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Zoo Hannover Hannovers Zoo-Chef Machens soll aufhören
Hannover Aus der Stadt Zoo Hannover Hannovers Zoo-Chef Machens soll aufhören
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22:36 27.01.2011
Hannovers Zoo-Chef Klaus-Michael Machens soll im November aufhören. Quelle: Christian Burkert (Archiv)

Zoo-Chef Klaus-Michael Machens soll im November gegen seinen eigenen Wunsch aufhören. Das wurde am Donnerstag publik – ausgerechnet an dem Tag, an dem Machens vom Familienunternehmerverband für seine Leistungen mit einem Sonderpreis geehrt wurde. „Der Zoo braucht einen Paradigmenwechsel, die Zeit des Größer, Schöner und Weiter ist vorbei“, sagte Regionspräsident Hauke Jagau (SPD), gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender des Tierparks. Das Großprojekt Yukon Bay sei abgeschlossen, Machens erreiche die Altersgrenze von 65 Jahren, deshalb sei der Zeitpunkt ideal, an der Spitze einen Wechsel vorzunehmen. Der Geschäftsführer reagierte enttäuscht. „Ich bin fit und habe noch viele Ideen, deshalb würde ich gerne weitermachen“, sagte er.

Machens war 1994 Geschäftsführer geworden, als der damals marode Tierpark von der Stadt zur heutigen Region kam. Unter seiner Ägide entstand der heutige Erlebniszoo mit seinen Themenwelten. Insgesamt 111 Millionen Euro sind dafür investiert worden.

Am Montagabend haben Jagau und Machens ein Gespräch über die Zukunft des Zoos geführt. Dabei hat der Regionspräsident seine Pläne offenbart, die am Donnerstag im Anschluss an eine Betriebsversammlung der Zoo-Mitarbeiter durchsickerten. „Die Leute haben verblüfft und überrascht reagiert“, berichteten Teilnehmer. Jagau sagte, im Zoo sei zwar viel in Neues investiert worden. Es gebe aber auch einen massiven Sanierungsstau. „Ihn abzuarbeiten, wird uns zehn Jahre oder länger beschäftigen“, sagte der Regionspräsident. Deshalb benötige man an der Spitze einen Schnitt: „Es ist sinnvoll, Altersgrenzen einzuhalten.“ Der Streit um das Sozialticket, das Machens verhindern wollte, spiele keine Rolle.

Zuständig für die Personalie ist die Gesellschafterversammlung des Zoos, der Jagau demnächst seine Pläne vorstellen will. Weil die Region der Eigner des Tierparks ist, haben in der Versammlung die Politiker das Sagen.

Jagau hat die Entscheidung offenbar allein getroffen – bis Donnerstag hatte er noch nicht einmal die Fraktionsvorsitzenden von SPD und Grünen in seine Pläne eingeweiht. Scharfe Kritik kam vom Vorsitzenden der CDU-Regionsfraktion, Eberhard Wicke. „Aus einem heruntergewirtschafteten Zoo hat Machens ein Freizeitparadies geschaffen, das deutschlandweit beachtet wird“, sagte er. Es sei stil- und taktlos, wie Machens jetzt von Jagau abserviert werde. Der Zoodirektor leiste eine sehr gute Arbeit, meinte auch der Fraktionschef der Grünen, Raoul Schmidt-Lamontain. Der Zoo benötige jetzt aber eine ruhigere Phase, in der in den Bestand investiert werde müsse. „Die Frage ist, ob Machens bereit ist, das zu tun“, sagte er.

Keine Zukunft für den Zoo-Chef

Am Montagmittag hatten Regionspräsident Hauke Jagau und Zoo-Geschäftsführer Klaus-Michael Machens noch einträchtig nebeneinander im Restaurant Market Hall der Polarlandschaft Yukon Bay im Zoo gesessen und den Medien die Jahresbilanz bilanziert. Sie fiel blitzsauber aus. „Der Zoo hat ein Jahr hinter sich, das seinesgleichen sucht“, sagte Jagau. Machens präsentierte Zahlen, die einen Rekord nach dem anderen belegten. Mit exakt 1.602.257 Besuchern hat die Einrichtung im Jahr 2010 einen Rekord erzielt und dabei die durch die Eröffnung der Polarlandschaft Yukon Bay und die fünf Elefantengeburten ohnehin schon hochgesteckten Erwartungen noch um gut 100.000 Gäste übertroffen. Gegenüber dem Vorjahr ist die Besucherzahl um 29 Prozent gestiegen. Mehr als die 128 640 Jahreskarten im Jahr 2010 hat der Zoo noch nie verkauft. Rekorde gab es auch beim Gesamtumsatz – es waren 33 Millionen Euro – im Gastronomiebereich und beim Souvenirverkauf. Jagau hörte all dem zu und blickte dabei so zufrieden wie kurz zuvor, als der Geschäftsführer und er für das Pressefoto posiert hatten. Dann verpasste er Machens einen Dämpfer und verkündete überraschend seine Pläne für das Sozialticket, gegen dessen Einführung der Zoo-Chef gestritten hatte.

Schon zu diesem Zeitpunkt dürfte der Regionspräsident seine Personalvorstellungen im Hinterkopf gehabt haben, die er dann am Abend in einem Gespräch mit Machens erläuterte. Argumente dafür, dessen Vertrag nicht zu verlängern, lassen sich trotz der unbestrittenen Erfolge, die er vorweisen kann, mit der Altersgrenze leicht finden. Bekannt ist aber auch, dass der umtriebige Zoo-Chef, der den Tierpark als Touristenmagnet und Wirtschaftsunternehmen begreift, mit seinen innovativen, aber auch kostspieligen Ideen häufiger in der Politik aneckte.

Vielen stieß es zuletzt sauer auf, dass Machens zwar auf wirtschaftliche Erfolge verwies, aber sich beim Sozialticket auf die Hinterbeine stellte und außerdem auf den Zuschuss von drei Millionen Euro jährlich pochte, den die Region dem Zoo zahlt. Die will nun keine Großinvestitionen wie zuletzt Yukon Bay mehr leisten, sondern anhand eines Masterplans Flächen und Gebäude im Zoo sanieren, die bisher nicht angefasst wurden. Dazu zählen etwa das Tropen- und Urwaldhaus, die alten Robben- und Eisbärenanlagen, die Greifvogelvolieren und der Betriebshof.

Jagau hatte weder Regionspolitiker noch Mitglieder des Aufsichtsrats in seine Pläne eingeweiht. Selbst der Vorsitzende der SPD-Regionsfraktion, Bodo Messerschmidt, hatte die Nachricht von einem Journalisten erfahren. „Ich bin überrascht“, sagte er. Inhaltlich wollte er sich allerdings nicht äußern.

Massive Kritik an der Entscheidung kam dagegen aus den Reihen von CDU und FDP. Gabriele Steingrube (CDU), die im Aufsichtsrat des Zoos sitzt, meint, das Jagau seine Pläne zunächst in diesem Gremium hätte besprechen müssen. Offenbar sei der Regionspräsident kein Mensch, der dem Zoodirektor den Erfolg gönne. Möglicherweise sei das Sozialticket der Auslöser für das Zerwürfnis gewesen, meinte sie. Dass Machens gegen die Ermäßigung sei, könne sie sehr gut verstehen: „Man kann doch nicht von einem Wirtschaftsunternehmen ein Sozialticket verlangen.“ Wilhelm Heidemann (CDU), der ebenfalls im Aufsichtsrat sitzt, stellte am Donnerstag die bisherigen Leistungen des in Hildesheim wohnenden Zoochefs heraus. Machens habe den Zoo zu dem gemacht, was er sei, meinte er. „Wenn er weitermachen will, dann soll man ihn ruhig lassen“, sagte Heidemann. Für den FDP-Fraktionschef Dieter Lüddecke „steht und fällt der Zoo mit Machens“. Wenn der Vertrag nicht verlängert werde, bedeute das einen schweren Aderlass. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Zoo mit einem anderen Geschäftsführer an der Spitze ähnlich erfolgreich agiere, meinte der Fraktionschef. „Wir finden keinen mit ähnlicher Vitalität und Fachkenntnis“, sagte er.

Bernd Haase und Mathias Klein

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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