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Hannover So reagiert Hannover auf das Cebit-Ende
Hannover So reagiert Hannover auf das Cebit-Ende
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01:15 01.12.2018
„Veranstaltung mit großer Bedeutung“: Oberbürgermeister Stefan Schostok. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Manche haben es kommen sehen, für viele ist es ein Schock: Die Nachricht, dass die Computermesse Cebit eingestellt wird, ist schnell nach Bekanntwerden am Mittwoch in Hannover Gesprächsthema. Als einer der Ersten äußert sich Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) gegenüber der HAZ. „Die Cebit war für die Stadt Hannover eine Veranstaltung mit langer Tradition und großer Bedeutung“, sagt er, zeigt aber auch Verständnis für den drastischen Schritt: „Wir begrüßen nun die kluge Entscheidung zur Weiterentwicklung des Konzepts der Deutsche Messe mit neuen fokussierten Fachmessen und Branchenevents.“ Hannover investiere viel in die digitale Weiterentwicklung. Das Know-How bleibe somit in der Stadt, meint der Oberbürgermeister: „Digitalisierung wird zu einem Querschnittsthema in allen Bereichen.“

City-Gemeinschaft: Nostalgische Wehmut

Weniger nüchtern betrachtet Martin Prenzler das Ende der Computermesse. „Ich kann es noch kaum fassen“, sagte der Geschäftsführer der City-Gemeinschaft Hannover der HAZ. Er spüre eine nostalgische Wehmut: „Es ist ein bisschen, als wäre einer von uns gegangen.“ Die Cebit habe Hannover über Jahrzehnte mit geprägt und umgekehrt Hannover die Cebit. Trotz der seit Jahren rückgängigen Besucherzahlen sei er noch vor Kurzem guter Hoffnung gewesen, dass die Messe AG die Cebit mit der Verlegung vom März in den Juni und mit dem neuen Event-Konzept retten könne, sagt Prenzler. Für Händler und Gastronomie in der Innenstadt habe die Computermesse allerdings schon lange eine untergeordnete Rolle gegenüber anderen Messen gespielt. „Von der Kaufkraft machte die Cebit nur ein Viertel der Agritechnica aus“, meinte der Geschäftsführer der City-Gemeinschaft. Wirtschaftlich bedeutender seien beispielsweise längst auch die Eurotier und die Euroblech für Hannover gewesen.

Auch interessant:Lesen Sie hier die Hintergründe für das Cebit-Aus

Cebit-Aus „traurig“ und „herber Schlag“

Viele Hannoveraner fassten ihre Reaktion in den sozialen Medien knapp zusammen –wie die Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf. „Traurig“ nannte die SPD-Politikerin auf ihrer Facebook-Seite das Cebit-Aus. Auch die FDP-Ratsfraktion bedauert das Ende der Cebit. Der wirtschafts-politische Sprecher Patrick Döring meint: „Das ist ein herber Schlag für den Wirtschaftsstandort Hannover, insbesondere für den Hotel- und Gastronomiesektor aber auch für den Einzelhandel.“ Auch der Imageschaden durch den Wegfall dieser Weltmesse sei für Hannover enorm. „Grundsätzlich ist es ja richtig, dass auch die Messe AG Wirtschaftlichkeitserwägungen folgen muss“, meint Döring. Es sei aber „höchst bedauerlich, dass das neue Konzept offenbar nicht aufgegangen ist“. Nun hoffe er, dass die Industriemesse die Leitmesse für die Digitalisierung der Industrie wird und Impulse wie auch Aussteller der Cebit integriert würden.

Cebit-Ende „reißt Loch bei Hotels“

Nicht zuletzt die Hotels und Gaststätten wird das Cebit-Aus treffen. Die hannoversche Dehoga-Verbandschefin Kirsten Jordan befürchtet: „Das wird ein Loch reißen bei den Hotels.“ Trotz des über die Jahre erheblichen Rückgangs der Besucherzahlen sei die Cebit nach wie vor „alles andere als bedeutungslos“ und immer noch „ein Bettenfüller“ gewesen. Obwohl in den vergangenen Jahren oft erst kurzfristig gebucht worden sei, habe sich der ein oder andere Gast bereits für das kommende Jahr vormerken lassen, berichtet die Dehoga-Geschäftsführerin. Nun müsse es darum gehen, die Bettenkapazitäten, die in Hannover in den kommenden Jahren bekanntlich stark ausgeweitet würden, möglichst ganzjährig zu nutzen. „Das kann mit weiteren Konzerten und kleineren Kongressen geschehen, oder auch mit neuen Messen.“

Hans Christian Nolte, Geschäftsführer der Hannover Marketing und Tourismus Gesellschaft (HTMG) hat schon konkrete Vorstellungen, welche Messe die Cebit-Lücke ein Stück weit füllen könnte. „Die Ideen-Expo in Hannover ist ein Erfolgsmodell mit viel Potenzial“, meint er. Wenn Bund, Land und Stadt Geld in die Hand nähmen, könnte die alle zwei Jahre stattfindende Messe, die unter anderem der Berufsorientierung junger Erwachsener dient, seiner Ansicht nach kräftig erweitert werden.

Umland hat von Cebit profitiert

Als Vermittler von Messezimmern hat die HTMG zuletzt die Erfahrung gemacht, dass weniger die Stadt als die Umlandkommunen in der Region von Cebit-Gästen profitiert hätten. „Viele Besucher haben aus Kostengründen in Garbsen oder Pattensen übernachtet“, erzählt der Geschäftsführer. Privatzimmer, wie sie von sogenannten Messe-Muttis angeboten werden, seien nur noch wenig nachgefragt worden; sicher habe aber die private Vermittlungsplattform Airbnb eine wachsende Rolle gespielt. Zum Vergleich: Zur Hannover-Messe vermittelt die HTMG Übernachtungsgäste in sechs Bundesländer, bis nach Hamburg, Sachsen-Anhalt und Hessen –so groß sei in dem Fall die Nachfrage nach Zimmern. Ein Vorteil für Geschäftsreisende sei nun immerhin, dass die bisherigen Messezuschläge in den Hotels zur Cebit-Zeit wegfallen.

Aussteller, die bereits Cebit-Unterkünfte für 2019 gebucht haben, müssen laut Nolte keine Stornokosten befürchten: „Da denken die Hotels lieber zukunftsorientiert.“ Komplett überrascht habe ihn das Cebit-Aus im Übrigen nicht, sagt der HTMG-Geschäftsführer. Nolte leitet auch eine Neun-Städte-Marketing-Kooperation mit Umlandkommunen. Dort habe es in letzter Zeit schon besorgte Stimmen wegen eines möglicherweise drohenden Cebit-Endes gegeben. Mehr als das Ausbleiben konkreter Messebesucher treffe Hannover und das Umland im Übrigen der Imageverlust – der Verlust der Cebit als „Marke“.

Von Gabriele Schulte

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