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Essen & Trinken So schmeckt es im Restaurant Beckers
Hannover Essen & Trinken So schmeckt es im Restaurant Beckers
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00:17 23.04.2019
Küchenchef Philipp Wecke (lionks) und Inhaber Christian Becker servieren Knuspersashimi vom Schottischen Lachs und US-Beef in Beckers Restaurant an der Bödekerstraße. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Sinneseindrücke rieseln beim Knuspersashimi vom Schottischen Lachs (16 Euro) auf uns hernieder. Eingerollt in Nori-Algen, gewälzt in Pankomehl und kurz frittiert, wechselt das Fischfilet von durchgegart über glasig bis hin zu einem rohen Kern. Es ist warm und kalt, knusprig und saftig, und mit einer Prise Salzflakes aus der Tischmitte ein echter Genuss. Dazu gibt es frische Gurken in dezenter Wasabi-Mayonnaise oder etwas Mango, die noch nicht vollreif ist, und mit den leicht grünen, vegetabilen Noten auch wesentlich besser zu dieser Kreation passt. Sehr gut auch das Rindertatar (15 Euro), das schon von seiner Beschaffenheit beweist, dass hier echte Handwerker am Herd stehen: Die Marinade wurde sanft unter die Hackfleischstruktur gearbeitet und eben nicht (wie so oft) ein matschiges Fleischpüree hergestellt. Herrlich ist auch das wachsweiche Wachtelei dazu – so geht hochwertige Bistroküche!

Klasse Ideen

Gut schmecken auch die Fine de Claire-Austern, vor allem in natur (pro Stück 4 Euro). Mit der BBQ-Soßen-Speck-Schnittlauch-Variante (4,50 Euro) haben wir so unsere liebe Not, obwohl die Idee klasse ist. Der Speck ist sehr fein geschnitten, betörend knusprig und herzhaft, der Schnittlauch bringt mit seinem stechenden Aroma eine schöne Frische, das Problem ist das Mengenverhältnis. Die Auster wurde nämlich unter einem Berg der Zutaten begraben, sodass sie völlig darin verschwindet. Da hätte es schon eine Austernart mit wesentlich höherem Fleischanteil und cremigerer Textur gebraucht, um diese rustikalen Beigaben aufzufangen. Oder eben nur eine Prise des Speckgranulats, dazu ein Tupfer BBQ-Soße und ein paar Schnittlauchröllchen – und wir hätten auch hier gejubelt!

Apropos, wir trommeln schon wieder so euphorisch auf unsere Tastatur, dass wir ganz vergessen haben, zu sagen, wo wir eigentlich sind: Im Beckers nämlich, in der Oststadt. Hohe Decken, Parkettböden, Holvertäfelungen. Moderne Illumination. Großartiges Flair, lässt sich nicht anders sagen. Die Weinkarte: sehr gut. Und jetzt zur Becker´schen Interpretation der Bouillabaisse (15 Euro), ein wirklich geschmeidiges Fischsüppchen, aufmontiert mit Butter, das zwar in seiner schönsten Ausdrucksform noch mehr Herzhaftigkeit und Tiefe erlangen kann, aber wir sind ja in Hannover und nicht in Marseille. Dazu gibt es eine safranverfeinerte Mayonnaise und Röstbrot. Als Einlage gibt es kräftig gebratenen Lachs oder eine gute Garnele. Schön wäre nur gewesen, wenn der annoncierte Kabeljau auch wirklich ein Kabeljau und kein Knurrhahn gewesen wäre.

Wenig Kritik

Nicht falsch verstehen: Der Fisch ist top, es war nur eine fehlerhafte Ansage. Das ist vielleicht auch das Einzige, das uns im Beckers etwas störte: der Service. Und das ist keine Kritik an der Wesensart des Servicetrupps. Der soll unbedingt so locker, persönlich und unbedarft bleiben. Es ist eher die Aufmerksamkeit, an der es etwas mangelt. Bei unserem ersten Besuch dauern die drei Gänge über zwei Stunden. Desserts essen wir keine mehr, auch, weil wir nicht danach gefragt werden. Verabschiedet werden wir nicht. Bei unserem zweiten Besuch sitzen wir einmal 15 Minuten vor unserem leeren Teller, obwohl kaum was los ist. An der Bar wird derweil getratscht, gibt nämlich Zwistigkeiten im Team. Spannend mit anzuhören, aber es geht uns ja eigentlich nichts an – weiß der Service, was hier auf dem Teller für ein hohes Niveau gefahren wird?

Auch für Vegetarier geeignet

Beim folgenden Flanksteak vom US-Rind (29 Euro) möchten wir in unseren filetverliebten Breitengraden mal wieder ausrufen: Leute, in den so genannten Edelteilen sitzt der wenigste Geschmack! Ein intensives Aroma erreichen eben nur die etwas durchwachsenen Fleischteile, in diesem Fall ein saftiges Steak aus dem Bauchlappen. Dazu gibt es Möhren und Reisnudeln. Joa. Kann man so machen. Aber auch vegetarisch lässt sich im Beckers essen: Pasta mit Spinat und Belper Knolle (16 Euro), das ist ein getrockneter und gewürzter Frischkäse aus der Schweiz. Das Gericht ist rund, vollmundig und würzig, dass sich sogar dem käs´spätzleverwöhnten Schwabengaumen ein lustvoller Seufzer entringt. So. Was noch? Ach ja, wir hatten noch ein Roquefort Milles Feuille (11 Euro). Ist als einziges Gericht wirklich durchgefallen. Aber dafür ist hier jetzt kein Platz mehr.

Fazit Hochwertige Bistroküche in altehrwürdigem Flair, wir würden im Beckers unsere Zelte aufschlagen. Gesamt 8/10 (Küche 8, Ambiente 9, Service 6)

Kontakt:

Beckers Restaurant

Bödekerstraße 43

30161 Hannover

Telefon: 0511-3364006

Mail: info@beckers-hannover.de

Internet: www.beckers-hannover.de

Öffnungszeiten: Mo-Fr, 12 bis 14:30 Uhr, 17:30 bis 22 Uhr, Sa 17:30 bis 22 Uhr

Barrierefreiheit: nein

Von Hannes Finkbeiner

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