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Aus der Stadt Was passiert mit Conti-Denkmälern in der Wasserstadt? Bürger sollen mitreden dürfen
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Zukunft der Conti-Denkmäler in Hannover-Limmer: Bezirksrat will Bürgerbeteiligung

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08:00 05.01.2020
Die Wasserstadt Limmer nimmt langsam Gestalt an – hier im ersten Bauabschnitt. Quelle: Frank
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Limmer

Vor genau einem Jahr verschwand das historische Fabrikgebäude Nummer 10 des einstigen Conti-Werks in Limmer – Bauunternehmer Günter Papenburg ließ es abreißen. Ziemlich genauso alt ist inzwischen auch eine Forderung des Bezirksrats Linden-Limmer: Das Gremium wünscht, dass die Stadt endlich eine Bürgerversammlung ausrichtet. Diese Forderung schließt ausdrücklich auch eine Debatte über die beiden letzten Conti-Baudenkmäler auf dem Areal ein. Für die Gebäude 44 und 51 ist trotz eines jüngst erfolgten Gerichtsbeschlusses die Zukunft noch immer unklar. „Das Thema der Altgebäude muss einen angemessenen Raum finden“, sagte Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube in der jüngsten Bezirksratssitzung. Das Gremium will weiter Druck auf die Stadt machen und hofft nun auch auf den neuen Oberbürgermeister Belit Onay.

Zugesagte Versammlung gestrichen

Bereits im Dezember 2018 forderte der Bezirksrat einen Veranstaltungstermin. Der damalige Oberbürgermeister Stefan Schostok sagte daraufhin eine Versammlung für August 2019 zu. Im Mai musste Schostok im Zuge der Rathausaffäre zurücktreten, im Juni strich die Stadt den Termin ersatzlos. Grube und der Bezirksrat schalteten die Kommunalaufsicht ein, um die Versammlung bei der Stadtverwaltung durchzusetzen. Die Stadt habe immer wieder auf den vakanten OB-Posten verwiesen, sagte Grube. Der Bezirksrat erneuerte jedoch die Forderung mit einem interfraktionellen Antrag im September – allerdings verschob das Gremium eine Entscheidung seither immer wieder. Auch in der jüngsten Sitzung wurde nicht abgestimmt. Sehr zum Ärger der Linken-Fraktion, die per Abstimmung den Druck auf die Stadt erhöhen wollte. Die Mehrheit will lieber auf der nächsten Bezirksratssitzung im Februar abstimmen. Dann könnte das Ergebnis der Prüfung durch die Kommunalaufsicht vorliegen, sagte Grube. Und im Neuen Rathaus sei die Stimmung offenbar nicht mehr strikt gegen eine Versammlung, berichtete der Bezirksbürgermeister.

Streit schwelt seit über 20 Jahren

Der erste Bauabschnitt im Osten der Wasserstadt füllt sich langsam mit ersten Gebäuden; Betreiber von Kita sowie Supermarkt stehen fest. Weitgehend ungeklärt ist aber die Lage ganz im Westen, neben dem Stichkanal Linden. Dort stehen die beiden historischen Altbauten – noch. Seit über 20 Jahren schwelt ein Streit zwischen Stadt, Investoren, Politikern und lokalen Initiativen, ob und wie die mit Nitrosaminen belasteten Gebäude umgenutzt werden können, oder ob Abriss und Neubau nicht doch besser seien. Im Sommer unterbreiteten die Projektentwickler Dirk Felsmann und Gert Meinhof – gemeinsam haben sie mehrere Umbauprojekte verwirklicht – Papenburg ein Kaufangebot. Sie wollen die Gebäude erhalten. Papenburg stieg bislang nicht darauf ein, sondern konzentrierte sich darauf, eine Abrissgenehmigung zu bekommen. Die Stadt machte nicht mit, Papenburg klagte und verlor Anfang Dezember vor dem Amtsgericht Hannover.

Ein Stück Identität verleihen

Damit ist ein Abriss vorerst vom Tisch. Doch die über 100 Jahre alten Gebäude verfallen immer mehr, geklärt ist nichts. Und beide Lager trennen Welten: Die einen sehen Potenzial in den Altbauten, die anderen halten jeden Sanierungsversuch für aussichtslos. Doch wie der Conti-Turm könnten auch die Produktionshallen dem Neubaugebiet ein Stück Identität verleihen – so sehen es Anwohnerinitiativen, so sieht es der Bezirksrat. So sah es auch die Sanierungskommission Limmer, die aber voraussichtlich im Februar dieses Jahres durch den Rat der Stadt auch formell für aufgelöst erklärt wird. Dabei war die Sanierungskommission eine Möglichkeit für viele Anwohner und Akteure, rund um das Wasserstadt-Geschehen öffentlich gehört zu werden.

In der öffentlichen Streitkultur hat die Kommission eine Lücke hinterlassen. Eine Einwohnerversammlung, bei der Bauverwaltung, Wasserstadt-Investoren, Initiativen und andere Akteure teilnehmen können, soll Abhilfe schaffen.

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