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Hannover Ein Abend als Glühweinverkäuferin
Hannover Ein Abend als Glühweinverkäuferin
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19:05 10.12.2018
Ausprobiert: HAZ-Volontärin Lisa Neugebauer versucht sich am Glühweinstand Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Auf dem Weihnachtsmarkt Glühwein ausschenken: Was kann da schon schief gehen? Ich habe in meiner Studienzeit in mehreren Cafés gejobbt, bin durch die Arbeit bei der Zeitung stresserprobt und habe sogar einmal eine Matheolympiade gewonnen, so dass schnelles Kopfrechnen kein Problem sein sollte. Beste Voraussetzungen also.

So stellte sich HAZ-Volontärin Lisa Neugebauer hinter dem Tresen der Bude an.

Doch schon als ich ankomme, werde ich vom Sohn des Budenbetreibers argwöhnisch gemustert. „Du hast die falschen Schuhe an“, sagt Sven Kunth. Ich schaue an mir hinab. Ich habe extra alte Winterschuhe an, falls ich Glühwein verkleckere. Außerdem sind sie gefüttert und warm. „Die Hacken werden dich umbringen“, sagt der 37-Jährige. Ach ja, kleine Absätze haben sie auch. „Quatsch“, erwidere ich. „Die habe ich immer im Alltag an.“ Kopfschütteln.

Auf Wunsch mit Schuss

Die Glühweinbude steht in der Nähe des Finnischen Dorfes im Ballhof. Betrieben wird sie von den Schaustellern Manfred und Brigitte Kunth und ihrem Sohn. Im Sommer sind sie mit Spielgeschäften auf Volksfesten unterwegs, zur Weihnachtszeit schenken sie Glühwein aus. Seit mehr als 35 Jahren schenken sie heiße Getränke in Hannover aus. Begonnen hat alles mit einer Bude für Jagertee, heutzutage verkaufen sie außerdem Glühwein, Eierpunsch, Glögg und Kakao, auf Wunsch auch mit Schuss.

Als ich hinter der Theke stehe, wird mir gleich die Tücke der großen Auswahl bewusst: Um mich herum stehen ein halbes Dutzend silberfarbene Warmhaltebehälter. Wo ist was? „Rechts und links der Glögg, hinten und vor der Beerenglühwein, in dem kleinen der Kinderpunsch und den Rest siehst du ja“, werde ich eingewiesen. Die erste Kundin kommt, ich nehme die Bestellung auf und – stehe verwirrt da. Wo war doch gleich der Glühwein?

Zu warm angezogen

Nach ein paar Anläufen habe ich mir alles gemerkt und wirbel hinter dem Tresen herum. Tassen in die Spülmaschine stellen, Glühwein ausschenken, Tassen aus der Spülmaschine holen, Kakao zapfen. Nach zwanzig Minuten wird mir mein erster Fehler bewusst. Nein, es sind nicht die Schuhe, es sind meine Sachen. Ich hatte mich am Morgen explizit vorbereitet: Im Zwiebelsystem zog ich mehrere warme Kleidungsstücke übereinander, so dass mir in der Bude nicht kalt wird. Doch die Temperatur liegt deutlich im Plus. Außerdem heizen Warmhaltebehälter und Spülmaschine die Luft hinter dem Tresen auf und da ich ständig hin und her laufe, um die Kunden zu bedienen, schwitze ich. Brigitte lacht, als sie mein rotes Gesicht sieht.

Die Familie hat eine raue Herzlichkeit. Dass alles höflich und nett in ihrer Bude zugeht, darauf legt Brigitte viel Wert. „Weihnachtsmarkt ist für uns das Schönste im Jahr“, sagt die 60-Jährige. „Da sind die besten Leute.“ Die Menschen kommen nicht, um Krawall zu machen oder sich abzuschießen. „Hier kommt man her, wenn man Zeit hat und die auch genießen will“, sagt Manfred. Viele der Gäste seien schon seit Jahren Stammkunden. Über 30 Pärchen hätten sich sogar an ihrer Bude kennengelernt und kämen zum Jahrestag regelmäßig wieder, erzählt der 60-Jährige.

Bude wird jedes Jahr schöner gemacht

Gegen 18 Uhr wird es voll an der Bude. Die Bestellungen kommen jetzt Schlag auf Schlag, und ich muss gestehen, dass mir der Sieg der Matheolympiade in der dritten Klasse jetzt nicht mehr hilft. Doppelt so lange wie die anderen stehe ich vor der Kasse und rechne noch einmal nach, um nicht zu viel Wechselgeld herauszugeben. Zum Glück verzichten die Kunths auf Pfand, sonst hätte ich noch länger zum Kopfrechnen gebraucht.

In einer Verschnaufpause zeigt mir Manfred das Dach seines selbstgebauten Häuschens. Tiere und Weihnachtsfiguren tummeln sich darauf. Alles leuchtet festlich. „Wir kaufen fast jedes Jahr etwas dazu“, sagt der Budenbesitzer. Den Organisatoren des Weihnachtsmarktes sei es wichtig, dass die Häuschen gut aussehen. Seine Mutter, die sonst auch einen Stand an der Marktkirche betreibt, durfte in diesem Jahr nicht kommen. Der Grund: „Die Bude war nicht schön genug geschmückt“, erzählt Brigitte. Jedes Jahr müsse man ein Konzept für seinen Stand vorlegen und Angst haben, dass die Stadt einen nicht zulässt. „Jedes Jahr soll es noch schöner sein. Alles, was die Stadt betrifft, ist immer sehr aufwendig“, sagt Brigitte.

Nach knapp drei Stunden ist meine Schicht vorbei. Ich genehmige mir noch einen halben hausgemachten Eierpunsch und verabschiede mich von der Familie. Auf dem Nachhauseweg spüre ich, dass meine Füße doch schmerzen. Und das nach nur wenigen Stunden. Widerwillig muss ich zugeben: Sven, du hattest Recht.

Von Lisa Neugebauer

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