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Aus der Stadt Tennishalle am Wietzegraben wird zwangsversteigert
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Zwangsversteigerung im Sahlkamp: Zuschlag für Tennishalle am Wietzegraben erst im Dezember

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16:07 28.11.2019
Die Tennishalle am Wietzegraben wird samt Clubhaus zwangsversteigert. Quelle: Navid Bookani
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Sahlkamp

Das habe er in seiner 35-jährigen Trainerlaufbahn auch noch nicht erlebt, erklärt ein Vereinsmitglied des Tennisvereins Schwarz-Weiß Hannover und setzte sich in die vorletzte Reihe des Saales 2048 im Amtsgericht Hannover. Dort stand die Tennishalle am Wietzegraben im Sahlkamp zur Zwangsversteigerung. Veranschlagt war ein Verkehrswert von 678 000 Euro. Am Schluss bot der langjährige Betreiber mit rund 339 000 Euro am meisten – und er blieb der einzige Bieter.

Die Tennishalle am Wietzegraben wird zwangsversteigert. Der Tennisverein Schwarz-Weiß Hannover nutzt die Anlage. Quelle: Navid Bookani

Eine Tennishalle mit langer Tradition

Das mag daran liegen, dass die Tennishalle schon bessere Zeiten gesehen hat. Doch sie hat eine lange Tradition. Dort bot Schwarz-Weiß Hannover als einer der ersten Vereine seinen Mitgliedern überdachte Plätze an. Seit 1970 war damit Tennis ganzjährig möglich anstelle nur einiger Monate im Frühjahr und Sommer. Die Halle steht auf einem Grundstück, das der Stadt Hannover gehört, sie bekommt dafür vom Betreiber der Halle einen Erbpachtzins. Das Erbbaurecht begann 1970 und endet 2035. Doch offenbar hatten sich Schulden angehäuft. Bereits im Jahr 2006 habe der Verein einen Kredit nicht mehr bezahlen können, erklärte Thorsten Hatwig, Anwalt des künftigen Ersteigerers. Doch auch eine später gegründete Gesellschaft, die die Immobilie verwalten sollte, konnte ihre Schulden wohl nicht mehr begleichen.

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Zwangsversteigerung: Die Tennishalle am Wietzegraben kann ersteigert werden. Quelle: Navid Bookani

Verein hat von Kauf der Halle abgesehen

Daraufhin wurde gegen sie das Zwangsvollstreckungsverfahren eingeleitet. Neben dem Bieter selbst meldete auch die Stadt Forderungen an. Allein die der Stadt belaufen sich auf etwa 90 000 Euro. Doch für den Verein ist die Halle wichtig. Er nutzt nicht nur das Außengelände, sondern auch die Sanitäranlagen in der Halle. „Wir mieten die ganzen Sanitärtrakte im Sommer“, erklärt der Vereinsvorsitzende Oliver Falczyk. Aber von einem Kauf der Halle habe man abgesehen. Zwar hätten einige Vereinsmitglieder darauf gehofft, sagte der Vereinsvorsitzende. Das sei jedoch angesichts des Zustandes der Halle eine Frage der Machbarkeit gewesen. Man habe den Verein nicht in solche Unkosten stürzen wollen.

Der Verein Schwarz-Weiß Hannover nutzt neben den Außenanlagen auch den Sanitärbereich. Quelle: Navid Bookani

Zuschlag wird voraussichtlich im Dezember erteilt

Trotzdem hofft Falczyk auf eine Sanierung der Halle. Doch bis dahin könnte es noch ein langer Weg sein. Denn der Zuschlag ist noch nicht erteilt. Darüber entschieden wird am 18. Dezember. Aber damit muss das Verfahren noch nicht sein Ende nehmen. Nach Erteilung des Zuschlages beginnt laut Rechtsanwalt Hatwig erst einmal eine Beschwerdefrist.

Kommentar: Was einen Verein ausmacht

Viele Vereine sehen sich in Nöten. Einigen fehlt der Nachwuchs, anderen das Geld, wieder andere haben Ärger mit ihren Sportstätten – und bei manchen kommt alles zusammen.

Trotzdem gibt es Engagierte, die hinter ihrem Verein stehen. Ob nun Kleingärtner- oder Sportverein – die Mitglieder investieren Lebenszeit und Leidenschaft oder gehen gemeinsam einfach ihrem Hobby nach. Das ist wichtig, denn sie leisten nicht nur Freizeitunterhaltung, sondern unterstützen damit auch das Funktionieren einer pluralen Gesellschaft, integrieren oder beugen ganz einfach Einsamkeit vor. Deshalb ist es richtig, dass der Staat Vereine begünstigt – ob bei der Steuer, mit Sporterbbaurecht oder Gemeinnützigkeit.

Manchmal werden die Dinge aber für einen ehrenamtlich geführten Verein zu kompliziert. Gern geben Vereine dann beispielsweise den Betrieb von Immobilien oder Gastronomie an Unternehmen ab. Dass das nicht immer eine gute Lösung ist, wurde jetzt beim Zwangsversteigerungstermin der Tennisanlage von Schwarz-Weiß im Sahlkamp offenbar.

Deutlich wurde aber auch etwas anderes. Obwohl ein sicher nervenaufreibendes und langjähriges Verfahren um den Standort am Wietzegraben hinter den Mitgliedern liegt, war wenig Resignation zu spüren. Stattdessen war der Saal des Amtsgerichts um 10 Uhr voll besetzt. Viele Mitglieder waren gekommen – und es zeigte sich, was einen Verein ausmacht: Der Zusammenhalt scheint ungebrochen.

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