim Büro für Altersdiskriminierung gar nicht gut ankommt. Meist entschieden andere darüber, ob man das richtige oder das falsche Alter habe, heißt es dort. Das Recht auf Gleichbehandlung sei auch für ältere Menschen ein Grundrecht.

Die rechtliche Lage im Fall Machens sei eindeutig, sagte der Direktor des Arbeitsgerichts Hannover, Kilian Wucherpfennig. „Warum soll aber der Geschäftsführer einer GmbH nicht weiterarbeiten können?“, meinte Wucherpfennig. Zumal die Altersgrenze auch gerade bis auf 67 Jahre angehoben wird.

Politik hat Schlüsselrolle

Die Zoo Hannover GmbH ist, wenn auch als fast hundertprozentige Regionstochter in öffentlicher Hand, ein Unternehmen und funktioniert wie ein solches. Der Geschäftsführer ist für den operativen Bereich zuständig. Der Aufsichtsrat, in dem außer Regionspolitikern auch Vertreter aus der Wirtschaft wie etwa der Vorsitzende der Sparkassen-Geschäftsführung, Walter Kleine, sitzen, kontrolliert die Geschäftsführung, berät und entscheidet über Strategien, größere Investition sowie über die Geschäftsführerpersonalie und dessen Vertrag.

Die Gesellschafterversammlung, die fast identisch mit dem Regionsausschuss ist und in der deshalb die Spitzenpolitiker der Regionsfraktionen sitzen, bestellt letztendlich den Geschäftsführer und redet deshalb in dieser Angelegenheit ein ganz entscheidendes Wort mit. In dem Gremium haben SPD und Grüne die Mehrheit. Bodo Messerschmidt, SPD-Fraktionsvorsitzender, sagte gestern, man habe über Jagaus Pläne noch nicht beraten und mithin noch nicht entschieden. Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) erklärte, dass seine Fraktion Jagaus konzeptionellen Kurs in Sachen Zoo unterstütze. „Bislang habe ich von Klaus-Michael Machens noch nicht gehört, dass er das mitträgt“, erklärte er. Sollte sich dieses ändern, könne man über Machens Mitarbeit reden: „Er ist für uns kein rotes Tuch.“ CDU und FDP haben sich für Machens ausgesprochen, die Linke gegen ihn.

Felix Harbart, Mathias Klein und Bernd Haase

Hannovers Zoo-Chef Klaus-Michael Machens soll aufhören - und das gegen seinen Willen. Regionspräsident Hauke Jagau will einen Wechsel im Konzept: „Der Zoo braucht einen Paradigmenwechsel, die Zeit des Größer, Schöner und Weiter ist vorbei.“

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