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Aus der Stadt Zwei Autoinsassen prügeln auf Pizzaboten ein
Hannover Aus der Stadt

Zwei Autoinsassen prügeln mitten auf der Bornumer Straße auf Pizzaboten ein - doch das Verfahren am Amtsgericht Hannover wird eingestellt

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15:24 03.12.2019
Dass im hannoverschen Amtsgericht Prozesse um gewaltsame Auseinandersetzungen im Straßenverkehr stattfinden, ist keine Seltenheit. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Zwei Autoinsassen, die nach Angaben von Augenzeugen auf offener Straße auf einen Pizzaboten einprügelten – unter anderem mit dessen eigenem Motorradhelm –, sind am Dienstag mit einer milden Strafe davongekommen. Das Amtsgericht stellte das Verfahren gegen die beiden Arbeitslosen aus dem Mühlenbergviertel und aus Hildesheim ein. Allerdings müssen der 36- und der 27-Jährige jeweils 90 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Angeklagt waren die Männer wegen gefährlicher Körperverletzung.

Widersprüchliche Angaben

Die Auseinandersetzung zwischen den zwei Insassen eines VW Polo und dem auf einem Motorroller sitzenden Pizzaboten spielte sich im Juli 2018 an einem Sonntagabend gegen 20.30 Uhr ab. Die drei befuhren die Bornumer Straße stadteinwärts, mussten am Abzweig Nenndorfer Chaussee an einer roten Ampel halten. Der Grund für den schnell eskalierenden Streit war offenbar, dass der Polofahrer seine Scheibenwaschanlage betätigt und den 23-jährigen Rollerfahrer nassgespritzt hatte – ob zufällig oder absichtlich, blieb ungeklärt. Widersprüchlich waren auch die Angaben, ob der Pizzabote mit der Hand auf das Autodach schlug oder nicht, gegensätzlich waren zudem die Aussagen, wer den ersten Faustschlag führte und ob das Opfer zurückschlug oder nicht.

Was allerdings unstrittig war und von dem 36-jährigen Angeklagten auch eingeräumt wurde, war das rabiate Öffnen der Fahrertür, das den Motorroller umfallen ließ. Ein in einem anderen Wagen hinter dem Polo befindliches Paar beobachtete anschließend, wie die beiden Autofahrer auf den Pizzaboten eindroschen; laut dem Opfer hatte ihm einer der Männer den Helm vom Kopf gezogen, während anschließend beide auf ihn einprügelten.

Opfer trug mehrere Verletzungen davon

Eine Arzthelferin aus Wettbergen sagte vor Gericht, sie habe beobachtet, dass der Beifahrer mindestens einmal mit dem Helm des Rollerfahrers zugeschlagen habe, ihr Freund sprach sogar von einer Reihe von Schlägen mit dem Helm und von Fußtritten gegen den auf dem Boden liegenden Pizzaboten. Der 23-Jährige wurde, nachdem die Polizei am Tatort aufgetaucht war, mehrere Stunden lang im Friederikenstift verarztet, trug Blutergüsse und Prellungen im Gesicht sowie Prellungen an Hand und Schulter davon. Laut eigenen Angaben hatte er zudem zwei Wochen lang Kopfschmerzen.

Auffällig war in diesem Verfahren, dass die im Vorfeld von der Polizei fixierten Aussagen der am Streit Beteiligten teilweise erheblich von ihren Angaben vor Gericht abwichen. Das verkomplizierte die Sachlage, so dass Amtsrichter Reinhard Meffert irgendwann erklärte: „Das Einzige, wovon ich sicher ausgehe, ist mindestens ein Schlag von einem der Angeklagten mit dem Motorradhelm.“ Unstrittig war aber auch, dass der Pizzabote etliche Verletzungen erlitt, während die Autoinsassen keine Blessuren davontrugen. Aufgrund der partiell diffusen Beweislage folgte der Richter schließlich dem Vorschlag der beiden Verteidiger Dirk Schoenian und Holger Nitz, das Verfahren gegen die beiden Angeklagten einzustellen – und sah auch von einem Fahrverbot ab.

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Von Michael Zgoll

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