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Hannover Themen Archiv Expo Hannover - 10 Jahre danach Expo-Tagebuch: HAZ-Redakteure erinnern sich
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15:23 18.06.2010

Expo-Tagebuch: HAZ-Redakteure erinnern sich

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19. Juni: Eine riesige Pinocchio-Figur aus schokoladenbraunem Gummi, geschaffen vom amerikanischen Künstler Paul McCarthy, ist vom Expo-2000- Kunstprogramm „In Between“ ebenso in bester Erinnerung geblieben wie ein Audi, durch dessen aufgerissenes Dach ein Baum emporwuchs. Das Werk des italienischen Meisters Maurizio Cattelan vermittelte den Eindruck, als hätte das Gewächs das Gefährt tatsächlich durchstoßen. Am Nachhaltigsten aber irritierte ein anderes Weltausstellungskunstwerk: das „Weltwunder“ der österreichischen Gruppe Gelatin. Bis zum Expo-Ende rätselten die allermeisten, was es wohl enthielt. Das Besondere daran war: Wer es sehen wollte, musste tauchen. Heute vor zehn Jahren wagte Expo-Journal-Mitarbeiter Stefan Gohlisch (heute Redakteur der Neuen Presse) im mutigen Selbstversuch die Untersuchung des Wunders. Bei sommerlichen Temperaturen stieg er in den planschbeckenkleinen Behälter und tauchte durch einen etwa fünf Meter langen Schacht, der ihn an einen Toilettenabfluss denken ließ. Was er im „Zentrum des Wunders“ erlebte, verriet er damals aber sadistischerweise nicht. „Es ist wie mit dem ersten Kuss. Den sollte man auch persönlich erleben. Wie er sich anfühlt, hängt von einem selber ab“, schrieb er im Expo-Journal. Heute sagt der tauchende Reporter: „Drinnen war nichts. Das war das wahre Weltwunder. Man tauchte durch einen Gang, kam in eine Plastikkammer, blickte mit verblüfftem Gesicht in verblüffte Gesichter, lachte, und wusste, dass man das Geheimnis nicht verraten werde. Johanna di Blasi

Quelle: Rainer Dröse

21. Juni: Wer sein Schwiegersohn wird, das konnte König Carl XVI. Gustaf von Schweden vor zehn Jahren nun wirklich nicht ahnen. Über die Zukunft reden, heißt eben nicht, die Zukunft zu kennen. Trotzdem sollte man sich über das Morgen Gedanken machen, und das taten Fachleute beim „Global Dialogue“. Die Expo-Veranstaltung zu Zukunftsfragen wurde von Carl Gustaf eröffnet. Und er tat es eloquent. Überhaupt brachten Könige und Co. nicht nur gute Presse für die Weltausstellung, sondern auch Gäste in die niedersächsische Landeshauptstadt.

Das war ganz im Sinne des Mottos „Die Welt zu Gast in Hannover“. Doch manchmal brachte die Welt auch Dinge mit, die man nicht unbedingt haben muss: Heuschrecken in Senf zum Beispiel. Im Themenpark Ernährung bereitete der hannoversche Koch Mathias Westhuis (Bild) die kleinen Insekten mundgerecht zu. Dafür holte er sich Tipps von einem Kollegen aus Ghana, der ihm riet, Unterschenkel und Flügel zu entfernen. Danach solle er die Tierchen in den Kühlschrank stecken. Das betäube. Westhuis entschied sich, sie in Knoblauch, Senf und Kräutern zu rösten. Ohne Flügel und Unterschenkel. Die hiesige Gastronomie jedenfalls ist von Heuschrecken bis heute verschont geblieben. Heike Manssen

Quelle: ichael Thomas

22. Juni: Ganz cool, ganz locker war er drauf, der Dennis. Die Fans waren begeistert. Und glücklich diejenigen, die ein Autogramm vom „Easy Rider“ ergattern konnten. Dennis Hopper, der im Mai dieses Jahres verstarb, besuchte vor 10 Jahren die Weltausstellung in Hannover. Der amerikanische Schauspieler und Regisseur stellte sein neustes Werk vor, beim Expo-Filmfest am Abend wurde allerdings zuerst der Kultstreifen „Easy Rider“ aus dem Jahr 1969 gezeigt. Hopper kam zur Autogrammstunde und zum Fototermin natürlich standesgemäß auf einer Harley angefahren. Er hatte das gute Stück vom hannoverschen Harley Owners Club ausgeliehen. Die Mitglieder waren mächtig stolz darauf. Sie hörten einfach weg, als Hopper bekannte, dass er noch nie eine Harley Davidson besessen habe.

Und was war sonst noch los an diesem 22. Expo-Tag? Eine Tierärztin stoppte das unnötige Wellensittichsterben in der Themenpark-Halle „Mensch“. Hier lebten 300 Tiere in einem Käfig zusammen, um den Besuchern die Überbevölkerung der Welt zu veranschaulichen. Und das wurde irgendwann auch den Sittichen zu viel. Etwa 50 Vögel überlebten die Ausstellung nicht. Diagnose der behandelnden Tierärztin: Ihnen war zu viel Expo-Stress zum Verhängnis geworden. Heike Manssen

Quelle: Michael Thomas
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