Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Wassereinbruch in der Stromversorgung führte zu Ausfall des Stellwerks
Hannover Aus der Stadt Wassereinbruch in der Stromversorgung führte zu Ausfall des Stellwerks
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:52 14.01.2019
Stellwerksausfall am Hauptbahnhof Hannover Quelle: Heidrich
Hannover

Einen Tag nach dem massiven Ausfall des Stellwerks am hannoverschen Hauptbahnhof, steht die Ursache für die Panne fest. Nach Angaben der Deutschen Bahn hat ein Wassereintritt in der Stromversorgung des Stellwerks zu dem Schaden geführt. Dadurch sei auch die sogenannte Zugnummernmeldeanlage ausgefallen. Dadurch konnten die Informationstafeln für die Reisenden im Bahnhof nicht aktualisiert werden. Die Auswirkungen der Störung waren noch bis in den Montag hinein zu spüren.

Warum das Wasser in das Gebäude eingetreten ist, ist derzeit noch unklar. Ein Wasserrohrbruch kommt als Ursache genauso in Betracht wie ein Leck im Dach des Gebäudes, in dem das Stellwerk untergebracht ist. Der Schaden war am Sonntag gegen 15.30 Uhr aufgetreten. Gegen 18.45 Uhr war das Stellwerk teilweise funktionsfähig. Erst gegen 23.30 Uhr war der Schaden vollständig behoben. Mehr als drei Stunden lang konnten Züge den Hauptbahnhof nicht anfahren. Hunderte Reisende waren betroffen.

Vor dem Infoschalter der Bahn bildeten sich schnell lange Schlangen. Es dauerte eine ganze Weile, bis zusätzliches Personal weitere Infoschalter betreuen konnte. „Die Kolleginnen und Kollegen mussten zum Teil extra zum Bahnhof nach Hannover gerufen werden, weil sie gar nicht im Sonntagsdienst waren“, teilte die Bahn mit. Das Unternehmen funktionierte die Bahnhöfe in Laatzen und Wunstorf zu Fernbahnhöfen um. Reisende nach Hamburg, München und Frankfurt wurden per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, mit der Stadtbahn nach Laatzen zu fahren und dort in die ICEs einzusteigen. Die Durchsagen waren aber nur schlecht zu verstehen, weil die Lautsprecher in der Bahnhofshalle zu schwach sind, um den Lärm vieler wartender Reisender zu übertönen.

Zudem organisierte die Bahn Ersatzbusse, die vom Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Richtung Westen fuhren. Dort kam es zum Teil zu tumultartigen Szenen ab, weil es am ZOB weder Hinweisschilder noch Mitarbeiter gab, die die Bahnreisenden zu den richtigen Bussen weisen konnten. Erst nach drei Stunden forderte die Bahn Busse der Hilfsorganisationen wie der Johanniter, der Malteser und der DLRG an. Sie fuhren die Betroffenen von Haltepunkten vor dem Hauptbahnhof nach Wunstorf und Laatzen, um die Lage am ZOB zu entzerren. „Wir haben mit der Bahn ein Abkommen, dass wir bei größeren Gefahrenlagen so wie am Sonntag, mit unseren Bussen angefordert werden können“, sagt Bettina Martin von den Johannitern. Kurz nachdem der erste Bus gestartet war, war die Störung im Stellwerk behoben, die ersten Züge konnten wieder fahren. Auch diesen Umstand teilte die Bahn über ihre Lautsprecher mit, so dass viele Reisende, die in Richtung Berlin fahren wollten, den ersten wieder fahrenden Zug Richtung Osten verpassten und dieser sich halb leer in Bewegung setzte.

So funktionieren die Stellwerke der Bahn

Etwa 13 000 Fahrdienstleiter sind bundesweit dafür verantwortlich, dass etwa 40 000 Züge im Nah- und im Fernverkehr täglich ihr Ziel erreichen. Sie arbeiten in rund 2800 Stellwerken des Unternehmens. Die Bahn unterscheidet dabei fünf verschiedene Arten von Stellwerken:

– das mechanische Stellwerk: Davon gibt es derzeit 718. Signale und Weichen für die Züge werden per Hebel und Drahtzüge per Hand gestellt. Die Streckenabschnitte, für die ein Fahrdienstleiter zuständig ist, sind deswegen bei dieser Bauart klein.

– das elektromechanische Stellwerk: 311 davon sind derzeit im Bundesgebiet in Betrieb. Bei dieser Art des Stellwerks werden die mechanischen Handlungen der Fahrdienstleiter in elektrische Impulse umgesetzt, alle Weichen und Signale stellen sich elektrisch um. Im Stellwerk signalisieren Lichtpunkte den Fahrdienstleiter über den jeweiligen Betriebszustand der Signale und Weichen.

– das Drucktastenstellwerk: 1274 dieser Stellwerke sind derzeit in Betrieb. Alle Gleispläne eines Bahnhofs und der angrenzenden Strecken sind dabei schematisch auf sogenannten Stelltischen abgebildet. Alle Schaltungen werden an diesem Tisch vorgenommen.

– das elektronische Stellwerk: Bei den 385 Stellwerken dieser Bauart stellen die Fahrdienstleiter die Signale und Weichen per Mausklick. Mit Hilfe dieser Technik ist es möglich, Stellwerke zu größeren Betriebszentralen zusammen zu legen. Sieben große solcher Betriebszentralen gibt es in Deutschland – in Hannover befindet sich eine davon. Die Mitarbeiter dort steuern den Bahnverkehr in ganz Norddeutschland.

– das digitale Stellwerk: Auch die Bahn rüstet gerade ihre Stellwerke auf den digitalen Betrieb um. Derzeit laufen nur die Einheiten in Annaberg-Buchholz und in Warnemünde digital. Bei dieser Technik werden die Züge digital per Funk gesteuert. Wann das Stellwerk in Hannover digital umgerüstet wird, ist noch unklar.

Welche Konsequenzen die Bahn aus dem Stellwerksausfall ziehen wird, ist noch offen. „Wir werden uns den Ablauf des gestrigen Tages sehr genau ansehen und die Ergebnisse auswerten, um daraus Verbesserungen abzuleiten“, sagte Bahn-Sprecher. So ist beispielsweise die Üstra am Sonntag nicht von der Bahn um Hilfe gebeten worden, um schnell zusätzliche Ersatzbusse zur Verfügung zu haben. „Wir halten immer Busse und Fahrer in unseren Depots vor und helfen, wo wir können, wenn wir gefragt werden“, sagt Üstra-Sprecher Udo Ivannek.

Von Tobias Morchner

Wegen Arbeiten an Lärmschutzwänden fallen bis zum 9. Februar S-Bahnen auf den Linien S1, S2, S21 und S51 aus. Ein Ersatzverkehr mit Bussen ist eingerichtet.

14.01.2019

Überraschende Wende: Nach öffentlichem Druck wird die menschenunwürdige Notunterkunft Alte Peiner Heerstraße jetzt schon Ende Januar 2019 abgerissen. Obdachlose Roma ziehen in Lister Unterkunft.

14.01.2019

Die Ehrlich Brothers zaubern und witzeln vor 10.000 Fans in der Tui-Arena Hannover – wo ihre Karriere vor sieben Jahren Fahrt aufnahm.

16.01.2019