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Hannover Markthalle: Auflagen vermiesen das Geschäft und die Stimmung
Hannover Markthalle: Auflagen vermiesen das Geschäft und die Stimmung
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16:46 01.01.2019
Trotz leerer Gänge lange Schlangen vor den Eingängen: In und an der Markthalle hat die von der Stadt angeordnete Begrenzung der Besucherzahl den meisten Händlern das Geschäft und etlichen Gästen die Stimmung vermiest. Quelle: Ingo Rodriguez
Hannover

Sicherheitsauflagen mit schwerwiegenden Folgen: In der Markthalle hat die von der Stadtverwaltung Hannover für Silvester angeordnete Begrenzung der Besucherzahl bei Händlern und Besuchern für Empörung, Enttäuschung und Unmut gesorgt. Trotz stellenweise leerer Gänge und frei gebliebener Plätze bildeten sich schon am Morgen gegen 10 Uhr vor den Eingängen bis zu 50 Meter lange Schlangen. Doch der engagierte Sicherheitsdienst ließ sich nicht erweichen: Auf die von der Stadt aus Sicherheitsgründen für die Zeit von 7 bis 16 Uhr angeordnete Besucherbegrenzung von höchstens 900 Personen wurde streng geachtet. Nur, wenn Gäste die Markthalle verließen, wurden genau so viele Wartende hinein gelassen. Folge der Auflage: Zahlreiche Händler mussten ihre frischen Waren wegen des überschaubaren Publikums und ausgebliebener Verkaufszahlen wegwerfen. Vielen Gäste zeigten sich angesichts der schlechten Stimmung in der mäßig gefüllten Markthalle enttäuscht.

Umsatzverluste, leere Gänge, aber lange Schlangen vor den Türen: In der Markthalle hat die von der Stadt angeordnete Begrenzung der Besucherzahl Händlern das Geschäft und Gästen die Stimmung vermiest.

Hintergrund des Konflikts ist, dass die Stadt die Markthalle normalerweise als Verkaufsraum einstuft – aber am Silvestertag als Veranstaltungsort, weil dort wenig gekauft und viel gefeiert wird. „Dann aber gelten nach dem Baurecht andere Sicherheitsauflagen“, sagt Stadtsprecherin Annika Schach. Entscheidend sei, wie viele Menschen bei einer Notlage die Halle in kurzer Zeit verlassen können – daraus habe sich die errechnete Maximalzahl von 900 Besuchern ergeben. Warum die Besucher bei einer Silvesterparty besser fliehen können müssen als an einem normalen Sonnabendmorgen, wo weit mehr als 900 Menschen zum Frühschoppen dort sind, oder bei 96-Spielen, wo die Halle ein beliebter Treffpunkt ist, darf die Stadt nicht kommentieren: Baurecht ist Landesrecht.

„Wir müssen uns an die Bestimmungen halten“, sagt Schach: „Keinem Mitarbeiter kann man zumuten, die Silvesterparty zu genehmigen, wenn sie gegen die Regeln verstößt.“ Allerdings gibt sie einen Hinweis, wie das Dilemma gelöst werden kann. „Der Betreiber ist in der Bringschuld. Wenn er ein ordnungsgemäßes Veranstaltungs- und Sicherheitskonzept vorlegt, wie eine Silvesterparty in der Halle ablaufen kann, dann sind wir gesprächsbereit.“ Die Betreiberfirma WSW Immobilienverwaltungs- und Management GmbH hatte sich geweigert, ein Konzept vorzulegen, und versucht, die Verantwortung an die einzelnen Standbetreiber zu delegieren. Das wiederum hatte die Stadt abgelehnt: Es brauche ein Konzept für die gesamte Halle.

„Das ist doch Wahnsinn“, sagte um kurz nach 11 Uhr Mathias Meier. Er komme seit acht Jahren aus Paderborn nach Hannover zu der traditionellen Silvestersause in der Markthalle – inklusive Hotelbuchung und Übernachtung. In diesem Jahr hatte er die 120 Kilometer lange Strecke jedoch vergeblich zurück gelegt. Angesichts der meterlangen Schlangen und einer Wartezeit von bis zu zwei Stunden, verzichtete er darauf, sich anzustellen. Die Stadt hatte dem Markthallen-Betreiber, der Firma WSW Immobilienverwaltungs- und Management GmbH, eine ganze Reihe von Auflagen gemacht. Die einschneidendste lautete jedoch: In der gesamten Markthalle dürfen sich am Silvestertag zwischen 7 und 16 Uhr nicht mehr als 900 Besucher aufhalten. Die WSW musste einen Sicherheitsdienst bereitstellen, der die Besucherströme im Blick behält und reguliert. Zudem mussten Rettungswege freigehalten und zusätzliche Feuerlöscher deponiert werden. In den vergangenen Jahren habe es immer wieder Beschwerden über überfüllte Gänge und überlastete Toiletten gegeben, argumentiert die Stadt. Im Übrigen sei man mit der Betreibergesellschaft schon seit Längerem im Gespräch über Auflagen zum Brandschutz.

Für viele Besucher in den Warteschlangen war die Begrenzung der Besucherzahl bei einem Blick von außen durch die Glasfassaden nicht nachvollziehbar. „Da kommt man doch sogar noch mit einem Kinderwagen locker durch die Gänge“, sagte ein wartender Besucher verärgert. Auch die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes wurden mit empörten Wartenden konfrontiert. „Die Leute sind ungehalten: Viele von ihnen haben Plätze an Ständen reserviert, aber kommen trotzdem nicht in die Halle“, sagte der Einsatzleiter des Sicherheitsdienstes. Seine Mitarbeiter hatten die Besucherzahlen an den Eingängen mit Handzählern registriert. „Ab 9 Uhr waren schon die maximal erlaubten 900 Menschen in der Markthalle“, sagte der Einsatzleiter. Seine Mitarbeiter müssten sich an die Vorgaben halten.

Auch in der Markthalle sorgte die Auflage unter den Besuchern für den meisten Gesprächsstoff: „Die Stimmung ist doch eine Katastrophe. Heute ist es viel leerer als an jedem Freitagabend oder in der Woche mittags“, sagte Nicole Dreesmann aus Devese. Sie war mit Freunden schon um 9 Uhr angekommen. Vor allem für die Händler seien die leeren Gänge problematisch. Ein Lebensmittelhändler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, bestätigte dies: „Ich habe extra für Silvester zwei zusätzliche Mitarbeiter engagiert und jede Menge Ware bestellt, aber ich habe bis jetzt nur knapp fünf Euro eingenommen“, sagte er gegen 12 Uhr enttäuscht. Am Stand von Joseph’s Schlemmerplatz und im Café Tijam wurden Waren sogar weggeschmissen, weil es nicht möglich war, die massenweise unverkauften Produkte frisch zu halten. Etliche Händler kündigten an, unter diesen Bedingungen im nächsten Jahr an Silvester nicht zu öffnen. Ein Wurstbetrieb berichtete von Umsatzeinbußen in Höhe von mehreren Tausend Euro.

Deutliche Worte fand der Geschäftsführer der Marthallenverwaltung, Gerhard Schacht. „Etwa 60 Prozent der Halle sind leer, die Händler sind stinksauer.“ Er habe keine Erklärung dafür, auf welcher Grundlage die Stadt sich für eine Begrenzung auf nur 900 Gäste entschieden habe. Es sei nicht einmal ein Behördenmitarbeiter vor Ort oder zu erreichen, um eine mögliche Kulanz zu vereinbaren. Nach Angaben der Stadt aber waren Mitarbeiter vor Ort, um das Geschehen zu beobachten.

Immerhin gewährte der Sicherheitsdienst wenigen Besuchern gegen die Abgabe eines Personalausweises kurzfristig Einlass, um Einkäufe zu erledigen. Raucher erhielten für eine Zigarettenpause außerhalb der Markthalle für ihre Rückkehr einen kleinen Chip. Bei Gastronomin Yeliz Dokmetas hielten sich die Umsatzeinbußen in Grenzen. Ihre Stammgäste seien alle früh genug da gewesen. „Aber die Laufkundschaft fehlt“, sagte sie.

Von Ingo Rodriguez

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