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Hannover „Lüttje Lage“: Der Impfpass
Hannover „Lüttje Lage“: Der Impfpass
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18:11 24.04.2019
Johanna Stein Quelle: HAZ
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Hannover

Viele glauben, das Bernsteinzimmer erhalte seine Farbe durch die Wandverkleidung aus Bernstein. Meine Theorie ist dagegen, dass jenes Zimmer mit unzähligen verschollenen und vergilbten Impfpässen tapeziert ist. Ich allein habe wohl schon drei Pässe beigesteuert.

Erst vor Kurzem fragte mein Hausarzt nach meinem Impfausweis. Vor lauter Panik geriet ich derart ins Schwitzen, dass der Doktor schon die Spritze gegen Tollwut zückte. Also begann ich zu suchen – vor allem in Handtaschen. Manche Frauen sollen ja ein Handtaschenproblem haben. Zu denen gehöre ich nicht, ich habe schließlich genug davon. Etwa 50 müssten es sein, aber so genau möchte ich lieber nicht nachzählen.

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Auf der Suche nach dem Impfpass habe ich so einiges gefunden: Haarklammern, Bonbons, Tabletten, eine Visitenkarte meines Ex-Freundes, mehrere Gutscheine, etwa 3,48 Euro in bar, genug Sanifairbons, um damit eine ganze Raststätte zu kaufen, einen Spiegel (einen echten, nicht das Magazin), einen Stern (das Magazin, keinen echten), einen aufblasbaren Schwimmring mit Flamingokopf, einen weihnachtlichen Haarreif mit Rentiergeweih, vier Tütchen heiße Zitrone und etliche große Handtaschen, in denen sich kleinere Handtaschen befanden, in denen sich wiederum Geldbeutel befanden. Was ich nicht fand: den Impfpass.

Der griechische Philosoph Philemon (etwa 361 bis 263 v. Chr.) pflegte zu sagen: „Alles auf der Erde lässt sich finden, wenn man nur zu suchen sich nicht verdrießen lässt.“ Aber der hatte sicher auch keine 50 Handtaschen.

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Von Johanna Stein

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