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Zoo Hannover Knuts Tod beschäftigt Tierpfleger im Zoo Hannover
Hannover Aus der Stadt Zoo Hannover Knuts Tod beschäftigt Tierpfleger im Zoo Hannover
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10:03 22.03.2011
Schau mir in die Augen, Kleiner: Die Eisbären in der Kanadalandschaft Yukon Bay erfreuen sich bester Gesundheit. Krankheiten würden sofort bemerkt, sagen die Pfleger.
Schau mir in die Augen, Kleiner: Die Eisbären in der Kanadalandschaft Yukon Bay erfreuen sich bester Gesundheit. Krankheiten würden sofort bemerkt, sagen die Pfleger. Quelle: Catherine Hagemann
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Hannovers Eisbären geht es bestens. Bei strahlendem Sonnenschein tobte am Montag das Wiener Zwillingspaar Arktos und Nanuq durch das Wasserbecken des Eisbärengeheges in der Alaskalandschaft Yukon Bay. Das Vergnügen teilen sie mit Sprinter, dem dritten Eisbären, der ursprünglich aus Holland stammt. Das Schicksal des berühmten Berliner Eisbären Knut, der am vergangenen Wochenende überraschend in seinem Gehege gestorben war, ist unter den hannoverschen Eisbärpflegern zwar Thema, eine Gefahr für die Tiere im hannoverschen Zoo sehen sie aber nicht. „Die Eisbären bei uns sind vollkommen gesund“, sagt Pfleger Stefan Germann. Er und seine Kollegen würden das Verhalten der Tiere genau beobachten. Würde einer der Bären erkranken, bliebe das auf keinen Fall unbemerkt. Über die Umstände von Knuts Tod will er aber nicht spekulieren.

Als süßes Eisbärenbaby verzaubert Knut Millionen Menschen. Nach seinem plötzlichen Tod ist die Trauer um den Star im Berliner Zoo groß.

Anders als im Berliner Zoo, in dem der Pfleger Tomas Dörflein Knut von Hand aufzog, haben die hannoverschen Pfleger keine allzu enge Bindung an ihre Eisbären. Sie sind zu neunt für das gesamte Yukon-Bay-Areal zuständig und kümmern sich abwechselnd neben den Bären auch um die Robben und Pinguine. „Die Eisbären erkennen uns zwar, da wir aber nie direkten Kontakt mit ihnen haben, entwickeln sie keine Vorlieben für bestimmte Personen“, sagt Pfleger Germann. Dass der vierjährige Medienstar Knut an Einsamkeit starb, weil sein Pfleger nicht mehr lebt, kann Germann sich nicht vorstellen. „Eisbären sind Einzelgänger. Das einzige, was sie brauchen, ist Beschäftigung, und die finden sie auch allein.“

Das Eisbärentrio in Yukon Bay bekommt in seinem Gehege viel Abwechslung geboten. In die zahlreichen Felsen sind Futterluken eingebaut, in denen die Pfleger hin und wieder Leckereien verstecken. Eine im Wasser treibende Boje finden die Bären auch ohne Futterfüllung attraktiv. Dazu kämpfen sie gern miteinander. Für die Zuschauer sieht ihr Spiel häufig wie eine gewalttätige Auseinandersetzung aus, doch gefährlich ist es keineswegs. „Sie verpassen sich gerne gegenseitig Ohrfeigen und beißen mitunter auch mal zu, ohne einander dabei zu verletzen“, sagt Tierpfleger Germann.

Die beste Gesundheitsvorsorge bietet nach Ansicht der Tierpfleger eine ausgewogene Ernährung. Eisbären fressen überwiegend Fleisch, aber auch Obst und Gemüse verschmähten sie nicht, so Germann. Daher stehen neben Fisch und Rindfleisch bisweilen auch Salat, Mohrrüben und ab und zu eine Melone auf dem Speiseplan. Gelegentlich bekommen sie sogar Haferschleim, verrät der Pfleger. „Den mögen sie, und falls es nötig ist, können wir ihnen auf diese Weise Medikamente einflößen.“

Krank würden Eisbären eher selten. Wenn es dennoch vorkäme, bliebe dies nicht lange unbemerkt, sagt Germann. Durch die ständige Beobachtung fiele ein unnormales Verhalten sofort auf. „Der Eisbär ist ein Raubtier, das kaum Feinde hat. Daher erlaubt er es sich, auch mal Schwäche zu zeigen, wenn er krank ist.“

Isabel Christian