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Hannover Der Nannyvermittler
Hannover Der Nannyvermittler
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00:15 11.01.2019
Oliver Ehrcke vermittelt Nannys an Familien. „Wer gut ausgebildet ist, kann sich seine Stelle aussuchen. Quelle: Peter Vogel
Hannover

Gesucht: Nanny in Vollzeit für eine Familie mit zwei Kindern in Isernhagen. Aufgaben: vormittags den Haushalt regeln, nachmittags die Kinder betreuen. Voraussetzungen: Führerschein und Berufserfahrung. Gehalt: 2.600 bis 3.500 Euro brutto im Monat. Wer derzeit jemanden für die professionelle Kinderbetreuung sucht, muss sich attraktiv machen. Der Erziehermangel in Niedersachsen reicht bis in die privaten Haushalte, gute Kräfte erleben goldene Zeiten.

Arbeitsmarkt hat sich gedreht

„Die Nachfrage ist stärker als das Angebot“, sagt Oliver Ehrcke. Selbst staatlich anerkannter Erzieher, hat der 46-Jährige vor 20 Jahren in Hannover die Agentur „Mary Poppins“ gegründet und vermittelt seither Kindermädchen und Hauswirtschafterinnen. „Das gilt für Städte wie Hannover und Wolfsburg, aber insbesondere auch für die ländlichen Bereiche von Niedersachsen. Der Arbeitsmarkt im Bereich Nannys und Haushälterinnen ist von einem Arbeitgebermarkt zu einem Bewerbermarkt geworden.“

Es gibt einerseits weniger Arbeitssuchende und andererseits mehr Paare, bei denen beide beruflich so stark eingebunden sind, dass sie eine ausgebildete Erzieherin als Kinderfrau einstellen oder auch eine Haushälterin. Oder beides.

Obwohl Ehrcke den Hauptsitz seiner Agentur mittlerweile nach Hamburg verlegt hat, erreichen ihn regelmäßig Anfragen aus Niedersachsen. Für einen dreiköpfigen Haushalt in Buchholz in der Nordheide mit sehr großem Anwesen hat Ehrcke zum Beispiel drei Vollzeit-Haushälterinnen gesucht, die im Schichtdienst arbeiten, sodass auch Zeiten früh morgens und abends abgedeckt sind. Einen Koch gibt es zusätzlich.

Für eine Musikerin aus den USA suchte Ehrcke eine Nanny, die ihren Säugling während einer sechswöchigen Deutschlandtournee betreut – der Agenturchef fand die passende Frau in Hannover: Sie hatte gerade ihr Examen als Kinderkrankenschwester gemacht.

Eine Familie aus Walsrode hatte ein Jahr lang selbst nach einer Haushälterin für ihren Bauernhof gesucht, bevor sie sich an die Agentur wandte. Und eine Familie aus Hannover-List brauchte eine Nanny, die es nicht stört, beim Gang zum Spielplatz von einem Bodyguard begleitet zu werden: Aus Angst vor Kindesentführung hatte die Familie Personenschutz.

Auch die bundesweit tätige Agentur „Butler for you“ vermittelt Personal, zum Beispiel in Hildesheim: Dort sucht ein Haushalt mit sechs Personen eine kinderliebe Hauswirtschafterin, die bereits in einem gehobenen Privathaushalt gearbeitet hat. „Wenn Sie über ein gepflegtes Äußeres und beste Umgangsformen verfügen, bieten wir Ihnen hier die Chance auf eine langfristige und sehr gut dotierte Stelle“, heißt es in der Stellenanzeige. Und weiter: „Sie arbeiten im Team zusammen mit einer weiteren Hauswirtschafterin, einer Nanny und einem Gärtner/Hausmeister.“ Wer möchte, kann 200 Meter entfernt vom Anwesen der Familie eine voll möblierte Wohnung beziehen.

Beratung für Eltern

Auch Oliver Ehrcke hat bereits nach Hildesheim vermittelt: Eine gelernte Hauswirtschafterin aus Hannover nahm dort eine Stelle als Haushälterin in einer Familie mit zwei Kindern an – das Auto fürs Pendeln war Bestandteil des Gehaltes. „Wer gut ausgebildet ist, kann sich seine Stelle aussuchen“, sagt Ehrcke. Die Gehälter von Kinderfrauen und Haushälterinnen liegen in Niedersachsen seinen Angaben zufolge bei 13 bis 18 Euro pro Stunde oder bis zu 3.000 Euro brutto im Monat, bei besonderer Flexibilität abends und am Wochenende bis zu 3.500 Euro.

„Wer nicht bereit ist, das zu bezahlen oder in seinen Anforderungen teilweise zurückzustecken, findet niemanden“, sagt Ehrcke. „Wir beraten die Arbeitgeber daher auch dahingehend, wie sie sich attraktiv machen können.“ Das reicht davon, eine Teilzeitstelle auf nur wenige Tage pro Woche zu komprimieren anstatt an vielen Tagen nur wenig Stunden zu arbeiten, bis zum gestellten Auto für Einkäufe und Kinder-Bringdienste. Außerdem lautet nahezu jede Stellenausschreibung auf „langfristig und unbefristet“.

Was laut Ehrcke heute nicht mehr funktioniert, ist die Erwartung, dass jemand für 20 Stunden als Haushälterin arbeitet und für Einkäufe ein eigenes Auto nutzt, oder dass jemand an fünf Tagen in der Woche bloß drei Stunden arbeitet. „Nicht zu besetzen“, sagt Oliver Ehrcke klipp und klar. „Jedenfalls nicht mit guten Kräften.“

Erzieher dringend gesucht

Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen hat nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in den vergangenen Jahren auch in Niedersachsen zu einer erheblichen Steigerung der Zahl der betreuten Kinder sowie der Beschäftigten in Kindertageseinrichtungen geführt. „Die Zahl der Arbeitslosen im Land ist im Feld der Kinderbetreuung und -erziehung in den letzten Jahren überdurchschnittlich zurückgegangen“, sagt Anja Schmiedeke, Sprecherin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. „Gleichzeitig hat die Zahl der gemeldeten Stellen überdurchschnittlich zugenommen.“

Im November 2018 waren 724 Erzieher/innen arbeitslos gemeldet, 1.447 offene Stellen standen ihnen gegenüber. „Auf 100 gemeldete Stellen für Erzieher/innen kommen rechnerisch damit lediglich 50 Arbeitslose“, sagt Schmiedeke. Um eine Stelle passend besetzen zu können, sei rechnerisch aber ein Verhältnis von drei Arbeitslosen zu einer Stelle notwendig. Schließlich müssen auch Faktoren passen wie etwa Arbeitszeiten, Arbeitsvolumen, Spezialisierung, Berufserfahrung sowie Wohnort respektive Arbeitsort. Bereits bei einem Verhältnis von 2:1 spricht die Bundesagentur für Arbeit daher von einem Fachkräfteengpass.

Bei den Erzieher/innen in Niedersachsen ist das Verhältnis sogar umgedreht: Pro Arbeitslose gibt es zwei Stellen. Obwohl es also arbeitslose Erzieher/innen gibt, reichen sie bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken.

Der „Niedersachsen-Plan“

Um mehr junge Leute für die Erzieher-Ausbildung zu gewinnen, hat das Niedersächsische Kultusministerium zum Schuljahr 2018/2019 den sogenannten „Niedersachsen-Plan“ für mehr Fachkräfte in Kitas gestartet. So ist die Ausbildung jetzt auch in Teilzeit möglich, und durch die praktische Arbeit in Kitas neben der schulischen Ausbildung sollen angehende Erzieher erstmals eine Vergütung erhalten können. Geplant ist außerdem, das Schulgeld abzuschaffen. Es beläuft sich auf rund fünf Millionen Euro jährlich in Niedersachsen und kann frühestens ab 2019 wegfallen. Bis zu 500 neue Ausbildungsplätze sollen an berufsbildenden Schulen geschaffen werden. Mehr als 14.000 junge Menschen befinden sich derzeit in einer Ausbildung zum Erzieher oder zur Erzieherin.

Von Carolin George

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