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Zoo Hannover Willkommen in Kanada!
Hannover Aus der Stadt Zoo Hannover Willkommen in Kanada!
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15:51 26.05.2010
Quelle: Michael Thomas
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Der Stollen liegt in geheimnisvollem Dämmerlicht. Auf dem Boden sind noch die Abdrücke von Schienen zu erkennen. Schienen, auf denen einst Loren durch den Gang fuhren. Die dicken Fichtenstämme, die das Erdreich noch zur Seite halten, duften intensiv. Eine Kiste Dynamit steht vergessen an der Seite. An einigen Stellen ist der Stollen schon eingestürzt: Geheimnisvoll ist der Weg in die kanadische Wildnis – der Weg nach Yukon Bay.

Doch dann wird es hell. Blinzelnd erkennt man eine Brücke. Über ein Wasserrad rauscht ein Bach. Die Timberwölfe haben es sich auf dem Hang über dem Stollen bequem gemacht. Dahinter sind die Karibus zu erkennen. Weiter geht es: Wieder durch einen Stollen. Über eine Brücke. Eine alte Dampflok steht dort auf dem Abstellgleis. Sie trennt die Bisons von den Karibus und den Wölfen.

Neugierig strecken sich die Präriehunde den Besuchern entgegen, die genauso neugierig den Eiskonditoren bei der Arbeit zusehen können: Wir befinden uns kurz vor dem kanadischen Städtchen Yukon Bay. Die ersten Häuser sind zu erkennen. Gardinen hängen in den Fenstern. Manche sind auch zur Seite gezogen, sodass man die Menschen bei ihrer Arbeit beobachten kann.

Auf der anderen Seite der Häuserzeile ergießt sich das Hafenbecken zwischen den Kaimauern der Stadt. Dort leben Robben und Seebären. Ein auf Grund gelaufenes Frachtschiff ist zu erkennen. Es ist die „Yukon Queen“, auf der längst kein Käpt’n mehr das Sagen hat. Stattdessen tummeln sich an Deck die Pinguine. Sie waren die letzte Fracht, die die „Yukon Queen“ befördern sollte. Die kleinen Watschler leben jetzt in Kanada, obwohl sie dort, in der realen Welt, eigentlich nicht heimisch sind, scheinen sie sich in Yukon Bay ausgesprochen wohlzufühlen. Im Vergleich zu ihrer alten Heimat, die eher einem sterilen Schwimmbad der siebziger Jahre glich, wundert das kaum.

Ein Gang führt hinab in das Schiff, an das inzwischen eine Unterwasserforschungsstation angebaut wurde. Der Verbindungsgang ist komplett verglast. Die Pinguine tauchen über den Köpfen der Besucher hinweg. Perlige Luftbläschen folgen ihren Körpern wie kleine Kometenschweife.

Gestanzte Eisenplatten lassen die Schritte hallen. Die Seitenwände des Schiffs sind verglast. Hier befindet sich eine der Hauptattraktionen von Yukon Bay. Durch insgesamt 39 große Scheiben kann man den Robben, Pinguinen und den drei Eisbären beim Tauchen und Schwimmen zusehen. Das ist europaweit einzigartig! Das neue Gehege der weißen Riesen misst 2604 Quadratmeter und ist damit so groß wie der Wellnessbereich eines Luxusliners. Und was für die Menschen gilt, ist im hannoverschen Zoo für die Eisbären Standard: Sie haben einen Sonnenfelsen, am Ufer sind Steine zum Klettern und seichte Stellen zum Planschen. Die Bären können im Sand buddeln, im Meerwasser in den Wellen spielen oder eben durch besagte Fenster beim Tauchgang „Menschen gucken“.

Wieder an Deck ist in der Ferne eine Lorenbahn zu erkennen. Dort turnen die munteren Rothörnchen unter den kritischen Blicken der Schneeeulen auf und ab. Die gefiederten Jäger bewohnen einen hölzernen, windschiefen Wasserturm, der gegenüberliegt.

Das Leben in „Yukon Bay“ geht indes munter seinen Gang: Schmucke Holzhäuser in den unterschiedlichsten Farben schmiegen sich aneinander. Aus der „Market-Hall“, der einstigen Fischauktionshalle, strömt der Geruch von frisch über Buchenspänen geräuchertem Fisch. Im benachbarten Eiscafé locken 16 verschiedene Sorten von hausgemachten Süßspeisen zum Probieren. Jetzt ein wenig ausruhen, den Eisbären beim Spiel zusehen – und sich bloß nicht von den hektischen Rothörnchen anstecken lassen.

Sonja Fröhlich 25.05.2010
19.05.2010