Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Hannover Rosa Fenster für schwule Mieter: Das halten HAZ-Leser von der Aktion
Hannover

Hannover: Rosa Fenster für schwule Mieter: Das sagen HAZ-Leser zu der Aktion

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:28 02.12.2019
Die Fenster des Anstoßes: Von den rosa gestrichenen Rahmen an der Südstädter Hausfassade fühlte sich ein homosexuelles Paar diskriminiert. Quelle: privat
Hannover

Wirbel um Gartenheim: Im Streit um eine Modernisierung hat die Wohnungsgenossenschaft die Fenster zur Wohnung zweier homosexueller Männer rosa streichen lassen. Die klagten auf Diskriminierung und bekommen jetzt auf Grundlage eines Vergleichs 1000 Euro zugesprochen – für die Lasten der Modernisierung wie für die von ihnen so empfundene Diskriminierung. Alles nur ein Missverständnis? Zahlreiche HAZ-Leser haben uns zu diesem Thema ihre Meinung geschrieben – hier eine Auswahl:

Öffentlich entschuldigen

Peter Götsch, Hannover: Ich bin bestürzt, dass so etwas in Hannover passieren kann – kurz nach der großen Demo „Bunt statt Braun“. Das ist eine Frechheit und Diskriminierung, die Fenster hätten auch in der Farbe champagnerfarbig gestrichen werden können. Die Fenster sind eindeutig rosa , erdbeerfarbig ist rot. Kennt Herr Dr. Haese (Gartenheim-Vorstand Günter Haese, d.Red.) keine Erdbeeren? Warum so auffällig? Es sind Menschen mit dem Rosawinkel verfolgt, getötet und gefoltert wurden. Was will man uns damit sagen? Das geht absolut nicht. Die Genossenschaft sollte sich öffentlich bei den Mietern entschuldigen und überlegen, ob sie wirklich den richtigen Vorstand hat. Ein Mann, der so polarisiert, schadet der Genossenschaft deutlich in der Öffentlichkeit.

Erinnerung ans Mittelalter

Thomas Möritz-Städtler, Langenhagen: Man muss nicht mit der hannoverschen Schwulen- und Lesbenszene sympathisieren, um zu verdeutlichen, dass der Vorstand der Gartenheim-Genossenschaft über das Ziel hinaus geschossen ist. Aber der Wohnungsnotstand wird wohl wiederum dafür sorgen, dass dieser für seine Verbalinjurien bekannte Herr wohl noch Zustimmung vom rechten Rand erhält. Mich erinnert dieses Vorgehen an das Mittelalter, wo Minderheiten und Aussätzige auf dem Marktplatz zur Schau gestellt wurden. Das ist Diffamierung im höchsten Maße unter dem vermeintlichen Schutz einer mehr oder weniger schweigenden Mehrheit. Die Strafe von 1000 Euro ist angesichts dessen, was beide Mieter nun durchmachen müssen, ein Witz.

Nur fadenscheinige Argumente

Birgit Oelze, Garbsen:Das Vorgehen des Vermieters ist eine unglaubliche Unverschämtheit und Diskriminierung gegenüber seinen Mietern und verstößt gegen Artikel 1 des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar! Da kann er sich auch nicht mit fadenscheinigen Argumenten rausreden, das Foto spricht für sich! Beschämend ist außerdem die niedrige Vergleichssumme. Für mein Rechtsempfinden müsste sie für diese bodenlose und bewusste Unverschämtheit wesentlich höher sein.

Jenseits der Zivilisationsgrenzen

Uwe Holland, Isernhagen:Konnte man die vom Autor diplomatisch als „polarisierend“ bezeichneten Busenschnecken und kopulierenden Schafe vielleicht noch verständnisvoll der Phantasie eines Spätpubertierenden zuschreiben, so überschreitet Herr Haese jetzt endgültig die Grenzen alles Zivilisierten: Während Schwule in den dunkelsten Zeiten unserer Geschichte den rosa Winkel tragen mussten, geht Herr Dr. Haese jetzt einen Schritt weiter. Wann bekommt dieser Mensch endlich die Rote Karte? PS: Haben Gartenheim-Mieter eigentlich Anspruch auf Mietminderung fürs Fremdschämen?

Die Fenster des Anstoßes: Von den rosa gestrichenen Rahmen an der Südstädter Hausfassade fühlte sich ein homosexuelles Paar diskriminiert. Quelle: privat

Ringen um Anerkennung

H. Jürgen Dirk, Arzt für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie, Hannover: Heute rosa Fenster und morgen rosa Winkel: Mit seiner verachtenden Aktion hat Herr Dr. Haese sowohl für Unsicherheit und Angst bei der LGBT-Community (Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Gemeinschaft, d.Red.) gesorgt, als auch der weltoffenen Stadt geschadet. Die Tragik in der Person ist wohl darin zu finden, dass er im Schatten seines Vaters ,eines anerkannten Künstlers, steht. Um Anerkennung ringend, muss er offensichtlich immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen, wobei ihm jedes Mittel recht ist. Die Wohnungsgenossenschaft lässt ihn seine „Vaterwunde“ (Anselm Grün) ausagieren. Die Angelegenheit gehört an die Antidiskriminierungsstelle nach Berlin. Die Sanktionen des Gerichts sind doch „Peanuts“ und werden zu keiner Verhaltensänderung bei Herrn Dr. Haese führen.

Relikte dunkelster Vergangenheit

Dr. Hans-Dirk Rommel, Hannover: Diesmal ist der Profilierungsneurotiker Dr. Haese über das Ziel hinaus geschossen. Gleichgültig, welche Streitereien dem vorgesehenen Fensterwechsel vorausgingen: Die Diskriminierung der beiden Mieter durch die rosafarbenen Fensterrahmen ist ein Vorgang, der in seiner perfiden Geschmacklosigkeit nur noch durch die Dummheit des Verursachers übertroffen wird. Dass die von den Nazis ins KZ gebrachten Schwulen mit dem Rosawinkel gekennzeichnet wurden, wird Herrn Dr. Haese nicht unbekannt sein. Er weckt Erinnerungen an vergessen geglaubte Relikte unserer dunkelsten Vergangenheit.

Hinweis: Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, müssen wir Leserbriefe gelegentlich kürzen.

Möchten Sie auch einen Leserbrief an die Redaktion senden? Dann nutzen Sie ganz bequem dieses Formular.

Lesen Sie auch

Von red

Das Landgericht Hildesheim hat einen früheren Chef des ASB in Hannover zu sechseinhalb Jahren Haft wegen schwerer Untreue verurteilt. Der 46-Jährige soll insgesamt 8,1 Millionen Euro, die der Verband in der Flüchtlingskrise erhielt, abgezweigt und zu einem großen Teil in den Libanon überführt haben. Seinen Mittäter Thomas F. verurteilten die Richter wegen Beihilfe zur Untreue und Betrug zu dreieinhalb Jahren Gefängnis.

28.11.2019

Ein Schneemann aus Steinen soll künftig durch Hannover wandern und alle zwei bis drei Jahre seinen Standort wechseln. Die Skulptur „Bonhomme“ von documenta-14-Teilnehmer Daniel Knorr wurde vor zwei Jahren anlässlich der Ausstellung „Made in Germany III“ aufgestellt und soll auf den Klimawandel hinweisen.

25.10.2019

Der eine war mal Kanzler, der andere immer wieder Chefredakteur. Gerhard Schröder und Manfred Bissinger sind Gäste eines unterhaltsamen Abends im Literarischen Salon in Hannover.

22.10.2019