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Hannover Sogar Pfandsammler finden die Pfandringe „überflüssig“
Hannover Sogar Pfandsammler finden die Pfandringe „überflüssig“
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00:43 08.04.2018
Auch wenn vereinzelend Flaschen in den Behältnissen zu finden sind: Das Pilotprojekt „Pfandringe“ gilt in Hannover als gescheitert. Quelle: Fotos: Franson
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Hannover

Er nennt sich Tomtom. Der 54-Jährige ist Pfandsammler, gerade ist er auf der Limmerstraße unterwegs, einem der Testorte für das Pilotprojekt Pfandringe, das die Stadt in dieser Woche für gescheitert erklärt hat. Zwei Flaschen hängen in der Metallkonstruktion am Laternenmast. „Mit dem Pfand kaufe ich einen Kakao für einen Freund“, strahlt er. Hat das Projekt also doch sein Ziel erreicht? Die Antwort ist ernüchternd: „Pfandringe sind relativ überflüssig“, findet Tomtom: „Viele übersehen die und stellen Pfandflaschen auf den Boden.“

Bezirksbürgermeister nicht enttäuscht

24 000 Euro hat das Pilotprojekt gekostet, an drei Standorten wurden Pfandringe montiert, damit Bedürftige nicht in Mülleimern nach Flaschen suchen müssen. Die Sozialeinrichtung Karl-Lemmermann-Haus hat das Projekt als Studie begleitet – und ist zu dem Schluss gekommen, dass der Nutzen gering ist: Zu wenige Passanten stellen Flaschen in die Ringe, und die Sammler durchwühlen die Mülleimer trotzdem. Initiiert hat das Projekt der Bezirksrat Linden-Limmer. Empfindet Bezirksbürgermeister Jörg-Rainer Grube das Aus jetzt als Niederlage? „Nein“, sagt er: Man habe das System nur mal ausprobieren wollen. „Die Weitergabe von Flaschen an Sammler funktioniert auch ohne diese drei Pfandringstandorte super weiterhin“, sagt Grube. 

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Für viele Passanten dagegen sind die Konstruktionen offenbar schon zur Gewohnheit geworden. „Es ist eine gute Aktion, und wenn ich ohnehin schon eine leere Flasche in der Hand habe, dann kann ich sie auch hier hineinstellen“, sagt Christian Osterhues, nachdem er eine Glasflasche im Pfandring deponiert hat. Der 23-jährige Kai Meinders dagegen findet die Pfandringe zwar gut, stellt Flasche aber meist neben Mülleimern ab. Auch Felix Waschkeit begrüßt die Initiative: „Wenn man auf der Limmerstraße unterwegs ist und was trinkt, dann benutzt man die auch gerne“, sagt der 23-Jährige. 

 Auch in Hamburg gab es Probleme

Nicht nur in Hannover – auch in anderen Städten wie Hamburg oder Düsseldorf werden die Pfandringe nicht so genutzt, wie es gewünscht wäre. In Hamburg sei das Projekt „Pfandregale“ ebenso gescheitert wie in Hannover, sagt der dortige Stadtreinigungssprecher Reinhard Fiedler: „Wir haben von Anfang an befürchtet, dass sie Zweckentfremdet werden.“ Hamburg hatte vor fünf Jahren rund 160 Pfandregale an spezielle Papierkörbe mit Presswerk im Inneren moniert, weil dort der Müll direkt komprimiert wird und die Pfandflaschen dadurch verloren wären. Dazu gab es eine Absprache mit den Pfandsammlern, die im Gegenzug dafür sorgen sollten, dass die Regale müllfrei bleiben. Doch diese hätten sich nicht an die Vereinbarung gehalten, sagt Fiedler. „Eine Zeit lang haben wir versucht, mit eigenen Mitarbeitern die Pfandregale zu reinigen.“ Der Zusatzaufwand aber sei zu hoch gewesen. Mittlerweile seien die Pfandregale auf die Hälfte geschrumpft und es sollten auch keine neuen mehr moniert werden.

Anders in Düsseldorf: Auch dort wurde zwar das Ziel nicht erreicht, Pfandsammlern das Müllwühlen zu ersparen. Weil die Resonanz aus der Bevölkerung aber gut gewesen sei, wurde das Projekt weitergemacht – und verlagert. „Der Einsatz von Pfandringen erscheint in Düsseldorf sinnvoll an Stellen mit viel Fußgängerverkehr, etwa im Bereich Altstadt und der Rheinuferpromenade sowie im Bahnhofsumfeld“, sagt Umweltamtsprecherin Inge Bantz. Die Zahl soll demnächst von 24 auf etwa 60 erhöht werden. 

In Hannover dagegen ist nun bald Schluss mit den Pfandringen. Außer in der Limmerstraße waren sie am Steintor und am Lister Platz montiert. Am Montag will der Umweltausschuss des Rates das Ende des Projekts beraten.

Von Laura Ebeling